Datenschutzeinstellungen

Ihre Zufriedenheit ist unser Ziel, deshalb verwenden wir Cookies. Mit diesen ermöglichen wir, dass unsere Webseite zuverlässig und sicher läuft, wir die Performance im Blick behalten und Sie besser ansprechen können.

Cookies werden benötigt, damit technisch alles funktioniert und Sie auch externe Inhalte lesen können. Des Weiteren sammeln wir unter anderem Daten über aufgerufene Seiten, getätigte Käufe oder geklickte Buttons, um so unser Angebot an Sie zu verbessern. Mehr über unsere verwendeten Dienste erfahren Sie unter den "Cookie-Einstellungen".

Mit Klick auf "Alle akzeptieren" erklären Sie sich mit der Verwendung dieser Dienste einverstanden. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit mit Wirkung auf die Zukunft widerrufen oder ändern.

von Roland Kern am Freitag, 12.07.2024 um 13:38

"Den ganzen Laden aufräumen"

Baden-Württembergs Reiterpräsident Klaus Dieterich  /  © D. Matthaes

Die Zerwürfnisse bei der FN in Warendorf, die am Donnerstag zu Rücktritten des Präsidenten Hans-Joachim Erbel und des Finanzkurators Gerhard Ziegler geführt haben, beschäftigen die Reiter und Pferdeleute im Land. Wir haben eine spontane Umfrage unternommen und einige verantwortliche Personen gefragt, wie sie die Entwicklung beurteilen und welche Schritte sie nun erwarten. Die Statements im Einzelnen:

„Angezählter Vorstand“

Klaus Dieterich, Präsident des Landesverbandes: „Ich bedauere es sehr, dass wir als Reitsportverantwortliche nach außen so ein schlechtes Bild abgeben und am Donnerstag in Warendorf nicht in der Lage waren, uns auf einen Kompromiss zur verständigen. Dass das Präsidium und der Vorstand für 2023 nicht gesamthaft entlastet wurden, halte ich für einen Fehler. Jetzt ist die FN in kommissarischer Führung, mit einem angezählten geschäftsführenden Vorstand bei großen anstehenden und teilweise bereits eingeleiteten strukturellen Veränderungen. Im nächsten Jahr stehen ohnehin Neuwahlen an und man hätte die Zeit bis dahin nutzen können, um weitere Kandidaten zu identifizieren und um ggfls. dann einen Personalwechsel einzuleiten.

Unabhängig davon sehe ich die Entwicklung in Warendorf sehr kritisch. Man muss leider feststellen, dass sich die finanzielle Situation in den letzten Jahren stetig verschlechtert hat und das Management zu lange zu wenig dagegen unternommen hat. Fairerweise ist aber auch zu sagen, dass die im letzten Jahr beschlossene und dringend notwendige Erhöhung der Mitgliedsbeiträge aufgrund von Widerständen in den Verbänden erst zu diesem späten Zeitpunkt realisierbar war. Und mit sinkenden Mitgliederzahlen und Rückgängen im Turniersport, befinden wir uns im Pferdesport insgesamt in einer sehr schwierigen Situation. Wahrlich keine leichte Aufgabe.

Der Rücktritt des Präsidenten und des Finanzkurators war ja nur die logische Folge aus der Nichtentlastung. Ein Ehrenamt weiterzuführen, wenn einem das Vertrauen entzogen wird, macht keinen Sinn. Zunächst müssen die gewählten Stellvertreter in die Bresche springen und versuchen , den Betrieb aufrecht zu erhalten. Parallel müssen geeigneten Kandidaten für eine Nachfolge identifiziert werden. Ob dies kurzfristig möglich ist, oder erst nächstes Jahr im Mai zum regulären Wahltermin, wird sich zeigen.

Ich sorge mich um das Ansehen des Pferdesports insgesamt. Zur Gewinnung von neuen Mitgliedern und Unterstützer des Reitsports ist ein einheitliches Auftreten nach Außen eine Grundvoraussetzung. Auf diesen Weg müssen wir wieder zurückfinden.“

„Schwer einen Präsidenten zu finden“

Frank Reutter, Präsident des Württembergischen Pferdesportverbandes, LK-Vorsitzender: „Der Rücktritt des Präsidenten und des Finanzkurators ist eine fast logische Konsequenz aus einer verweigerten Entlastung. Dass das für ehrenamtliche Positionen so kommen wird, war für mich nicht überraschend. Bedauerlich ist, dass den Vertreter aus Zucht und Sport, die die Entlastung verweigert haben, die Außenwirkung und der Imageschaden des Pferdesports in der gesamten Sportwelt wohl unwichtig waren, und das obwohl im kommenden Jahr ohnehin gewählt wird. Dass dies unmittelbar vor den Olympischen Spielen erfolgt, verstärkt diesen Imageschaden sicher zusätzlich - und das in einer der bislang erfolgreichsten Disziplinen im Team Deutschland. Ich persönlich hätte es begrüßt, wenn man die Zeit bis zur Wahl im Jahr 2025 weiter genutzt hätte, mit den Defiziten aufzuräumen, um geordnet einen Übergang in die nächste Legislatur zu finden. So ist zu befürchten, dass auch bis zur nächsten FN-Tagung viel Zeit, die sinnvoller für Problemlösungen und Zukunftsthemen hätte genutzt werden können, verbraucht wird. Ich denke es wird sehr schwer, schnell einen mehrheitsfähigen Präsidenten bzw. eine Präsidentin zu finden.

„Neuanfang im Minusbereich“

Iris Keller, Präsidentin des Pferdesportverbandes Südbaden: „Spannend das Ganze in Warendorf, doch für mich nicht überraschend, das Reiterumfeld aber auch ich sind ja schon seit Bekanntgabe der finanziellen Situation in Warendorf der Meinung, dass ‚der ganze Laden dort oben“ aufgeräumt werden muss, die Rücktritte finde ich konsequent und auch richtig. Jetzt gilt es in Ruhe, geeignete Personen zu finden, die erstens wissen, dass diese Ämter nicht übergangslos sondern wortwörtlich im  Minusbereich  beginnnen, und zweitens sie noch mehr im Blickfeld der Reiter stehen. Ich hoffe im Sinne des Reitsports und für uns Engagierten auf eine gute Lösung, sprich Besetzung.“

„2025 wäre der leisere Zeitpunkt gewesen“ 

Nadja Weißbrod, Präsidentin des Pferdesportverbandes Nordbaden: „Der Rücktritt des Präsidenten und des Finanzkurators sind für mich ebenso nachvollziehbar wie die berechtigte Kritik an der Finanzsituation der FN. Grundsätzlich ist es für mich selbstverständlich, dass die Übernahme der Verantwortung von Missständen durch Amtsträger entsprechender Positionen (auch im Ehrenamt) zu erfolgen hat. Wünschenswert wäre im Interesse des Reitsports, auch im Hinblick auf die Außenwirkung bei den Olympischen Spiele, dass sowohl der Präsident, als auch der Finanzkurator aktiv an der Beseitigung der Probleme durch die Einleitung und Überwachung entsprechender Maßnahmen, hätten mitwirken können. Die kommenden Wahlen im Mai 2025 wäre dann der leisere Zeitpunkt für personelle Entscheidungen gewesen.“

„Neuausrichtung ist dringend erforderlich“

Isabell Werth, weltbeste Dressurreiterin, Botschafterin des Stuttgart German Master: „Die Entwicklung war notwendig und richtige Konsequenz der letzten Monate. Die Rücktrittsentscheidung war richtig.  ⁠Eine personelle und strukturelle Neuausrichtung des Verbandes ist dringend erforderlich.  ⁠Die Leistungen in Paris werden von dieser Entscheidung nicht tangiert.“

„Alle Abläufe hinterfragen“

Uli Collee, Aktivensprecher in Baden-Württemberg: „Der Rücktritt war sicher die logische Konsequenz, wenn das Vertrauen des Verbandsrates nicht mehr vorhanden ist. Der Prüfbericht hat ja schon einige Probleme aufgezeigt; ich denke, wir brauchen eine Führung, die alle Abläufe hinterfragt um das Vertrauen ihrer ‚Kunden‘  wiederzugewinnen.  Der Satz ‚die da oben in Warendorf‘ mit dem viele ihre Unmutsäußerungen über die Verbandszentrale beginnen, sollte der Vergangenheit angehören.

 „Richenhagen wäre der richtige Mann“

Christian Kraus, Sprecher der Turnierveranstalter in Baden-Württemberg: „Die Ereignisse haben sich in den letzten Monaten überschlagen. Aus diesem Grund war die negative Entwicklung und der Eklat in Warendorf leider absehbar. Der Kahn FN ist ins Wanken geraten und hat Schlagseite. Das Steuer muss nun herumgerissen werden, damit er nicht völlig kentert. Die daraus resultierenden Konsequenzen sind meiner Meinung nach noch gar nicht absehbar. Es ist fünf vor zwölf. Der Rücktritt der beiden Herren war die logische und auch richtige Konsequenz. Sie ist zu respektieren. Das Vertrauen wurde gnadenlos entzogen und ist nicht mehr da. Das hat die nichterfolgte Entlastung eindeutig gezeigt.  Nun müssen diese beiden Posten (und auch andere) schnellstmöglich mit den bestmöglichen Personen besetzt werden, um das nun entstandene Vakuum und die daraus resultierende Verunsicherung, auch bei den Mitarbeitenden der FN, zeitnah zu beheben. Ein führungsstarker, kompetenter Macher und schonungloser Sanierer sollte nun die FN wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen. Die Zeiten in denen man nur repräsentieren konnte sind längst vorbei. Nun heißt es machen! Martin Richenhagen wäre der richtige Mann. Er vereint Managerqualtäten und pferdesportliche Kompetenz. Zudem ist er im In- und Ausland respektiert und hat das entsprechende Auftreten. Diese Voraussetzungen haben nur ganz wenige!“ 

„Sönke Lauterbach nicht die richtige Person“

Norbert Freistedt, Geschäftsführer des Pferdezuchtverbandes Baden-Württemberg: „Diese Entwicklung ist die logische Konsequenz auf die ökonomischen und strategischen Versäumnisse und  Fehlentscheidungen der Warendorfer Führungskräfte, insbesondere in den letzten fünf bis sechs  Jahren. Besserung war vorher schon oft gelobt worden, ist aber nie wirklich eingetreten. Durch den massiven Vertrauensverlust kann sich die Mehrheit der Delegierten eine weitere Zusammenarbeit mit drei Personen nicht mehr vorstellen und hat das mit der Nicht-Entlastung zum Ausdruck gebracht. Diese Zäsur bietet die große Chance auf wirksame Veränderungen. Das restliche Präsidium ist einstimmig entlastet worden. Es muss sich mit der Nachfolge für Präsidenten und Finanzkurator beschäftigen und entscheiden, ob die Neuwahl kurzfristig oder zur turnusgemäßen Wahl im Mai 2025 erfolgen soll. Aus meiner Sicht fast noch entscheidender für den weiteren Verlauf ist der Umgang des Präsidiums mit dem Votum der Delegierten bezüglich Sönke Lauterbach. Die Position des Vorstandsvorsitzenden ist die Schlüsselstelle für die mittelfristige Entwicklung von Sport und Zucht in Deutschland. Es müssen neben kurzfristigen Maßnahmen umfassende Strukturreformen gestartet werden, sonst stehen wir in kurzer Zeit wieder vor den gleichen Problemen. Sönke Lauterbach ist meines Erachtens nicht die richtige Person dafür.  

„Neuaufstellung organisieren“

Ole Gunzenhäuser, Schatzmeister im Pferdesportverband Baden-Württemnerg und Nordbaden, ehrenamtlicher Kassenprüfer bei der FN: „Ich bin traurig über die strukturellen Finanzprobleme, welche uns nun schon einige Zeit begleiten. Ich wünsche mir, dass wir bald eine frische Mannschaft haben, die diese Themen mutig angeht. Ich hätte mir persönlich eine andere Lösung gewünscht, welche uns ein paar Monate mehr Zeit gibt, uns neu aufzustellen. Angesichts des Misstrauensvotums kann ich aber den Schritt völlig nachvollziehen. Es ist jetzt wichtig, dass wir zeitnah, aber mit der notwendigen Besonnenheit die Neuaufstellung der FN organisieren.“

Roland Kern (Redaktion)

Der Ruhepol der Redaktion, der im Notfall immer noch eine Lösung parat hat. Die Stimme (The Voice) von Reiterjournal-TV, hat selbst Pferde bis zur Klasse S ausgebildet und kennt keinen Feierabend.

Bewerten
  • - nicht gut
  • - sehr gut
Übersicht
×
Reiterjournal Special

Warte mal kurz...

Hat Dir der Beitrag gefallen? Ja? Dann schnupper doch mal in unsere Printausgaben.

gleich gehts weiter...