Holland holt den Nationenpreis
Das deutsche Team landete als Sieger der Herzen am Sonntag beim Mannheimer Springreiter- Nationenpreis auf Rang zwei. Holland mit dem championatserfahrenen Team aus Willem Greve mit Highway, Loewie Joppen mit Havel van de Wolfsakker, Frank Schuttert mit Hawaii und dem jungen Kevin Jochems mit Flying Jackie war nicht zu schlagen. Souverän wie einen großen runden Käse rollte das Team Niederlande im MVV-Mühlfeld-Stadion den Sieg nach Hause.
Aber bei einer Equipe, die zur Hälfte aus Debütanten bestand, wurde die deutsche Platzierung wie ein Sieg gefeiert. Vor allem der 24-jährige Philipp Schulze-Tophoff wurde zum Star von Mannheim: Im Sattel des großen Fuchswallachs Clemens de Lande lieferte das „Küken“ im deutschen Team zwei blitzsaubere Nullrunden ab.
Das Überraschungsteam auf Rang drei bildete Spanien mit Alberto Marquez Galobardes auf Aldo du Manoir, Teresa Blazquez-Abascal mit Nasa de Toxandria, sowie Eduardo Alvarez Aznar mit Enjoy de la Mure und Sergio Alvarez Moya Charisma.
Vor dem entscheidenden zweiten Umlauf lag die deutsche Equipe unter Führung von Co-Bundestrainer Markus Döring noch auf Rang vier. Überraschend schwach schnitten da schon die Schweden ab, immerhin mit dem Superstar Hendrik von Eckermann als Frontmann. Aber er musste auf der unerfahrenen Stute Dzara Dorchival gleich einen Abwurf hinnehmen, ebenso wie sein Teamkollege Douglas Lindelöw auf Charlies Way.
Schon der erste Durchgang hatte die Art eines Krimis: Patrick Stühlmeyer aus dem Stall Schockemöhle musste für das deutsche Team zuerst in die Bahn. Er sollte dem Team Sicherheit geben, und die Wertung mit einer Nullrunde auspolstern. Aber der Plan ging nicht auf. Der französische Fuchswallach Drako de Maugre streifte die Stange eines Steilsprungs, der zur Dreifachen Kombination führte, nur ganz leicht – ein Abwurf. Das hatten sich die Bundestrainer anders vorgestellt.
Mannheim soll Nationenpreis-Standort bleiben
Dann Stefan Engbers, in seinem ersten Nationenpreis überhaupt, auf dem Riesenschimmel Bajus NRW. Der weiße Westfale springt Häuser. Bundestrainer Otto Becker ließ durchblicken, dass er dem soliden Engbers auf diesem Pferd auch mal einen Championatsstart zutraut. Alles sah sicher aus bis zur letzten Distanz vor der Zuschauertribüne. Da bekam der Wallach einen Seitendrall. Dadurch driftete der letzte Sprung weiter weg. Engbers entschied sich, sechs Galoppsprünge zu reiten – einen mehr als geplant. Das wiederum kostete wichtige Sekunden – und zwei Zeitfehler. Es sollten zwei zu viel sein am Ende. Engbers konnte seine Enttäuschung nicht ganz verbergen.
Erleichterung herrschte dann, als Mario Stevens, der amtierende Deutsche Meister, mit seiner zehnjährigen Stute Starissa ablieferte: Ohne Fehler, souveräne Runde. Dann Philipp-Schulze Tophoff, ebenfalls in seinem ersten Nationenpreis (zumindest bei den „Senioren“). „Der kann das“, beruhigt der alte Reitmeister Karl-Heinz Streng, der in Mannheim das Bundestrainerteam unterstützte. Und tatsächlich: Ohne Abwurf, wenn auch nur ganz knapp in der Zeit. Gar nichts für schwache Nerven.
Indessen blieben die Reiter der Schweiz, der Niederlande und überraschend die Spanier im ersten Umlauf mit weißer Weste. Auch die Schweiz fiel dann im zweiten Umlauf ab.
Der zweite Durchgang über den identischen Parcours fand teilweise im starken Regen statt – aber das Mannheimer Geläuf bot weiterhin beste Bedingungen. Stühlmeyers Franzose sprang nun etwas vorsichtiger, Engbers zeigte sich selbstbewusster und schaffte auch die Schluss-Distanz mit fünf passenden Galoppsprüngen. Dann passierte aber ausgerechnet Stevens’ Starissa ein Fehler bei einem Oxer aus der Wendung. Da war der Sieg schon weit weg.
Dann zeigte der coole Philipp Schulze-Tophoff die zweite konzentrierte Runde und rettete Rang zwei.
Als im ersten Durchgang die ersten drei Reiter den Parcours beendet hatten, war klar: Die Zeit stellte ein Problem dar. Obwohl nicht langsam geritten wurde, mussten alle Paare zunächst Zeitfehler in Kauf nehmen. Die Uhr war das schwerste Hindernis. Da entschied Parcourschefin Christa Jung mit der Jury, die erlaubte Zeit von 72 auf 75 Sekunden zu erhöhen. Dann wurde der Wettbewerb ein bisschen entspannter. Aber eben nicht für alle.
Mannheims Reiterpräsident Peter Hofmann hatte hohen Besuch aus der Reiterzentrale Warendorf. Nicht nur FN-Präsident Hans-Joachim Erbel sprach sich dafür aus, dass der EEF-Nationenpreis dauerhaft in Mannheim Station macht, sondern auch FN-Generalsekretär Sönke Lauterbach, der im Vorstand es Europäischen Reiterverbandes sitzt. „Alle Ampeln stehen auf Grün“, bestätigte er. Roland Kern
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