Der bunte Berglöwe von der Alb
„Der zum Sprung sich duckende Berglöwe“ – so wird in der Sprache der indigenen Völker Nordamerikas der Name Tecumseh übersetzt. Tecumseh war ein Stammesführer der Shawnee im 18. Jahrhundert. Das passt. Der Tecumseh des 21. Jahrhunderts ist ebenfalls mit einer gewaltigen Sprungkraft ausgestattet, und er lebt auch in den Bergen. Genauer: Im Haupt- und Landgestüt Marbach auf der Schwäbischen Alb. Tecumseh, so heißt der zehnjährige gekörte Trakehner-Hengst, auffällig schon wegen seiner Farbe, den großen weißen Flecken im braunen Fell, der derzeit in den Parcours der baden-württembergischen Springturniere für Aufsehen sorgt.
Jetzt auch in Ladenburg, dem wichtigsten nationalen Springturnier in Nordbaden und dem Sitz des traditionsreichen Heidelberger Reitervereins. Nicht nur, dass er am Samstag das Punktespringen gewann und als einziges Pferd die höchstmögliche Punktzahl sammelte, also nirgendwo eine Stange streifte, auch nicht am eklig-gelben Joker-Sprung, der um einen Abwurf geradezu bettelte. Es war die Art, in der er es gewann. Und die Reitweise seiner Ausbilderin Eva-Maria Lühr, die faszinierte. Harmonischere Ritte sieht man nur selten. Und solche Pferde fast nie.
Tecumseh, im Besitz des Trakehner Zuchtverbandes, aber als Deckhengst in Marbach stationiert, ist ein großes und langbeiniges Pferd, der ellenlange Hals herrlich gebogen. Mit einem so genannten Fischauge, auffällig weiß, wo Pferde doch eigentlich ruhige dunkelbraune Augen haben, mustert er die Gegend wie ein Dinosaurier der Neuzeit. Er springt in einer fast arroganten Art, als würde er die Hindernisse strafen wollen.
Eva Maria Lühr, Ausbilderin der Marbacher Springhengste, mit ihrem besonderen Händchen für selbstbewusste Pferdemänner, dominierte das wichtigste S-Springen am Samstag bei besten Bedingungen in Ladenburg und einer anspruchsvollen Springbahn aus der Feder des Parcourschef-Teams Ralf Hollenbach, Andreas Wagner und Jessica Ripplinger.
Als einzige Reiterin blieb sie mit ihren beiden Pferden Tecumseh und seinem Deckhengst-Mitbewerber Uno aus Holsteiner Zucht ohne Abwurf in beiden Phasen – auch am Joker. Der gemütliche Uno musste einen Zeitfehler hinnehmen, und wurde Zweiter hinter dem bunten Berglöwen von der Alb.
Julian Holzmann im Moment unschlagbar
Jan Müller, Ladenburg-Spezialist, belegte mit seinem Schimmel Ciricu Rang drei und meldete schon mal Ambitionen auf den Großen Preis an, der am Sonntag in Ladenburg das Finale darstellt. Markus Lahm aus Worms auf Cahla wurde Vierter, Christopher Kurz aus Sinsheim mit Cinnamon Star K aus eigener Zucht Fünfter. Markus Lahm gehörte als Junger Reiter übrigens dem baden-württembergischen Landeskader an; er war damals Schüler von Reitmeister Karl-Heinz Streng in Mosbach.
Vor dem Zwei-Phasen-Springen (im FN-Pilotmodus, in dem alle Reiter in die zweite Phase gelangen, auch wenn sie Fehler haben) zeigte Julian Holzmann vom Stall Urban in Schriesheim, wo im U25-Lager dieses Jahr der Hammer hängt: Mit seiner Stute Iberia blieb er im S-Springen fehlerfrei und kam zwei Sekunden früher ins Ziel als alle anderen. Der junge Viernheimer Elias Hohler, der als Children in der Altersklasse U14 schon Europameisterschaften geritten ist, wurde mit Floyo Zweiter vor der angehenden Berufsreiterin Elena-Malin Reitzner mit ihrem Guiness. Die Pferdewirt-Auszubildende von Günter Treiber reitet mittlerweile wirklich stark wie ein Profi. Fabian Beck aus Buchen, U-16-Landesmeister und stark verbessert, platzierte Quintus auf Rang vier vor der 16-jährigen Karla Schumacher auf Glasgow.
Dressurturnier mit zehn S-Dressuren steht bevor
Der Reiterverein Heidelberg-Ladenburg wappnet sich im Moment schon auf das kommende (lange) Wochenende vom 8. bis 11. Juni. Da haben sich die Organisatoren um Turnierleiter Peter Werdan und „Finanzministerin“ Irmgard Behrendsen ein Herz gefasst und zehn S-Dressuren ausgeschrieben, darunter fünf (!) mit drei Sternen, also Piaffen und Passagen. Ein so großes nationales Dressurturnier hat es in der Rhein-Neckar-Region noch nie gegeben (rok/Foto: D.Matthaes)
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