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von Roland Kern am Sonntag, 23.08.2026 um 16:52

Coolios coole Entdecker

WM-Pferd Coolio unter Marcel Marschall, das Foto entstand 2022 in der Schleyer-Halle  /  © Lafrentz

„Das Pferd  ist ein Albert Einstein auf vier Beinen“, sagt der internationale Pferdevermarkter Manfred Marschall über den 13-jährigen Holsteiner Wallach Coolio, der jetzt in Aachen mit dem deutschen Team unter Marcus Ehning die Goldmedaille gewonnen hat. Marschall und sein Sohn Marcel haben den Casalito-Sohn entdeckt, gefördert und vor zwei Jahren an Ehnings Sponsor verkauft. Coolio ist übrigens nicht das erste siegreiche Championatspferd aus dem Marschall-Stall, der in Heiligkreuztal bei Riedlingen liegt, also in der oberschwäbischen Pampa.

Auch Olympiasieger „Nino“ war ein Marschall-Pferd

Noch berühmter war der Franzosen-Wallach Nino des Buissonnets, der 2012 unter dem Schweizer Steve Guerdat, dem frisch gebackenen Einzel-Weltmester von Aachen, damals in London olympisches Einzelgold ins Land der Eidgenossen holte. Auch Guerdat hatte bei Manfred Marschall (62) eingekauft. Bei jedem größeren Championat seit über 20 Jahren hatte der Selfmade-Man Marschall im Vorfeld irgendwie seine Finger im Spiel, kein großes Turnier ohne Marschall-Pferde. Die besten Reiter der Welt gehen vor einem Championat gerne mal shoppen in Heiligkreuztal.

In Aachen bei der WM ging neben Ehnings Coolio noch ein weiteres Pferd im Team-Finale: Der Franzose Delta d’ Isles unter der Italienerin Guilia Martinengo. Auch dieser Vierbeiner kaute schon auf den Wiesen an der villenartigen Reitanlage in Heiligkreuztal das Heu. Als Manfred Marschall diese Woche einen Tag in Aachen bei der WM weilte, hatte er von fünf verschiedenen Bekannten und Kunden VIP-Karten der ersten Klasse bekommen; sie wollten ihm alle einen Gefallen tun.

Giganten des Pferdemarktes: Marcel und Manfred Marschall  /  © Kern

Der große Paddock-Sprung

Um Coolio ranken sich viele Geschichten aus der Zeit im Schwäbischen. Da gibt es jene: In den Marschall Stables gibt es ein eher abgelegenes Paddock für spezielle Pferde, die ihre Ruhe haben sollen. Weil es weit weg vom Stall liegt, ist es sehr hoch eingezäunt, mehr als zwei Meter. Das war eine Weile für Coolio reserviert. Bis er eines Tages Anlauf nahm und über den Zaun hüpfte. Auf der anderen Seite war das Gras grüner. Oder vielleicht auch nur, weil er es konnte. Seither wissen die Marschalls, dass dieser Holsteiner keine Grenzen kennt.

Oder als Marschalls Mutter Rosi auf dem Balkon des Privathauses stand, um sich die Pferde beim Training anzuschauen. Da fiel ihr der schlanke Schwarzbraune mit den langen Beinen auf. „Ich glaube, den könnt ihr mal gut verkaufen“, riet sie Sohn und Enkelsohn beim Mittagessen. Das wussten die aber schon.

Der Blanko-Scheck von Aachen

Oder damals bei Turnier in Aachen, als Coolio mit neun Jahren schon unter Marcel Marschall im Großen Preis von Aachen ging und Markus Ehning nach dem Ritt anrief, seine Sponsoren des Unternehmens Elmrock BV wollten ihn mal sprechen. Dort am Tisch in der VIP-Lounge legte der Käufer einen Blankoscheck auf den Tisch und bat den Verkäufer, er möge eine beliebige Summe eintragen. Er werde sie zahlen.

Coolio beim WM-Start unter Marcus Ehning  /  © Lafrentz

So kam es irgendwann zu dem wohl größten Geschäft, dass Manfred und Marcel Marschall je abgewickelt haben. Obwohl es ihnen nicht leicht gefallen ist. Marcel Marschall war mit Coolio gerade selbst auf dem Weg in die deutsche Spitze. Ein Platz im deutschen Team war zum Greifen nah‘. Ob er einmal wieder so ein Pferd finden wird, ist eher unwahrscheinlich. Die Lücke im Scheck überzeugte dann; es war eine Art Malen nach Zahlen auf schwäbische Art. Aber spätestens als Markus Ehning mit dem Privatflieger des Sponsors zum Probereiten nach Heiligkreuztal kam, waren sie mit sich im Reinen. „Alleine dieses Ausprobieren war reiterlich so fein und so horsemanship, das hatte ich noch nie erlebt“, erinnert sich Marschall.

Er hat den Holsteiner als Fünfjährigen am bayerischen Stall der Familie Thomas in Tirschenreuth gekauft; er hatte nur ein Video gesehen. Der Baden-Württemberger Profi Alexander Müller war seinerzeit Bereiter am Stall und hatte ihn in den Sport gebracht. Dann wurde Coolio sechsjährig das nach Siegen erfolgreichste Pferd aus deutscher Zucht, siebenjährig ebenso. Marschall hatte sich wieder einmal nicht getäuscht.

Roland Kern (Redaktion)

Der Ruhepol der Redaktion, der im Notfall immer noch eine Lösung parat hat. Die Stimme (The Voice) von Reiterjournal-TV, hat selbst Pferde bis zur Klasse S ausgebildet und kennt keinen Feierabend.

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