Warendorf: Top5-Platzierung für Franz Trischberger im Finale
Was hat Deutschland für tolle Nachwuchspferde. Das Finale der siebenjährigen Dressurpferde war ein Genuss, wobei gleich vier Pferde an der magischen 80-Prozentmarke kratzten. Eine, die befand sich dabei aber fast schon in einer eigenen Liga. Die Rede ist von der Hannoveraner-Stute Felice FRH (v. Fürst Samarant-Riverside, Z.: Rene Janzen), die einfach nur verzauberte.
Aber bleiben wir zunächst einmal bei „verzaubern“: Aus dem Spitzenteam der Finalqualifikation musste Franz Trischberger mit Zaubermann (v. Zoom-Belissimo, Z.: Winfried Albers) vorlegen. Und das taten die Zweitplatzierten der Finalqualifikation. Bereits die Trabtour überzeugte voll und ganz, oder wie es Nicole Nockemann erläuterte: „Mit deinem Zaubermann hast du hier wirklich etwas ins Viereck gezaubert. Im Trab bleiben nicht viele Wünsche offen. Alle Tempi wurden fließend und präzise umgesetzt.“ (9,0). Der Schritt präsentierte sich losgelassen schreitend und mit guter Rückführung (8,6). Im Galopp zeigte sich eine gute Bergauftendenz mit guter Lastaufnahme in den Galopppirouetten (8,3). Leider brachte Zaubermann hier heute die Zunge übers Gebiss, was Franz Trischberger aber brillant und äußerst gefühlvoll löste. Dennoch hätte sich hier Zaubermann teilweise im Ganaschenwinkel noch mehr öffnen dürfen, was in der Durchlässigkeit zu einer 7,6 führte. Im Gesamteindruck stand eine 8,5. Das führte in der Note für die Qualität zu 84 Prozent und in der technischen Note zu 74,3 Prozent, was schlussendlich für einen starken vierten Platz reichte. Dabei reihten sich die Zweit- und Drittplatzierten nur um einen Wimpernschlag vor dem Duo ein. Auch mit seinem zweiten Pferd, dem DSP-Württemberger FBW Emiliano (v. Escolar-Lingh, Z.: Heiner Eppinger), wusste Trischberger voll und ganz zu überzeugen. Die beiden reihten sich mit 77 Prozent auf Rang sechs ein. „Beide Pferde besitzen überragende Grundgangarten. Dann zeichnet beide die Zeichnung und Farbe aus. Sie sind einfach zwei ganz auffällige Pferde mit ihren weißen Beinen und der Blässe“, beschreibt Franz Trischberger und fügt hinzu: „Bei Zaubermann mag ich das schnelle Hinterbein und die Fähigkeit, dass er wirklich Last aufnehmen kann und gleichzeitig auch alles nach vorne gut entwickeln kann. Emil ist alleine schon von seiner Größe einfach imposant. Er hat auch ganz viel Talent für die Versammlung. Beide haben eine richtig tolle Arbeitseinstellung und sind einfach ganz besondere Jungs!“
Der nächste Titel für Felice FRH
Schon vor zwei Jahren hatte die elegante, gar einem Reh ähnelnde Stute unter dem Sattel ihrer Ausbilderin Greta Heemsoth bei den Bundeschampionaten mit den Siegen in der Finalqualifikation und im Finale der fünfjährigen Dressurpferde Ausrufezeichen gesetzt. Es folgten im vergangenen Jahr Finalstarts bei der WM der jungen Dressurpferde, wozu sie auch in diesem Jahr bereits gehörte. Gleich vorneweg: Besonders beeindruckend war die Selbstverständlichkeit, mit der sich Felice FRH durch die Dressurpferdeprüfung der Klasse S „schnurrte“, stets super geschlossen aus dem Hinterbein und schon sehr ausbalanciert. Gleich zum Prüfungsauftakt zeigte sich die Stute in den Trabseitengängen äußerst schwungvoll und elastisch. „In der Trabarbeit ließ die Stute kaum Wünsche offen. Diese fließende Energie ins Bergauf und dieses Hochmaß an Elastizität, das war absolut klasse“, erläuterte Nicole Nockemann, und so vergaben die Richter hier eine 9,5. Im Schritt konnte man, wenn man meckern wollte, den noch nicht ganz großen Vor- und Übertritt „bemängeln“. Der Schritt zeigte sich aber immer taktsicher (8,0). Im Galopp zählten die sicheren fliegenden Galoppwechsel sowie die bereits gut zentrierten Galopppirouetten mit hoher Bereitschaft für die Lastaufnahme zu den Highlights. Teilweise zeigte sich hier Felice FRH noch etwas übereifrig, so könnte sich der Durchsprung hier noch gleichmäßiger ins Bergauf entwickeln (8,5). Bei der Durchlässigkeit standen mit zwei knapp durchgesprungenen Galoppwechseln zwei wahre Schönheitsfehler (8,9). Im Gesamteindruck stand eine 9,0. Eine Prüfung, die sich insgesamt wie auf Schienen präsentierte und verdient in der technischen Note mit 75,6 Prozent und in der Note für die Qualität und Perspektive mit 87,6 Prozent bewertet wurde. Das machte unterm Strich starke 81,6 Prozent und den verdienten Titel im Bundeschampionat der siebenjährigen Dressurpferde.
Ellen Richter und der Oldenburger-Wallach Found Gody (v. Foundation-Vivaldi, Z.: Gestüt Lewitz) rollten das Feld fast ganz von hinten auf und wurden am Ende mit dem Vizetitel belohnt. Die beiden Spitzenpferde hätten wahrlich nicht unterschiedlicher sein können. So handelt es sich bei Found Gody um einen langbeinigen und äußerst großrahmigen Wallach, der hier und da auch noch größere Mühe hatte, diese Größe gepaart mit seinem enormen Bewegungspotenzial „zu verpacken“. Doch Ellen Richter wusste dies einmal mehr bestens zu unterstützen. Found Gody punktete besonders im Galopp, wobei er hier sehr viel Versammlungsbereitschaft zeigte und mit aktiv ins Bergauf gesprungenen Galoppwechseln punktete (8,8). Der Trab zeigte sich schwungvoll mit viel Abdruck, teilweise hätte er sich in den Seitengängen aber noch besser tragen dürfen (9,0). Der Schritt präsentierte sich klar im Takt, insgesamt hätte er hier den Hals aber noch besser fallen lassen dürfen (8,2). Apropos Takt: Die Taktsicherheit des Wallachs war in allen Grundgangarten besonders beeindruckend. Insgesamt hätte die Selbsthaltung aber noch stabiler sein dürfen, was in der Durchlässigkeit zu einer 8,4 führte. Im Gesamteindruck stand eine 8,6. So standen am Ende auf der Ergebnistafel in der technischen Note 73,1 Prozent und in der Note für die Perspektive und Qualität 86 Prozent, was unterm Strich 79,59 Prozent für den Bundeschampionats-Finalisten der vergangenen zwei Jahre bedeutete. Nicole Wego-Engelmeyer komplettierte mit Zuccador QD (v. Zenon-Lauries Crusador, Z.: Hof Kasselmann) das Podest (79,51 Prozent) und setzte sich damit knapp gegen den Bayer Franz Trischberger mit Zaubermann (v. Zoom-Belissimo, Z.: Winfried Albers) durch, der gleich zu Beginn der Prüfung mit 79,1 Prozent eine erste Messlatte gesetzt hatte.
Weitere Platzierungen für Süddeutschland
Auch Christian Alexander Kömpf mit Semenyo und Anna-Lisa Schepper mit Birkhof’s Esperanto wussten im Finale zu überzeugen. Ersterer reihte sich mit dem Hannoveraner-Wallach (v. Secret-Belissimo, Z.: Bernd Nöthen) und 76,5 Prozent auf einem starken achten Rang ein. „Er hat mich in der Prüfung noch nie hängen lassen und gibt im Viereck eigentlich immer nochmal mehr als im Training. Er ist bisschen draufgängerisch, entspannt, lustig und immer gut drauf“, schwärmt der bayerische Dressurausbilder und fügt hinzu: „Bei uns hat es vom ersten Tag an Klick gemacht. Ich reite ihn jetzt seit gut einem halben Jahr. Er konnte Wechsel und Traversale, aber es war alles noch etwas wackelig. Über die Saison hat er sich jetzt so toll entwickelt. Wir sind nicht viele Turniere gestartet, das ist jetzt eigentlich unser viertes gemeinsames Turnier, aber in jeder Prüfung hat er sich entwickelt und sich verbessert. Ich bin sehr stolz auf ihn und der Familie Ritzinger sehr dankbar, dass ich ihn reiten und ausbilden darf.“ Anna-Lisa Schepper und Birkhof’s Esperanto (v. Escamillo-Quaterback, Z.: Anne Klakow) lieferten als erstes Paar eine sehr schöne Runde (74 Prozent) und reihten sich schlussendlich auf Rang 13 ein. Ein Umspringen vor der rechten Galopppirouette sowie das Verlieren des Kandarenzügels in den Serienwechseln kostete ein paar Punkte. „Birkhof‘s Esperanto ist für mich ein ganz besonderes Pferd. Seit er dreijährig ist, darf ich ihn auf seinem sportlichen Weg begleiten. Er ist der erste Deckhengst, den ich bis in die schwere Klasse ausbilden durfte, und über die Jahre sind wir zu einem sehr eingespielten Team geworden. Besonders an Esperanto schätze ich seine große Motivation und Arbeitsbereitschaft. Er ist jeden Tag mit Freude bei der Sache und man kann mit ihm immer genau dort weiterarbeiten, wo man am Tag zuvor aufgehört hat. Gleichzeitig liebt er es, zur Abwechslung ganz entspannt ins Gelände zu gehen. Und mit Karotten kann man ihm natürlich immer eine Freude machen“, beschreibt Anna-Lisa Schepper und man merkt schnell, dass der Hengst für sie ein echtes Herzenspferd ist. „Mit seiner imposanten Erscheinung und seiner besonderen Ausstrahlung ist Esperanto ein Pferd, das einfach auffällt. Was unsere gemeinsame Zeit für mich aber vor allem ausmacht, ist das Vertrauen, das über die Jahre entstanden ist. Wir kennen uns mittlerweile in- und auswendig und können uns zu 100 Prozent aufeinander verlassen. Nach Warendorf möchten wir unseren gemeinsamen Weg weitergehen und Esperanto Schritt für Schritt in der schweren Klasse etablieren. Ich freue mich sehr darauf, zu sehen, wohin uns dieser Weg noch führen wird“, setzt die Bereiterin vom Gestüt Birkhof fort. Alles in allem wusste Süddeutschland im Finale der siebenjährigen Dressurpferde voll und ganz zu überzeugen.
Ähnliche Meldungen
Warte mal kurz...
Hat Dir der Beitrag gefallen? Ja? Dann schnupper doch mal in unsere Printausgaben.