Georg Urban – ein erfülltes Leben ist zu Ende
Die Pioniere werden weniger. Jene Männer, die den Strukturwandel im Pferdesport gestaltet und aus dem Wandel etwas Neues erschaffen haben. Wie Georg Urban aus Schriesheim an der Bergstraße, der jetzt im Alter von 88 Jahren zuhause im Kreis seiner Familie friedlich eingeschlafen ist.
Es ist erst wenige Wochen her, da schob der alte Herr seinen Rollator über den Hof zwischen den Boxen und der Reithalle der großzügigen Reitanlage, die seinen Namen trägt. Sein Ziel war der neu überdachte Longierzirkel neben dem großen Außenplatz. Der Weg war relativ beschwerlich, denn die Lunge gab ihm schon eine Weile nicht mehr die Luft, die er für körperliche Anstrengungen brauchte. Dann stand er aber vor dem großen Roundpen, ließ prüfend den Blick über die Stützen und das neue Dach wandern, die hellen Augen blitzten nochmal im sonnengegerbten Gesicht. Und er war zufrieden. Denn er wusste, dieses Angebot war auch ein Teil seines Lebenswerks, das seit einigen Jahren sein Sohn Thomas weiterführt: einen service-orientierten Pferdehaltungsbetrieb, für moderne Ansprüche stets auf dem neusten Stand – aber immer im Sinne der Pferde und deren Wohlbefinden.
Die Reitanlage Urban auf den Feldern westlich der Schriesheimer Weinberge gehört zu den größten im Heidelberger Raum. Aber ihren Ursprung hatte sie auf dem kleinen Bauernhof mitten in der Schriesheimer Altstadt. Dort standen die drei Arbeitspferde, mit denen Georg „Schorsch“ Urban in den Weinberg zog oder auch in den Wald, um Holzstämme zu rücken, wie es schon seine Vorfahren getan hatten, am Wochenende traf man sich mit Freunden zum Ausreiten oder Kutsche fahren. Erst im Jahr 1968 siedelten Georg und seine Frau Luise hinaus auf die Felder der Stadt, vier Kinder kamen zur Welt, Pferde spielten immer weiter eine Rolle. Aber Vieh- und Schweinezucht, Weinbau und Holzwirtschaft, sogar der früher so lukrative Tabakanbau – alles wurde schwieriger. Feierabend gab es trotzdem nie.
Es war die Zeit, in der die Reitturniere und Vereine zu wachsen begannen, ebenso die Zahl der Pferde und der Reiter. Die Bauern, die Pferdeleute waren wie Georg Urban, gehörten zu den Gründern, die keine Mühe scheuten, am Wochenende mit Handarbeit und Maschinen zu helfen, wenn auf dem eigenen Betrieb die Arbeit kurz ruhte. Im Jahr 2020 wurde er vom Reit- und Fahrverein Schriesheim für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt. Lange Jahre war er im Vorstand aktiv. Auch auf dem Aussiedlerhof Urban, der in Sichtweite zur Vereinsanlage liegt, zogen zu den eigenen die ersten Pensionspferde ein; die Nachfrage war groß. Georg Urban erkannte den Trend und die Chance auf ein neues Standbein des Betriebes.
Thomas, der zweitälteste Sohn, zeigte als Springreiter großes Talent, lernte Landwirtschaft bis zur Meisterprüfung, führte gemeinsam mit seiner Frau Susanne das Werk, das sein Vater mit den Pferden begonnen hatte, in die neue Zeit. Georg Urban hat dies mit Stolz und Freude verfolgt. Bis vor wenigen Jahren hat er noch im Stall und bei der Strohernte geholfen, so lange es eben ging.
Georg Urban war ein Mann der Zeit, in der die Pferdeleute fest in ihrer Region verankert waren, als bodenständig, zupackend und verlässlich geschätzt. Er gehörte zur Winzergenossenschaft, zur örtlichen Volksbank und mit Stolz zur Freiwilligen Feuerwehr. Vier Kinder und sechs Enkelkinder werden ihn in Ehren halten.