Leutkirch: Starke Amazonen
Das S*-Springen mit Stechen war der krönende Abschluss des viertägigen Springturniers des RFV Leutkirch-Diepoldshofen. Es hatten sich zwar lediglich zehn Teilnehmer zum Start entschieden - man munkelt, dass der ein oder andere am Gala-Abend doch etwas zu lange gefeiert hatte- doch das trübte die Stimmung der Zuschauer in Herbrazhofen keinesfalls. Trotz wiederkehrender Regenschauer waren die Ränge voll besetzt - dies war definitiv dem Charme und unermüdlichen Engagement des Reitvereins zu verdanken! Vier der Starterpaare behielten im Umlauf des Großen Preises eine weiße Weste und qualifizierten sich somit für das anschließende Stechen. Den Auftakt machte Simone Baur im Sattel der zwölfjährigen Fuchsstute Super Mouse. Die Tochter des Syltus machte ihrem Namen alle Ehre und galoppierte fehlerfrei in einer Zeit von 43,31 Sekunden durch die Ziellinie - dies galt es erst einmal zu schlagen. Dieser Herausforderung stellten sich nun Benjamin Maier und seine acht Jahre junge Westfalen-Stute Claire. Die beiden waren flott unterwegs, jedoch einen winzigen Ticken langsamer und so blieb die Uhr bei 43,79 Sekunden stehen. Knapper hätte es kaum sein können! Remo Allgäuer, der sich mit dem Oldenburger Concorioso bereits im gestrigen S-Springen an dritter Stelle platzierte, hatte sich ebenfalls fürs Stechen qualifiziert. Ein ärgerlicher Hindernisfehler am dritten Sprung nahm Allgäuer jedoch die Hoffnung auf den Sieg und so wählte er die längeren Wege und brachte den zwölfjährigen Sohn des Conthargos mit einem weiteren Strafpunkt für Zeitüberschreitung sicher ins Ziel. Als letzte Starterin setzte Lea Sophia Gut in gewohnter Manier alles auf eine Karte, nämlich auf den Bayer-Wallach Horse Gym’s Landinos. Zuerst schien es nach einem Führungswechsel, denn die Erfolgsreiterin nahm als Einzige die enge Wendung auf die Kombination und sparte dadurch wichtige Sekunden ein. Am Wasser touchierte der Braune jedoch leicht die Stange und sie fiel zu Boden. Mit einem weiteren Flüchtigkeitsfehler kam das Paar ins Ziel und rangierte somit auf Rang vier hinter Remo Allgäuer und Concorioso. Somit war das Springen entschieden: Simone Baur sicherte sich mit ihrer Super Mouse den Sieg, dicht gefolgt von Benjamin Maier auf Rang zwei. Sechsjährig kam die hübsche Stute Super Mouse zu Baur, sammelte bereits etliche Siege und Platzierungen auf M-Niveau. Auch in der schweren Klasse sind die beiden seit einigen Jahren erfolgreich unterwegs, zum gemeinsamen Sieg hatte es bis jetzt aber noch nicht gereicht.
Für Aufsehen sorgten am heutigen Feiertag besonders die jüngeren Reiter! Schon seit Jahren wird in Herbrazhofen der U25-Jugendförderpreis über 1,40 m ausgeschrieben, um jungen Talenten die Möglichkeit zu bieten, sich unter Ihresgleichen zu messen. Titelverteidigerin Lea Sophia Gut lies sich diese Chance nicht entgehen und sattelte ihre Erfolgsstute Canturia, mit der die mehrfache Landesmeisterin bereits im letzten Jahr die Prüfung für sich entscheiden konnte. Als vorletztes Starterin hatte die Amazone ein leichtes Spiel, denn bisher gab es noch keinen Ritt ohne Strafpunkte. Zwar passierten einige Reiter den Parcours ohne Hindernisfehler, alle hatten jedoch mit der Zeit zu kämpfen und daher den ein oder anderen Punkt auf dem Konto. Die Springreiterin aus Sulmingen blieb im Sattel ihrer Holsteiner-Stute fehlerfrei und das in einer Spitzenzeit. Sie nahm dabei dem Zweiplatzierten beinahe zehn Sekunden ab - mal wieder unschlagbar Gut! Niels Carstensen, der bisher mit einem Zeitstrafpunkt in Führung lag, landete mit dem Oldenburger Fuchswallach London’s Centoona somit auf dem Silberrang. Für Staunen sorgte der 14-Jährige Colin Sorg im Sattel des treuen Schimmelwallachs Ca Savio. Der Nachwuchsreiter aus Fronhofen holte erst vor wenigen Wochen mit Deutschland Gold im Nationenpreis der Children in Gorla Minore. In Leutkirch bestritt er nun sein allererstes S-Springen und landete direkt auf dem dritten Platz - Hut ab! Eine stilistisch traumhafte Runde legte Lisa Bräuninger mit ihrem Oldenburger-Wallach Shenandoah Cerro aufs Parkett. Für die Junge Reiterin und ihren „Schorsch“ war es heute ebenfalls der erste Start auf S-Niveau gewesen, welcher verdient mir dem vierten Platz belohnt wurde. Besser hätten man sich das Ergebnis nicht wünschen können! Die erste S-Platzierung ergatterte sich ein weiterer junger Herr, nämlich Simon Grafe aus dem Nachbarort Kißlegg, der mit dem achtjährigen Con Corazon eine tadellose Runde ablieferte und sich vor Jasmin Bäumler und ihrer Catura einreihte. Bäumler hatte sich mit der Holsteiner-Stute bereits im gestrigen Punkte-Springen eine Platzierung sichern können. „Genau das wünschen wir uns: Nachwuchsreiter abzuholen und ihnen den Sprung in die schwere Klasse zu ermöglichen“, erzählt Franz Gleinser, Vorstand und Turnierleiter. Das Konzept scheint sichtlich zu funktionieren! (lb/ Fotos: Madeleine Linder)
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