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Passend zum Turkish Airlines Preis von Europa war es Richard Vogel, der mal wieder allen davonflog. Zwölf der 45 Paare hatten es ins Stechen geschafft, darunter sieben aus Deutschland. Vogel hatte schon letztes Jahr beim CHIO Aachen kräftig abgeräumt. So würde er gerne weitermachen, hatte er nach seinem Sieg am Vormittag noch gescherzt, aber auch gleich eingeschränkt, das werde ihm wohl kaum gelingen. Am Abend stand dann fest: Doch, das geht. Dafür sorgte sein fantastischer zehnjähriger Chaman-Sohn Cepano Baloubet.
Vogel und Cepano Baloubet waren neuntes Paar im Stechen. Bis dato hatte McLain Ward (USA) auf Callas nach einer Bilderbuchrunde in Führung gelegen. Als Vogel durch den Einritt kam, fingen die Zuschauer an, rhythmisch zu klatschen und ihn anzufeuern. Von Hindernis eins an nutzte der gebürtige Baden-Württemberger den natürlichen Speed und die Wendigkeit seines Fuchses und verschenkte keinen Millimeter. Nach 42,44 Sekunden stoppte die Uhr, unglaubliche 1,62 Sekunden schneller als Ward und Callas. Dabei hatten schon die so ausgesehen, als seien sie schwer zu schlagen. Ohrenbetäubender Applaus und ein Richard Vogel der auf dem Weg gen Ausgang immer wieder auf seinen Partner unter dem Sattel zeigte: „Ihm gebührt der Applaus“, sollte das wohl heißen.
Später bestätigte Vogel: „Ich war sehr glücklich, wie Cepano gesprungen ist. Er hat heute wirklich für mich gekämpft. Ich wusste noch vom letzten Jahr, als er Zweiter war im RWE Preis von Nordrhein-Westfalen und den Allianz-Preis gewonnen hat, dass er sich wohlfühlt in dem Parcours. Manche Pferde wachsen, wenn sie in die Soers kommen, andere werden schüchtern. Er gehört zu denen, die wachsen und das konnte ich heute spüren.“ Tatsächlich habe Cepano ihn heute sogar ein bisschen gerettet. „Ich habe McLain gesehen und ich weiß, wenn er in Führung ist, ist er schwer zu schlagen. Da war noch einmal extra Druck da. Ich bin fast ein bisschen zu aggressiv und nicht alles so perfekt geritten, wie ich wollte. Da hat er mir heute ausgeholfen.“
An Cepanos Form hätten auch die Zuschauer ihren Anteil, meinte Vogel: „Die Atmosphäre in dieser Prüfung mit dem Flutlicht und all den Zuschauern ist einfach unglaublich. Dies ist die erste Prüfung, in der jeder in bestmöglicher Form sein möchte. Schon draußen auf dem Vorbereitungsplatz ist die Atmosphäre besonders. Und wenn man dann in den Parcours reitet, steigert sich das noch. Das verleiht einem noch mal Flügel.“
McLain Ward wurde Zweiter in 44,06 Sekunden. Fun Fact: Als Vogel über den Winter in Wellington weilte, hat er mit McLain Ward trainiert. Der meinte nach dem heutigen Abend: „Es gibt nichts, was ich ihm noch beibringen könnte.“ Was Vogel für den Rest der Woche plant, liegt auf der Hand: am liebsten so weitermachen. „Ich hoffe, das war nicht die letzte Schleife, die wir sammeln konnten“, meinte er bescheiden. Ward hingegen klang sehr entschieden in der Antwort auf seine Ziele für den Rest der Woche: „Dass Richie Zweiter wird.“
An dritter Stelle reihte sich Jana Wargers mit der Oldenburger Stute Dorette ein – gerade mal eine hundertstel Sekunde langsamer als Ward und Callas. Damit war sie hoch zufrieden. „Wir haben hier die beiden schnellsten Reiter und sie waren in Führung. Ich wusste, dass das sehr schwierig werden würde. Außerdem möchte ich Dorette am Sonntag im Großen Preis reiten. Daher habe ich es natürlich versucht, aber ich wollte es nicht übertreiben.“
Am Donnerstag dann ging McLain Wards Wunsch in Erfüllung. Richard Vogel wurde Zweiter im Stawag-Springen im Sattel seines Hannoveraners Cydello. Doch den Vortritt ließ er nicht Ward, der wurde Dritter und landete damit erneut hinter Vogel. Der Sieg ging unterdessen nach Belgien an Abdel Saïd mit der Selle Francais-Stute Arpeche du Ru.
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