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von Roland Kern am Donnerstag, 01.01.2026 um 12:24

Der Meister der Punktlandung

Richard Vogel zuhause in Baden-Württemberg  /  © Lafrentz

Er ist ein Mensch, der hochfliegt ohne abzuheben. Die Saison 2026 will Europameister Richard Vogel in den nächsten Tagen in Baden-Württemberg beginnen, beim "Wolf-Turnier" in Eppelheim. Dort hat er ein Heimspiel. Die Region ist seine zweite Heimat. Die erste bleibt Schwaben. Die Rhein-Neckar-Region, Pferdeställe in Mannheim und Viernheim, haben die Karriere des 28-jährigen Ausnahmesportlers besonders geprägt, daher ist es für Vogel selbst, aber auch alle Pferdesportler der Region ein Erlebnis, ein Nach-Hause-Kommen, wenn er sich die Zeit nimmt, hier an den Start zu gehen.

Dieser Richard Vogel, Europameister der Springreiter, Nummer sechs der Weltrangliste und unter den „Top Ten“ der Welt der jüngste, ist ein Phänomen.

Typisch für ihn, der ein zweites Standbein in Wellington/Florida hat:  Er setzt sich am Sonntag in den Flieger, am Frankfurter Flughafen ins Auto und braust zum Turnier bei Heidelberg. Dort stehen die Pferde parat, er kann sich auf die Leute aus seinem Team verlassen. Und sie sich auf ihn. Der Europameister sitzt auf, reitet los. Gewinnt. Meistens zumindest. Keine Minute zu früh, keine zu spät. Die Punktlandung ist seine Spezialität. Richard Vogel ist in Deutschland schon im zweiten Jahr die Nummer eins der Springreiter, mit den meistens Starts, den meisten Siegen (in fast allen Großen Preisen) der Welt, den meisten Pferden – und meistens der besten Laune, für einen Scherz immer zu haben. „Hi, Richie.“ So wird er in der Heimat vielfach begrüßt. „Oh Hi, wie geht’s?“, grüßt er freundlich zurück – nicht immer weiß er so genau, wer das jetzt war. Egal, freundlich zu sein, ist ihm wichtig.

Nur nicht die Bodenständigkeit verlieren. Eins nach dem anderen. Nie denken, man sei etwas Besseres. Mit diesen Werten ist er erzogen worden in der schwäbischen Provinz. Binzwangen heißt der Ort in Oberschwaben, Landkreis Biberach, wo die Familien Vogel und Grom leben. Grom ist der Mädchenname seiner Mutter gewesen, sie brachte den Söhnen das Reiten bei, als sie Kinder waren; ließ sie auf ihren Ponys über Gräben und Zäune springen. Pflanzte das Pferdegen ein. Sie starb, als Richard zwölf Jahre alt war. In seinen Gedanken lebt sie weiter. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke“, hat er neulich in einem Interview erklärt. Und: „Vielleicht kann ich deshalb so unbeschwert auch etwas wagen, weil ich weiß, sie passt auf mich auf, sie ist mein Schutzengel.“

In der Familie verwurzelt: Mit Oma Helga und Tante Edith in der Schleyer-Halle  /  © TomsPic
Mit Peter Hofmann und Bundestrainer Otto Becker  /  © Lafrentz

Die Familie Grom züchtet Pferde. Oma Helga versorgt im Stall am Haus mit 85 Jahren immer noch zwei Zuchtstuten, jeden Morgen im sechs Uhr. Neulich beim Stuttgart German Masters Turnier kam die alte Dame mit Edith, einer weiteren Tochter, um den berühmten Enkel in die Arme zu schließen. „Geht es dir gut Oma, gefällt dir dein Platz, siehst du alles?“, fragte der Richard, dessen Onkel auch schon Richard hieß, wie dessen Onkel und so weiter. Dann ging es im Laufschritt zum Pferd und zum nächsten Sieg. Wieder so eine Punktlandung. Die Oma ging vor. Er besucht sie und die alten Freunde so oft es geht in Binzwangen, spielt ab und zu dort noch Posaune im Musikverein. „Aber viel zu selten“, entschuldigt er sich.

Die steile Karriere des oberschwäbischen Buben zum wohl besten Reiter der Welt ist sagenhaft. Das gewaltige Talent war schnell erkennbar, dieses besondere Gefühl für Pferde. Die Pferdezüchter der Region gaben ihm ihre jungen Pferde zu reiten, weil sie unter ihm so gut sprangen, dass sich der Marktwert erhöhte.  Da war der junge Vogel zwölf oder 13. Im Nachbardorf von Binzwangen, Heiligkreuztal, sitzt der internationale Pferdehändler Manfred Marschall. Auch er förderte den Jungen aus der Nachbarschaft mit besseren Pferden.

Mit 16 wurde Vogel erstmals Landesmeister in Baden-Württemberg. Schon da war klar, dass nur eins werden wollte, später, wie sein Onkel Richard, der Bruder seiner Mutter: Berufsreiter. Da ergab sich die Möglichkeit, dass Peter Hofmann im Mannheimer Reiterverein ihm eine Ausbildungsstelle zum Pferdewirt anbot, offiziell Lehrherrin wurde dort die Pferdewirtschaftsmeisterin Anica Fröhling. Aber den besonderen Schliff im Springsattel erhielt er in dieser Zeit am Turnierstall von Martina und Bernd Herbert in Viernheim; daraus wurde auch ein enges freundschaftliches Verhältnis. In dieser Zeit lernte Richie Vogel die Region als zweite Heimat kennen. Mittlerweile lebt er mit seiner Lebens-, Trainings  - und Teampartnerin Sophie Hinners in Bensheim an der Bergstraße, leitet gemeinsam mit ihr und seinem Kompagnon David Will einen großen Turnierstall in Pfungstadt, zehn Minuten Fahrzeit von Bensheim entfernt. Richard Vogel ist nach Formel-Eins-Weltmeister Sebastian Vettel der zweite deutsche Spitzensportler mit HP-Kennzeichen am Auto.

 

Diese Karriere bleibt ein Phänomen, er selbst kann darüber schmunzeln. Vogel hat die Schule abgebrochen, weil sie ihn am Reiten hinderte. Sein Englisch war schlecht; heute parliert er fließend bis perfekt, führt auf Englisch Vertragsverhandlungen über Pferde, die manchmal Millionen kosten. Das Gewiefte und Perfektionistische hat er von Olympiasieger Ludger Beerbaum mitgenommen, an dessen Stall er nach der Mannheimer Zeit zwei Jahre lang Bereiter war. Im Alter von 18 Jahren ist zum ersten Mal geflogen – heute hat er mehr Flugkilometer als der Bundeskanzler. Ans Studieren hat er nie gedacht, heute managt er – so nebenher - ein Pferdeunternehmen, das Millionen umsetzt. Sein wirtschaftliches Erfolgsrezept sei ganz das Schwäbische, schmunzelt er: „Nur so viel ausgeben, wie man hat. Und wenn es nicht reicht, weiterschaffen.“

Sein internationaler Stall mit Pfungstadt als Zentrale ist ein logistisches Meisterwerk. Manchmal sind sechs Pferdetransporter gleichzeitig auf den Straßen, um die Pferde zu den richtigen Reitern zu bringen. Nicht selten auch auf Flughäfen zu Starts nach irgendwohin auf der Welt. Dazwischen immer wieder Richard Vogel und Sophie Hinners, die kongeniale Partnerin an seiner Seite. Sie waren das erste Paar in der Geschichte des deutschen Springsports, das in einem Team an Europameisterschaften teilnahm. Und Richard Vogel war der erste Europameister, der im Sattel seines Hengstes United Touch einen genialen Start-Ziel-Sieg hinlegte. Reiterkollegen hatten sich zuvor an dem gekörten Westfalenhengst, der galoppiert wie ein Albatros, die Zähne ausgebissen. Vogel begann den großen Braunen zu lesen, stellte sich auf ihn ein. Wurde unschlagbar. Vogel ist anders.

Wie aus dem Lehrbuch Schöner Reiten - mit Bundeschampion und Zehner-Hengst Arezzo Man aus der Landeszucht  /  © D. Matthaes

Roland Kern (Redaktion)

Der Ruhepol der Redaktion, der im Notfall immer noch eine Lösung parat hat. Die Stimme (The Voice) von Reiterjournal-TV, hat selbst Pferde bis zur Klasse S ausgebildet und kennt keinen Feierabend.

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