Ralf Pommerening: Ein Leben voller Pferdestärken
Eigentlich hätte ihm eine Pferdestärke gereicht, damals in den 80er-Jahren. Da wollte Ralf Pommerening einmal Profi werden, sein Hobby, seine Leidenschaft zum Beruf machen. Aber dem Vater zuliebe wurde er Fahrlehrer, wie der alte Herr selbst einer war. Seither hatte er meistens viel mehr PS unterm Sattel. Dass Ralf Pommerening als Fahrlehrer aus Leidenschaft und Inhaber einer Fahrschule in Nürtingen diese beiden Passionen – Pferde und Fahrstunden – miteinander vereinen konnte, machte ihn zu einem glücklichen Menschen, dem leider kein langes Leben vergönnt war. Er wurde 57 Jahre alt.
Ralf Pommerening, „Pommi“, wie in seine Freunde manchmal nannten, ist am Sonntagabend im Kreis seiner Familie verstorben. Jahrelang hat er gegen den Krebs gekämpft, aufgegeben hat er nie. „Bis zum Schluss war er der mutigste Mensch - voller Hoffnung, Stärke und Lebensfreude“, sagt seine Frau Bettina, die er ebenso im Leben zurücklässt wie zwei Töchter. Sie sind unendlich traurig, aber immer noch stolz auf ihren Mann und Vater, der ein Familienmensch war. Er hat selbst noch Lebensmut und Zuversicht ausgestrahlt, als ihn die Krankheit schon gezeichnet hatte. Aber er ließ sich nichts anmerken, bot dem Schicksal die Stirn, ganz schwäbischer Naturbursche, der er war. Man wusste nie genau, ob er sich oder andere trösten wollte. Die ansteckende gute Laune, die offene Art bescherte Ralf Pommerening einen großen Freundeskreis. Er war ein Verlassmensch, Tag und Nacht ansprechbar.
Ralf Pommerening wuchs auf dem elterlichen Hof in Hülben auf der Schwäbischen Alb schon mit Pferden auf, wurde bald Turnierreiter, später mit Erfolgen bis zur schweren Klasse. Nachdem er sich entschieden hatte, gemeinsam mit seinem Bruder Bert die elterliche Fahrschule in Nürtingen zu übernehmen, waren die Pferde trotzdem mehr als ein Hobby. Am Steuer und um Stall fühlte er sich wohl. Er war ein geselliger Mensch und am liebsten verbrachte er seine Zeit mit der Familie auf den großen Turnieren der Republik, die er mit dem Amateur-Springreiterclub Deutschland bereiste.
Als Spezialist für LKW- und Spezialführerscheine hatte er letztlich doch beruflich mit Reitern und Pferden zu tun. Sie kamen aus der ganzen Republik, um in Nürtingen das Brummifahren zu lernen, auch Pfleger und Turnierbegleiter. Am Steuer während der Überlandfahrt wurde über Pferde geredet, die wahren Pferdestärken. Besonders in Baden-Württemberg war für viele Pferdesportler das Fahrenlernen und Pommerening dasselbe. In beiden Metiers, vor allem aber als Mensch, Ehemann und Vater hinterlässt er eine Riesenlücke.
Ralf Pommerening wird am 19. Mai auf dem Waldfriedhof in Nürtingen bestattet. Den Baum hat er sich gemeinsam mit seiner Frau selbst ausgesucht.
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