WM Aachen: Deutschland auf Goldkurs und Fazit nach der ersten Gruppe
Was war das für ein toller Auftakt der FEI World Championship in Aachen. Bei strahlendem Sonnenschein, einer leichten „Prise“, tollem Fachpublikum und gutem Dressursport sind die WM-Tage gestartet. Und aus deutscher Sicht hätte es nicht besser laufen können: Frederic Wandres knüpfte mit Bluetooth OLD an die gute Leistung des ersten Mannschaftsreiters Raphael Netz mit Great Escape Camelot an und baute die Führung des deutschen Teams weiter aus.
Noch etwas schüchtern
Es ist eine Kulisse, die nicht nur bei den Zuschauern für Gänsehaut sorgt. Auch einige Pferde machten große Augen und reagierten individuell. Der jetzt 16-jährige Bordeaux-Nachkomme Bluetooth OLD unter dem Sattel von Frederic Wandres machte ebenso etwas große Augen und lief folglich nicht „heiß“. Nein, der championatserfahrene Wallach präsentierte sich eher etwas schüchtern. Insgesamt punkteten Frederic Wandres und Bluetooth OLD besonders mit hoher Lektionssicherheit und überzeugten unter anderem mit aktiv abfußenden Passagen, dynamischen Verstärkungen und fehlerfreien Serienwechseln. Demgegenüber hätte sich der Wallach im Ganaschenwinkel immer wieder mehr öffnen dürfen. Es machte fast so den Anschein, dass er sich beeindruckt von der besonderen Kulisse etwas „verstecken“ wollte. Das zeigte sich auch in den Galopppirouetten, wo sich der Wallach nicht ganz optimal vor dem inneren Bein durchspringend zeigte oder auch in den Piaffen, die heute nicht gleichmäßig abfußend gelingen wollten. Auch wenn heute noch die letzte Leichtigkeit fehlte, war das jedoch Meckern auf äußerst hohem Niveau. So baute Frederic Wandres die Führung des deutschen Teams weiter aus und zieht als Overnightleader in die finale Mannschaftsentscheidung ein. Die Zeichen stehen äußerst gut, dass sich der gebürtige Baden-Württemberger morgen über die in seiner Sammlung der Mannschaftsmedaillen noch fehlende WM-Goldmedaille freuen darf!
Weitere Eindrücke
Hinter dem deutschen Team waren die Blicke besonders auf zwei weitere Nationen gerichtet, Titelverteidiger Dänemark und die stets für eine Mannschaftsmedaille „guten“ Briten. Die Titelverteidiger, das Team aus Dänemark, zeigte sich relativ konstant. So punktete sich Carina Cassoe Krüth mit ihrer Heiline’s Danciera zu 72,1 Prozent. Auch die 15-jährige Stute zog sich heute etwas zurück und die letzte Leichtigkeit fehlte. Die beiden punkteten besonders in der Galopptour, während die Piaff-Passage-Tour mehr über den Rücken hätte schwingen dürfen. Die Briten mussten etwas „zittern“. So präsentierten sich die Weltcup-Sieger von diesem Jahr, Becky Moody mit Jagerbomb, zunächst ungewohnt aufgeregt. Der zwölfjährige Wallach scheint die tobende Finalhalle von Texas mehr geliebt zu haben als die Aachener Soers. So lief er heute etwas heiß und die beiden mussten sich nach einer unruhigen Grußaufstellung und einem Angaloppieren in der ersten Trabverstärkung von 41 Prozent „hocharbeiten“. Das gelang den beiden auch, besonders aufgrund der großen gemeinsamen Routine. So folgen sie nach der ersten Gruppe mit 73,8 Prozent Frederic Wandres und Bluetooth auf Rang zwei vor Raphael Netz mit Great Escape Camelot. Auch das schwedische Team sollte man im Auge behalten. So machte in der ersten Gruppe besonders Therese Nilshagen mit ihrer Nachwuchshoffnung, dem erst zehnjährigen Hengst Navarro, auf sich aufmerksam. Der Hengst zeigte sich nicht nur äußerst vielversprechend. Nein, er präsentierte sich in dieser besonderen Kulisse total konzentriert und als echte „coole“ Socke. Highlights der beiden bildeten unter anderem die aktiv abfußenden Piaffen und Passagen, wenn auch sich die Piaffen noch leicht ins Vorwärts angelegt präsentierten. Im Galopp punkteten die beiden in den gut ins Bergauf gesprungenen Serienwechseln. Nach Tag eins rangieren die beiden auf Platz fünf.
Simone Pearce liefert ab
Aus süddeutscher Sicht durfte man auch für die in Aach beheimatete Australierin Simone Pearce jubeln, gar setzte die Lebensgefährtin von Martin Fuchs mit ihrem erst zehnjährigen Will Marq große Ausrufezeichen. Die beiden hatten zu Beginn des Jahres bereits gute, internationale Platzierungen und Siege gesammelt. Vor Aachen gab Pearce dem dynamischen Wallach eine kleine Pause, die ihm wohl äußerst gutgetan hat. So präsentierte sich Will Marq heute noch einmal „gereifter“ und selbstsicherer. Die beiden überzeugten gleich in der Trabtour mit fließenden Trabtraversalen, gutem Seitenbild und kraftvollen Piaffen und Passagen. Auch in der Galopptour haben sich die Selbsthaltung und Balance des Wallachs verbessert. So überzeugten kraftvoll ins Bergauf gesprungene Zweierwechsel. Auch die Einerwechsel gelangen gerader als es zuletzt der Fall war sowie in sich ausbalancierter. Apropos Verbesserung der Balance: Auch die Galopppirouetten zeigten sich in puncto Durchsprung und Größe verbessert, wenn auch immer noch etwas „stemmend“. Unterm Strich machten die beiden ordentlich auf sich aufmerksam und durften sich mit 72,3 Prozent verdient über ein neues Personal Best sowie nach Tag eins über Rang vier in der Einzelwertung freuen. Das ist stark!
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