Basel feiert "seinen" Martin Fuchs
Am späten Abend war es angerichtet: Die zweite Wertungsprüfung der Springreiter.
Der Parcours bis zu 1,60 m hoch und technisch wohl kaum zu überbieten, trotzdem fair und dem Starterfeld gerecht werdend. Gleich zu Beginn forderte der Parcours die Paare heraus. Eine Fehlerquelle bildete dabei die dreifache Kombination, die auf eine ins vorwärts angelegte Distanz folgte und auch zum Ende hin wurde der Parcours noch einmal technisch anspruchsvoll. Selbst die schon fast seit einer Ewigkeit ungeschlagene Nummer Eins der Welt Henrik von Eckermann kassierte einen ärgerlichen Abwurf. Der erste, der die Aufgaben gekonnt meistern konnte war Daniel Coyle und Incredible. Dieser machte seinem Namen alle Ehre und lieferten die erste Nullrunde für ein späteres Stechen. Nach einer kurzen Schrecksekunde am Einsprung der dreifachen Kombination kämpfte der clevere Clinton-Sohn für seinen Reiter und machte das Unmögliche möglich. So schnell sollte das dem Paar aus Irland keiner nachmachen.
Erster deutscher Starter war Hans-Dieter Dreher. Im Vergleich zum Vortag setzte er heute auf seinen erfahrenen Schimmel-Wallach Elysium. Von Sprung zu Sprung baute sich in der St. Jakobshalle mehr Spannung auf. Sollte die Null für Dreher stehen bleiben? Die Antwort lautete „Ja!“. Damit war ein Stechen geboren, das an Spannung nur schwer zu überbieten war und selbst den Begründer des Weltcups, Max E. Ammann, später zum Staunen bringen sollte. Zu Dreher und Coyle reihte sich mit echten Spitzenrunden Max Kühner, Alessandra Volpi, Martin Fuchs und Vortagessieger Julien Epaillard ein. Kühner setzte am Samstagabend auf seinen grundschnellen Elektric Blue P.
Wer behält die Nerven?
Etwas holprig startete das Stechen für den Iren Daniel Coyle. Eine Irritation an Sprung eins unterbrach bereits vor Beginn den Fluss der beiden, den sie über den Stechparcours hinweg nicht mehr aubfauen konnten. Rang fünf war das Ergebnis. Als zweiter Starter im Stechen hatte Hansi Dreher keine schlechte Ausgangssituation, die er zu Beginn zu nutzen wusste. Pfeilschnell und mit gewagtem Risiko steuerte er seinen Elysium durch die Halle. Doch dann, auf dem Weg zum Schlussoxer, war die Entscheidung für die dichte Distanz zu spät gefallen. Das Resultat: Ein Abwurf und ein vierter Platz im Stechen. Die erst 24-jährige Alessandra Volpi qualifizierte sich nach einer atemberaubenden Runde ebenfalls für das Stechen und drehte eine bedachte, nicht mit dem letzten Risiko angelegte Runde im Stechen, freute sich allerdings um so mehr, als auch hier die Null stehen blieb, was schlussendlich für ein Platz auf dem Podium reichen sollte. Österreicher Max Kühner brillierte im Stechen nicht nur stilistisch, sondern auch mit einer verdammt schnellen Zeit von 42,32 Sekunden. Damit erhöhte er den Druck auf die nachfolgenden Starter noch einmal enorm.
Alle sahen rot, als der Schweizer Martin Fuchs die Ziellinie durchquerte. Doch das lag nicht, an einer schlechten Runde, nein, ganz im Gegenteil! Fast jeder der Zuschauer wehte mit einer Schweizer Flagge, um das Erfolgspaar anzufeuern und nach einer phänomenalen Nullrunde zu feiern. Bei Martin Fuchs und Leone Jei schien es fast, als würde der mittlerweile routinierte Schimmelwallach den Stechparcours schon auswendig kennen, so schnell wie die Beiden die Wendungen wählten. Das machte sich auch in der Zeit bemerkbar und so übernahmen die beiden kurzerhand mit 40,77 Sekunden die Führung. Einer sollte noch kommen.
Die Schweizer Halle scheint dem Franzosen Julien Epaillard zu liegen. Nicht nur, dass er bereits im Januar während des CHI-Basel die Weltcup Etappe gewinnen konnte. Auch an diesem Wochenende schwimmt der Franzose auf einer Siegeswelle und strebt mit Sicherheit auch den Gesamtsieg an. Er hatte es also in der Hand. Schweiz oder Frankreich? Doch noch bevor Fuchs die Halle verlassen hatte, schallte es durch die Hallen: „Julien Epaillard verzichtet auf seinen Start im Stechen.“ Damit stand fest: Heimsieg für Martin Fuchs und gleichzeitig einen großen Sprung nach vorn in der Gesamtwertung für ihn.
Bei den weiteren deutschen Reitern war das Glück nicht auf deren Seite. Richard Vogel kassierte einen Abwurf am letzten Sprung des Umlaufs, Sophie Hinners bereits früher im Parcours und auch Ehning und Stevens verließen mit vier Punkten das Parkett. Nun bleibt es spannend, wer am Sonntag die Nerven behält und erneut über zwei Umläufe seine Form halten kann, um der diesjährige FEI World Cup Champion zu werden.
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