Marie Bernhard „erobert“ die Burg
Es lag schon in der Luft und dennoch muss man dem Druck als heißgehandelte Favoritin erst einmal Stand halten, aber wie die Siegerin Marie Bernhard später selbst beschrieb, hatte sie diesen gar nicht verspürt. „Ich lasse mich von so etwas nicht ganz so schnell aus der Ruhe bringen und konzentriere mich voll auf mein Pferd und unseren Ritt“, beschrieb Marie Bernhard nach ihrer Prüfung bescheiden, aber auch mit einem gewissen Stolz und das konnte sie auch sein. Im Sattel ihres Erfolgspartners der Europameisterschaften For Rock G. zeigte die junge Dame vom RFV Heuchlingen eine Runde wie aus einem Guss, punktete unter anderem in den Trabtraversalen, Verstärkungen sowie in der Galopptour mit sicheren und gut ins Bergauf gesprungenen Galoppwechseln. Einzig das Rückwärtsrichten gelang nicht ganz durchlässig. Insgesamt bestach Marie Bernhard im Sattel ihres elfjährigen Westfalens mit feinster Einwirkung bei einem toll gestreckten Sitz. Bei der Frage, ob die beiden Titel bei den diesjährigen Europameisterschaften überhaupt noch zu toppen sind, grinst Marie Bernhard und entgegnet: „Der heutige Sieg bedeutet mir sehr viel. For Rock und ich, wir sind noch nicht allzu lange ein Team und hatten auch noch nicht viele Starts in M-Dressuren“. In Reutlingen sicherte sich das Erfolgspaar mit 72,4 Prozent nicht nur den Titel im Finale des Nürnberger Burgpokals, sondern ebenso auch den Sonderehrenpreis für die Einwirkung und den besten Sitz.
Insgesamt überzeugte im Finale jedoch nicht nur die Siegerin, sondern vielmehr sah man von den Finalisten durchweg harmonische und vielversprechende Ritte. „Wir sind jetzt schon weit über 30 Jahre mit dem Nürnberger Burgpokal unterwegs. Schon früh haben wir gesagt, dass wir nicht nur den Hochleistungssport, also die Nachwuchspferde, fördern wollen. Vielmehr wollen wir auch in die normale Reiterei reingehen, also in die Jugendarbeit. Das war der Ansatz. Wir haben bei fast allen Landesverbänden Serien für die Jugend ins Leben gerufen. Baden-Württemberg war hier einer der ersten Landesverbände“, beschreibt Klaus Feilen, Landesdirektor Vertrieb Süd-West du fügt hinzu: „Nach der Coronapandemie ist die Teilnehmeranzahl etwas zurückgegangen, weshalb wir den Modus in diesem Jahr etwas angepasst haben und in der Dressur die Serie erstmals auf M-Niveau ausgetragen haben. Das wurde sehr gut angenommen und wir haben auch durchweg gutes Reiten gesehen“. Eine Überraschung sah man auf dem zweiten Platz. Lilly Pauline Grausam punktete sich gleich zu Beginn der Prüfung zu starken 70,5 Prozent. Im Sattel ihres zehnjährigen Wallachs Denzel überzeugte sie mit einer gleichmäßigen Runde und punktete vor allem mit sicheren fliegenden Galoppwechseln. „Ich habe das noch gar nicht realisiert. Den zweiten Platz, überhaupt einen Podestplatz, hatten wir wirklich nicht erwartet“, beschreibt die überglückliche Schülerin von Michael Bühl. Ein ebenso vielversprechendes Paar reihte sich auf dem dritten Platz ein. Die Rede ist von Kaya Wehrle mit ihrem eleganten Fürstenprinz. Die Führende der Qualifikationen punktete mit einer schwungvollen Trabtour, tollen Verstärkungen und gut kreuzenden Trabtraversalen. Demgegenüber standen einige (teure) Missverständnisse, wie beispielsweise ein Umspringen vor der ersten Grußaufstellung. Dennoch sollte man auch dieses Paar zukünftig sicherlich auch auf der Liste haben. Auf den Plätzen vier und fünf reihten sich Clara Vetter mit Sandro Minka (68,2 Prozent), ebenso ein sehr elegantes Paar, sowie Cecile Mutz auf Capri au Lait (68,1 Prozent), dem einzigen Pony im Feld, ein. Lucca Pfeil mit Diamond Lady (67,2 Prozent), Emma Hildenbrand mit Little Lord (65,3 Prozent) und Ann-Sophie Mayr mit MED-Lissy (65,3 Prozent) komplettierten die Platzierung. Und zum Abschluss gab es von Seiten der Nürnberger Versicherung ein positives Signal: Man darf sich auf die Fortsetzung der beliebten Cups freuen. Auch im nächsten Jahr wird der Titelträger auf M-Niveau gesucht. (msb)
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