Die goldige Überraschung von Jagstzell
So etwas gab es noch nie: Ein Goldenes Reitabzeichen als Überraschung, dann noch gleichzeitig an Vater und Tochter. Auf Pferden aus derselben Zucht. Es war ein großer emotionaler Augenblick für alle, die am Samstagabend in Jagstzell waren. Es flossen Tränen der Rührung und der Freude. Gefühlt die ganze Reiterszene der Ostalb heulte mit.
Alle hatten sie stillgehalten und das Geheimnis gehütet. Auch Sandra Bosch, Hans-Peter Boschs Frau. Und Sabrina Linsenmaier, seine Tochter. Bis zum Schluss. Bis Lukas Vogt aus dem Verbandspräsidium noch ein zweites Reitabzeichen aus dem Kittel holte, um es verschmitzt grinsend zu überreichen. Hans-Peter Bosch wollte es erst gar nicht glauben. Dann aber konnte er seine Emotionen nicht mehr verheimlichen. Es war sicher einer der glücklichsten Tage seines nun 52 Jahre währenden Reiterlebens. Ein Moment mit der Familie, den Pferden, den Reiterfreunden. Dem Goldenen Reitabzeichen.
Aber von Anfang an. Als im September 2023 nach Drei-Sterne-Erfolgen feststand, dass Sabrina Linsenmaier, geborene Bosch, 33 Jahre jung und Steuerfachfrau aus Aalen, alle Siege für ihr Goldenes Reitabzeichen gesammelt hat, plant sie gleich die Verleihung im August 2024 in Jagstzell. Das ist naheliegend im wahrsten Sinne des Wortes, nah beieinander auf der Ostalb. Und dort hat ihr Erfolgspferd Fiorenzo, gekörter Württemberger Hengst, einst Landeschampion der vierjährigen Hengste, Bundeschampionatsteilnehmer und Täger des Vornamens FBW, das Licht der Welt entdeckt. Bei seiner Züchterin Karin Rettenmeier. Sabrina Linsenmaier und ihr Vater haben den Hengst gemeinsam ausgebildet.
Im Zuge der Recherche ihrer Erfolge beschäftigte sie sich auch nochmal mit der reiterlichen Laufbahn ihres Vaters Hans-Peter, der für sie eine Mischung zwischen Trainer, Mentor und bester Freund ist. Dabei kam Wundersames zum Vorschein: Bosch, gelernter Industriemeister mit Trainingsstandort auf der Reitanlage seines Bruders in Aalen, Amateur auf professionellem Niveau reitend, bildet Pferde seit seiner Jugendzeit aus, ritt früher Springen und Dressur bis zur höchsten Klasse. Dressur übrigens immer noch mit „bella figura“. Sabrina und ihre Mutter Sandra zählten seine Erfolge zusammen. Und siehe da: Es stellte sich heraus, dass Papa Bosch schon vor 30 Jahren, 1994, seine Erfolge für das eigene Goldene Reitabzeichen erreicht hatte. Nur, das hatte seinerzeit niemand gemerkt.
Also schmiedeten sie einen Plan: Sie wollten das Goldene Reitabzeichen am selben Abend in Jagstzell verleihen, in einer noch nie dagewesenen Zeremonie für Vater und Tochter. Aber konnte man das ein Jahr lang geheim halten? Schwierig.
Nun ist es gelungen. Die beiden Frauen waren geschickt und – was schwer fiel – so schweigsam wie ein Grab. Hans-Peter Bosch ahnte nichts. Clever: Sie wünschten sich von ihm, er möge die Verleihung an seine Tochter mit einem Pas de deux mitgestalten. So schafften sie es, dass er in Turnierkleidung parat war, seinen neunjährigen Wallach Fanfarron (ebenfalls aus Rettenmeier-Zucht und bis zur höchsten Klasse selbst ausgebildet) auf den Platz ritt. Schon die Paarklasse auf Drei-Sterne-Niveau erzeugte Gänsehaut am Abend in Jagstzell. Dann kam der Moment. Andi Kopp moderierte mit einem verschmitzten Lächeln, Lukas Vogt zauberte das zweite Goldstück hervor – und die Überraschung war perfekt. Man wird lange davon reden.
Wie man hört, wurde das Lüften des Schleiers und die Überraschung am Abend noch gebührend gefeiert. Fanfarron und Fiorenzo durften an diesem Abend sogar nochmal in ihrer Kinderstube bei Rettenmeiers übernachten. Denn nach Hause ging es erst am nächsten Tag.
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