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Montag, 06.05.2019 um 19:31

Para Equestrians: Ganz oben wird die Luft dünn

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Auf den Weltreiterspielen in Tryon konnten die Deutschen Para Equestrian Reiter 4 Bronzemedaillen mit nachhause nehmen, darunter immerhin eine Team-Medaille. Das ist einerseits eine erfreuliche Bilanz, andererseits eben doch keine generelle Platzierung in den allersten Reihen dieser Sportart, in der – aufgeteilt auf die Wettbewerbe in den verschiedenen Grades –   insgesamt 16 Medaillen vergeben werden. Vorbei sind die Zeiten, in denen das deutsche Parasport-Team auf Championaten sicher mit Positionen ganz oben auf dem Siegertreppchen rechnen konnte. Die Gründe dafür sind vielfältig – sie reichen vom Ausscheiden von Ausnahmepferden (wie zum die Erfolgsstute „Women oft he World“ der Lokalmatadorin Hanne Brenner) bis hin zu der Schwierigkeit, die immer professioneller werdenden Anforderungen an das Management dieser Sportpferde leisten zu können. Denn das alles kostet am Ende immer mehr Geld – und das ist Mangelware im Parasport. Vermögende oder zumindest sozusagen „hauptberuflich“ reitende Sportler und großzügige Sponsoren sind Mangelware.

Es gibt Gegenbeispiele. Dr. Angelika Trabert (Dreieich) ist wohl das bekannteste Gesicht der Paraszene – niemand hat an so vielen Championaten teilgenommen wie sie – und kaum einer ihrer Team-KollegInnen stellt ihre / seine Behinderung so unbekümmert zur Schau. Fast ganz ohne Beine zur Welt gekommen, hat sie nie versucht, diese Tatsache durch Prothesen optisch zu überspielen; die stete Bewunderung des Publikums ist ihr dafür gewiss. Ein Jahr lang hatte ihr die Dressurreiterin Anna Nolte (Dreieich) den imposanten Dunkelfuchs „Diamonds Shine“ zur Verfügung gestellt. Krönender Abschluss dieser Partnerschaft war eine Bronzemedaille in der Kür vom Tryon. Ein halbes Jahr lang hat sie nach einem Nachfolgepferd gesucht, und ist nun mit „Sir Locksley“ fündig geworden, mit dem sie in Mannheim erst ihr zweites Turnier bestritt. Das Resultat von 68,5 % in der Einlaufprüfung von Grad III lässt aufhorchen: da könnte ein neues Championatspferd nachwachsen.

Die werden dringend gebraucht – denn nicht nur das traditionell im Parasport führende England, sondern auch weitere Nationen, vor allem die Niederlande, Belgien und Dänemark, haben offensichtlich erfolgreichere Förderkonzepte als Deutschland. Hierzulande bestreiten die Paras in der Regel als lupenreine Amateure das Gros der Kosten für ihren Sport aus eigener Tasche. Auf die Dauer wird es schwer sein, mit den Ländern mithalten zu können, in denen vor allem für den Einkauf von Pferden größere Summen zur Verfügung stehen.

Das Maimarktturnier ist für die Paras traditionell die wichtigste Standortbestimmung und zugleich erste Sichtung für das Turnierjahr – wer hier gestartet ist, darf automatisch auch an den Deutschen Meisterschaften in München-Riem Ende Mai teilnehmen. Und von da richtet sich der Blick auch schon auf die Europameisterschaften in Rotterdam (Ende August). So war das komplette Championats-Team aus Tryon in Mannheim am Start. Wie schon im Vorjahr wusste Regine Mispelkamp (Rheinland) ihre professionelle Erfahrung auszunutzen – die Pferdewirtschaftsmeisterin und Leiterin eines Dressur-Ausbildungsstalls wurde durch die heimtückische Erkrankung Multiple Sklerose zum Wechsel in das Para-Lager veranlasst. Mit Grand-Prix-Erfolgen im Regelsport hat sie die Wettkampfpraxis, die vielen Para-Reitern noch fehlt – in Tryon schlug ihr Können mit einer Bronzemedaille zu Buche, in Mannheim rangierte sie in Grade V in Team- und Individualprüfung auf Rang 1 und 2.  Steffen Zeibig konnte in Grade III die Individualprüfung auf seinem Championatspferd „Feel Good“ mit 69,5% für sich entscheiden.

Die Grades I bis V, also die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade, sind in umgekehrter Reihenfolge zur Schwere der Behinderung gelistet. Grade I - Reiterin Elke Philipp sicherte sich mit „Lord Sinclair“ einen Sieg und einen zweiten Platz. Besonderen Grund zur Freude gab es für eine Teilnehmerin aus Baden-Württemberg, die auch schon Championatserfahrung mitbringt: Alina Rosenberg (Grade II). Seit kurzem hat sie in zweites Pferd unter dem Sattel, und ihr erster Auftritt mit der 8jährigen Trakehner Fuchsstute „Nanunana“ wurden mit 68,5 % honoriert. Auch hier sind die 70 % in Sichtweite, die mittlerweile im Parasport als unausgesprochene Hürde für eine Championatsteilnahme gelten. - Die Kürprüfungen finden alle am Dienstag, dem letzten Wettkampftag statt. So können Fans des großen Springsports auch die Bekanntschaft des Parasports machen.

Das internationale Para Equestrian Turnier ist als integrativer Bestandteil des Maimarktturniers nicht mehr wegzudenken. Auch in diesem Jahr lockte das Turnier mit seinen hervorragenden Bedingungen ein hochklassiges internationales Starterfeld an, selbst wenn das Wetter den Paras alles andere als gnädig war. Und allen Unkenrufen zum Trotz zeigten sich die deutschen Parasportler gut gerüstet für die neue Saison.    Isabelle von Neumann-Cosel

 

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