Warendorf: Eine besondere Platzierung für Anna Casper und ein Bundeschampion für Anne Haggenmüller
Last but not least standen die fünfjährigen Dressurpferde an und was soll man sagen: Es kam zum Abschluss noch einmal zu richtig brodelnder, gar begeisterter Stimmung für den Dressursport und die tollen Nachwuchspferde. Allen voran begeisterte Charlott-Maria Schürmann mit Viva las Vegas (v. Viva Gold-Foundation, Z.: Reinhard Baumgartner), die sich den Titel sicherte.
„Charlott, wow, ich muss mich erst mal sammeln“, begann Nicole Nockemann ihren Kommentar. Der Trab zeigte sich mit unglaublicher Bewegungsmechanik und ganz viel Dynamik, stets mit viel Go aus dem Hinterbein. „Zwei, drei Momente kam es zu kurzen Balanceproblemen. Wenn sich das Eisen greift, dann ist das Hinterbein etwas früh am Vorderbein. Das benötigt noch mehr Losgelassenheit“, erläuterte Nicole Nockemann, die das aber sofort als Meckern auf höchstem Niveau einordnete, und so stand im Trab eine 9,3. Der Schritt zeigte sich im starken Schritt fleißig schreitend, wenn auch nicht mit dem größten Übertritt. Besonders im Mittelschritt benötigt es noch mehr Gelassenheit (8,0). Ein wahres Highlight bildete der Galopp: immer ins Bergauf, runder Durchsprung, immer kraftvoll aus der Hinterhand mit der benötigten Hankenbeugung. Die Schwebephase wurde ebenfalls sehr ausdrucksvoll gezeigt und verlängerte sich in den Verstärkungen vorbildlich. Hinzu kamen vier sehr sichere fliegende Galoppwechsel (9,5). In der Durchlässigkeit stand die glatte 9, wobei eine 9,5 im Gesamteindruck hinzukam. Das ergab die Endnote von 9,06. „Man hat das Gefühl, dass er unter allen vier Füßen Sprungfedern hat. Dieses Pferd hat Charakter für eine 12, obwohl er Hengst ist, ist er ein richtiger Schatz“, schwärmt Charlott-Maria Schürmann, die den Hengst für die im Allgäu beheimatete Anne Haggenmüller entdeckt hat und nun ausbildet. „Charlott hat Viva las Vegas alleine ausprobiert und nach einer Runde gesagt, das ist er. Ich konnte zu dem Zeitpunkt selbst nicht reiten, weshalb wir Charlott komplett vertraut haben“, beschreibt die Besitzerin Anne Haggenmüller, die den charmanten Hengst irgendwann dann auch selbst übernehmen möchte. Erneut eine Runde wie aus einem Guss gelang Kira Laura Soddemann mit Fiete (v. Fashion in Black-Rock Forever, Z.: Robert Drenker). Auch dieses Duo sorgte verdient für Szenenapplaus. Der Sympathieträger der letztjährigen Entscheidung der fünfjährigen Dressurpferde, wobei der Westfale damals zur Bronzemedaille getrabt war, hat über den Winter mühelos den Sprung in die nächste Klasse geschafft. Vor wenigen Wochen avancierte er zum Westfalenchampion und lieferte eine Runde, die besonders in puncto Durchlässigkeit kaum zu übertreffen war (8,78). Bronze ging an Zoe Marie Hachmeier mit dem Hannoveraner Sparky (v. Secret-Dr. Watson, Z.: Sabrina Redelmann) (8,56).
Das vierte Mal in Folge
Eher zu Beginn der Prüfung begeisterten Anna Casper und DSP Birkhof’s Elocin (v. Escamillo-Fürstenball, Z.: Karl Franz Martin). Das Besondere: Bereits zum vierten Mal sorgten Anna Casper und DSP Birkhof’s Elocin in Warendorf für Aufsehen. Dabei standen sie nun auch viermal hintereinander im Finale, wobei sie sich unter anderem vierjährig die Silbermedaille gesichert hatten. Diese Konstanz ist eine Meisterleistung! Wussten Sie, dass Elocin rückwärts gelesen Nicole bedeutet. Ja, das ist kein Zufall. „Nach dem Tod von Rössle durfte sich meine Mutter ein Pferd raussuchen und da hat sie sich Elocin rausgesucht. Aber es war ja klar, dass sie ihn nicht drei- und vierjährig reiten möchte, deshalb habe ich ihn dann übernommen“, erläutert Anna Casper. Er besitzt zwei Spitznamen, Elo oder Esel. „Wir nennen ihn von klein auf immer wieder liebevoll Esel. Als Fohlen hat man ihn in der Gruppe nur erkannt, weil er so lange Ohren hat. Ihm passen auch kaum Ohrenkäppchen“, beschreibt Anna Casper. Elocin ist eben ein echtes Familienpferd! Im Finale der sechsjährigen Dressurpferde reihten sich die beiden mit einer Endnote von 8,14 auf einem starken sechsten Platz ein. Dabei ist besonders der losgelassen schreitende Schritt mit gutem Vor- und Übertritt hervorzuheben (8,6), aber auch einmal mehr der kraftvoll ins Bergauf gesprungene Galopp mit guter Versammlungsbereitschaft (8,3). Etwas Pech hatten Carina Harnisch und ihr DSP Snickers (v. Secret-Carabas, Z.: Erwin Feichtenbeiner): Sie verpassten mit einer Endnote von 7,38 eine Platzierung und erwischten mit ein paar Fehlern nicht den besten Tag. Doch auch diese Leistung erneut im Finale zu stehen ist stark. So steht auch Snickers, den Carina als richtig coole Socke beschreibt, bei den Bundeschampionaten zum vierten Mal in Folge im Finale.
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