Basel: Pia Reich sensationell Sechste im Weltcup-Springen
Das große Finale des LONGINES CHI CLASSICS BASEL hatte es in sich. Die Parcourschefs Gérard Lachat und Gregory Bodo hatten sich für das Weltcup-Springen über 1,60 Meter eine Hand voll wirklich kniffliger Aufgaben überlegt, die begrenzte, enge Reitfläche und die „Hexenkessel“-Atmosphäre der Basler St. Jakobshalle trugen ihr Übriges dazu bei. Aus dem Longines Grand Prix am Freitag hatten sich die 40 Besten für das heutige Finale qualifiziert, lediglich sieben von ihnen sollten den ersten Umlauf ohne Fehler bestehen.
Der erste Starter lieferte auch die erste Nullrunde, es war Gerrit Nieberg mit seinem CHIO Aachen-Siegerpferd Ben. Fast schon spielerisch hatten die beiden den ersten Umlauf in einer beeindruckenden Zeit gemeistert, wie viel diese Runde wert sein sollte, wurde Reitern wie Zuschauern aber erst im weiteren Verlauf des Springens bewusst. Die zweite Nullrunde lieferten erwartungsgemäß die Doppel-Weltmeister Henrik von Eckermann und King Edward.
Die dritte Nullrunde zauberte Pia Reich mit ihrer 13-jährigen Oldenburger Stute PB Chaconie in die Bahn. Die langjährige Erfolgsgarantin kämpfte mit der Baden-Württemberger Amazone bis zum letzten Sprung, versuchte alles möglich zu machen. An einem Steilsprung klapperte die oberste Stange für alle hörbar, ein Raunen ging durchs Publikum - und das gerade vor einem wirklich „gemein“ schmal gebauten bunten Plankensprung. Doch mit Nerven aus Stahl blieb Reich cool und brachte die Runde sauber ins Ziel. Der dritte Nuller stand. Nur wenig später sollte Marcus Ehning ins Stechen folgen, im Sattel von Stargold zeigte er eine wahre Bilderbuchrunde.
Danach kämpfte sich das Publikum durch eine relativ lange Durststrecke, Favoriten wie Martin Fuchs oder Daniel Deusser ließen Stangen in den Boden fallen. Bis fast zum Schluss musste die ausverkaufte St. Jakobshalle auf den nächsten fehlerfreien Ritt warten. Den lieferte dann der Holländer Kevin Jochems auf La Costa. Die Menge war wieder wach, das Springen nahm wieder Fahrt auf. Pius Schwizer setzte mit Vancouver de Lanlore nach und blieb ebenfalls null. Ein Schweizer im Stechen, das heimische Publikum atmete hörbar auf. Ein weiterer Lokalheld sollte folgen, mit Edouard Schmitz und Gamin van’t Naastveldhof war das Stechen der besten Sieben komplett.
Im Stechen selbst lag es wieder an Gerrit Nieberg die Messlatte vorzugeben. Sein Ben sprang erneut hervorragend. Eine entscheidende Wendung erwischte der Deutsche allerdings nicht ganz optimal, er steuerte neben einen benachbarten Steilsprung und musste Ben ausbremsen, um die Kurve noch zu bekommen. Das kostete Zeit. In der Endabrechnung stand aber die Null und ein beachtenswerter vierter Platz nach einem eh schon starken Wochenende in Basel.
Die Favoriten, Henrik von Eckermann und King Edward, machten den Sack zu. Der Stechparcours war wie gemacht für den kompakten Fuchs, jede Wendung gelang, jeder Sprung saß. Das geht einfach nicht besser. An der Bestzeit von 33.43 Sekunden sollte sich die Konkurrenz die Zähne ausbeißen. Henrik von Eckermann plant seinen King fest für das Weltcup-Finale Anfang April in Omaha ein, zwei Turniere soll sein Championatspferd bis dahin noch gehen, unter anderem in Göteborg, „zu Hause“, wie der Schwede selbst im Anschluss an die Siegerehrung sagte. Einer, der weiß wie es ist, das Weltcup-Finale zu reiten und auch zu gewinnen ist Marcus Ehning. Es wäre sein 20. Weltcup-Finale für das er sich qualifizieren würde, denkt Ehning in der Pressekonferenz zurück. „Und trotzdem ist es immer wieder etwas ganz Besonderes.“ Schon drei Mal hatte der Springreiter aus Borken das prestigeträchtige Finale für sich entscheiden können.
In Basel war Ehning dem Weltmeister aus Schweden wahrlich dicht auf den Fersen. Bei Deutschlands erfolgreichstem Stilisten stoppte die Uhr bei 33.49 Sekunden. Stargold sprang auch im Stechen überragend, lediglich vor der Kombi auf der Schlusslinie musste Ehning den Oldenburger Hengst von Stakkato Gold kurz aufnehmen, ob das die entscheidenden Hundertstel kostete, kann man nur mutmaßen. Unter tosendem Applaus feierte das Basler Publikum auch seinen Lokalhelden Pius Schwizer, der mit Vancouver de Lanlore und ebenfalls zwei Nullrunden Dritter wurde. Für ihn und die Schweizer Equipe hat in dieser Saison die noch nachzuholende Olympia-Qualifikation oberste Priorität, wie auch Landsmann Edouard Schmitz bejahte. „Darauf legen wir unsere Saisonplanung aus“, sind sich beide einig.
Nur Schmitz hätte tatsächlich die Zeit von Henrik von Eckermann und King Edward geknackt. Im Sattel von Gamin van’t Naastveldhof benötigte er lediglich 32.04 Sekunden für den Stechparcours. Auf die Kombi der Schlusslinie kam Schmitz allerdings etwas unglücklich, ein Fehler am Oxer-Einsprung resultierte, der Sieg war futsch. In der anschließenden Presse-Konferenz war Schmitz allerdings schon wieder zum Scherzen aufgelegt. „Es ist mein 1. Mal, dass ich in Basel reiten durfte, daher bin ich sehr zufrieden. Ich freue mich über den siebten Platz, noch mehr hätte ich mich über den ersten Platz gefreut!“
Wirklich bemerkenswert beendete auch Pia Reich das Weltcup-Springen von Basel. Sie zeigte mit PB Chaconie eine flotte, aber vergleichsweise sicher angelegte Stechrunde und sicherte sich damit einen beachtlichen sechsten Platz in einem weltklasse Feld. Hansi Dreher und Elysium verpassten die Platzierung nur knapp, auf der Schlusslinie mussten die beiden einen ärgerlichen Fehler am vorletzten Sprung in Kauf nehmen. (akb)
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