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Montag, 24.04.2023 um 20:32

Richard Vogel: Reiter mit Bodenhaftung

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Ganz Lokalmatador: Richard Vogel zeigte sich am Montag bestens aufgelegt an der Seite des Mannheimer Reiterpräsidenten Peter Hofmann gemeinsam mit MVV-Vorstandschef Dr. Georg Müller bei einer Pressekonferenz zum bevorstehenden Mannheimer Maimarkt-Reitturnier. Beim Maimarkt vom 4. bis 9. Mai ruhen die Augen und Hoffnungen auf dem gebürtigen Schwaben und Aufsteiger des Jahres.

Richard Vogel weiß, was sich gehört. Als er vor ein paar Wochen nach dem Weltcup-Finale in Ohama/USA zwei Rückflüge buchte, zurück nach Frankfurt, da gab es nur noch einen Direktflug. Den bekam sein Westfalen-Hengst United Touch. Vogel selbst landete einmal in Chikago. Als er nach Hause kam, stand sein Springpferd schon lange friedlich im Stall und kaute sein Heu.

So ist er, der Vogel, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht.

Richard Vogel ist im Moment der Superstar des deutschen Springsports. Beim Weltcup-Finale landete er als bester deutscher Reiter auf Rang sieben. Wenige Tage zuvor hatte er in Wellington/USA ein wichtiges Weltcup-Springen gewonnen, wie im November 2022 in der Stuttgarter  Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Alle schauen nun auf diesen „Super-Richie“, dessen Karriere neben einem gewaltigen Talent vor allem durch Zielstrebigkeit und Bedacht geprägt ist. Und natürlich von den Fleiß eines Schwabens, dem kein „Schaffe“ zu viel ist.

Rückblick: Richard Vogel kommt 1997 als Sohn eines selbstständigen Schreinermeisters in der oberschwäbischen Provinz zur Welt. Die Familie hat Pferde. Sein Onkel Richard Grom wird sein Namensgeber. Er ist Berufsreiter. Er verliert früh seine Mutter; das schweißt die Familie zusammen, macht den Jungen selbstständig. In der Nachbarschaft wohnt der internationale Pferdehändler Manfred Marschall. Er erkennt Richards Ausnahmetalent, nimmt ihn unter seine Fittiche. Dann: Regionalkader, Landeskader. Im Alter von zwölf Jahren taucht der kleine Vogel auf Landesebene auf. „So ein Talent habe ich noch nie gesehen“, schüttelt der baden-württembergische Landestrainer Jürgen Kurz erstaunt.

Richard ist ein Vogel mit eingepflanztem Kompass. Er weiß immer, wohin er will: nach oben.

Nach der Schule heuert er weit entfernt von der alten Heimat an: Am Stall von Martina und Bernd Herbert im südhessischen Viernheim vor den Toren Mannheims. Dort absolviert er seine Bereiter-Ausbildung, zeitweise auch im Mannheimer Reiterverein bei Pferdewirtschaftsmeisterin Anica Fröhling. Bis heute startet Richard Vogel für den Mannheimer Reiterverein. Ein Start im MVV-Stadion ist für ihn immer ein Nachhausekommen.

Andere Experten haben das Talent des Schwaben längst erkannt, natürlich auch der geschäftstüchtige Ludger Beerbaum. Er holt ihn als Bereiter an seinen Stall in Riesenbeck. So richtig warm werden die beiden nicht, aber Richard Vogel erhält dort sein Rüstzeug als Pferdesport-Unternehmer.

Er bleibt nur einige Monate, kehrt dann zurück  zu Herberts, wo man ihn gerne als Thronfolger hätte. Bernd Herbert ist auch schon 60. Dann aber zieht es den Vogel weiter. Er will mehr: er will höher raus. Der aus Bayern stammende Berufsreitersohn und Top-Profi David Will, ähnlich clever wie sein jüngerer Freund aus Schwaben, macht ihm das Angebot, bei ihm einzusteigen. Vogel greift zu  - und landet in Dagobertshausen bei Marburg und Pfungstadt bei Darmstadt, weil eine Station nicht ausreicht, für das große Rad, das sie drehen.

Zu Vogel und Will kommt Sophie Hinners,Vogels Lebenspartnerin, Deutsche Amazonenmeisterin des Jahres 2021, ähnlich motiviert wie die beiden Kerle.

Es ergibt sich eine kongeniale Kooperation. Derzeit ist der Stall der führende de Republik. David Will ist so nebenbei Bundestrainer der Arabischen Emirate, Richard Vogel hat seine besten Kunden in den USA. Den Winter hat er mit Pferden in Florida verbracht. Die Pferde in seinen Ställen gehören Besitzern aus USA, China und Japan. Der Stall ist ein Global Player. Zeitweise sind 30 Pferde in sechs Lastwagen und per Flieger auf der Welt unterwegs. Vogel, Will und Hinners liefern reiterliche Meisterleistungen ebenso ab wie logistische.

 

Trotz aller Höhenflüge, Richard Vogel behält seine Bodenhaftung. „Ich glaube nicht, dass sich beim Mannheimer Maimarkt für den Nationenpreis nominiert werde“, winkt er ab. Seine Top-Pferde United Touch und Cepano Baloubet haben Pause, halbe Sachen will er nicht machen. Auch für die Europameisterschaft dieses Jahr in Deutschland will er noch nicht planen. Obwohl auch Bundestrainer Otto Becker natürlich auf das Paar aufmerksam geworden ist. Der Westfalen-Hengst springt Häuser, wie man so sagt. Übrigens ist Richard Vogel der erste und einzige, der den großen Dunkelbraunen  so richtig versteht und zu Höchstleistungen animiert. United Touch ist eigentlich ein Tanker unter der Sportpferden. Er galoppiert viel zu groß und langsam, lässt sich schwer wenden.

In Ohama konnte man beobachten, wie genau und vertieft Richard Vogel und David Will beim Abgehen den Parcours inspizierten. Da sind Perfektionisten am Werk.

„Andere Reiter wollten United Toch in die passende Schablone pressen, ich will wissen, wobei er sich wohlfühlt“, beschreibt Richard Vogel. Jetzt reitet er in Distanzen einen Galoppsprung weniger, lässt denn Westfalen lieber früher abspringen. Das sieht manchmal ein bisschen gewagt aus – wäre es auch, wenn Reiter und Pferd sich nicht vertrauen würden.

Tickets für den Maimarkt auf www.maimarkt-turnier.de                                                                                         Roland Kern

 

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