Nicht kleckern sondern klotzen
Resümee des neuen FN-Präsidenten nach den ersten vier Monaten
Großer Medien-Bahnhof war am Dienstag bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf angesagt. Denn nach viermonatiger Amtszeit hatte der neue FN-Präsident Martin Richenhagen ein erstes Resümee den zahlreich erschienen Medienvertretern zu verkünden. Der ehemalige CEO des zweitgrößten amerikanischen Landmaschinenherstellers ACOG, der nach einem für die FN recht turbulenten Jahr 2024 im vergangenen November zum neuen Präsidenten gewählt worden war, stieg in die PK in dem für ihn typischen Motto „nicht kleckern, sondern klotzen“ ein und konnte gleich mit einer positiven Nachricht aufwarten.
Nach dem für die FN finanziell katastrophalen Jahr 2023, in dem ein Verlust von fast einer Million Euro produziert worden war, konnte für 2024 wieder ein leichter Überschuss von rund 140.000 Euro erwirtschaftet werden. Richenhagen kündigte als Zielvorstellung an, dass in den kommenden Jahren ein jährlicher Gewinn von 500.000 Euro angestrebt werde, um wieder Rücklagen für Krisenzeiten aufzubauen. Unter der alten Führung waren Rücklagen in Millionenhöhe in den letzten Jahren komplett aufgebraucht worden. Richenhagen betonte: „Ziel ist es, in drei bis fünf Jahren wieder eine Reserve von rund drei Millionen Euro aufzubauen für schwierige Zeiten, wie wir sie mit der Corona-Situation erlebt haben.
Andererseits wollen wir keine Sparkasse sein. Die Gewinne sollen rausgehen, um den Sport, die Ausbildung und die Zucht zu fördern.“
Auch strukturell scheint sich was bei der FN zu tun. „Wir haben beschlossen, dass wir eine Dienstleistungsorganisation sein wollen, die für ihre Mitglieder da ist. Das war für einige neu“, so Richenhagen. Neben einem monatlichen Berichtswesen wurde auch ein neues EDV-System eingeführt. Die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, wurde auf einen Tag in der Woche beschränkt und aktuell wird es keine Bonuszahlungen geben. Gerade die Zahlung von Boni in für die FN wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten war ein Aspekt, der im vergangenen Jahr die Staatsanwaltschaft Münster auf den Plan gerufen hatte, was im Dezember mit einer Durchsuchungsaktion bei der FN gipfelte. Hierzu stellte Richenhagen fest: „Es ist wichtig zu wissen, dass nicht gegen die FN als Organisation, sondern gegen mehrere ehemalige Haupt- und Ehrenamtliche wegen des Anfangsverdachtes der Untreue ermittelt wird.“
Auch zu strukturellen Veränderungen innerhalb der FN äußerte sich Richenhagen: „Meine Vorstellung ist es, dass wir zukünftig keinen Generalsekretär mehr haben werden und sich der geschäftsführende Vorstand in absehbarer Zeit aus einem Vorstandsvorsitzendem und einem weiteren Vorstandsmitglied zusammensetzt. Richenhagens Vision als zukünftiger Vorstandsvorsitzender ist Dr. Dennis Peiler, der zurzeit Vorstandsmitglied der FN und Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) ist. Ferner sollen die bisher zwölf vorhandenen Ressorts in vier oder fünf Ressorts zusammengefasst werden. So könnten flachere Hierarchien geschaffen werden, die schneller und effizienter arbeiten können. Ferner strebt Richenhagen die vollständige Fusion von FN und des für den Spitzensport zuständigen DOKR an. Richenhagen dazu: „Die organisatorische Zusammenführung von FN und DOKR hätte zahlreiche Vorteile. So müssten nicht mehr zwei verschiedene Wirtschaftsprüfungen vorgenommen werden und manche Reisekosten würden entfallen.“
Ein weiterer nicht unerheblicher Einspar-Effekt dürfte sich daraus ergeben, dass die FN zukünftig die Vermarktung der Bundeschampionate selbst in die Hand nehmen will. Einen generellen Personal- und Aufgabenabbau bei der FN sieht Richenhagen allerdings nicht: „Wir haben bei zehn Mitarbeitern, die altersbedingt ausscheiden, keine Neueinstellungen vorgenommen. Auch die bisher von der FN geleisteten Aufgaben sehe ich weiterhin. Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass es Aufgabe der FN ist, den Reitsport in China zu fördern.“ In der Vergangenheit hatte sich die FN über ihren FN-Verlag an dem Unternehmen Equestrian Globe beteiligt, das genau dieses Ziel verfolgte.
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