Zum Tod von Hans-Joachim Eitel
Er war irgendwie schon immer da. Dressurreiter, die heute 50, 60 Jahre und vielleicht auch ein bisschen älter sind, kennen den Dressursport in Baden-Württemberg nicht ohne den Dressurrichter Hans-Joachim Eitel. 1969 war er gerade mal 29 Jahre alt, als er die Richterprüfung ablegte. Das war damals noch ungewöhnlicher als es das heute wäre. Schon wegen seines Alters war der gelernte Kaufmann aus der Region Schwarzwald-Baar der Gegenentwurf zu der vorherigen Generation am Richtertisch. Hans Eitel wollte kein Oberlehrer und kein General sein; er kam mit den Reitern ins Gespräch, versuchte, bei der Ausbildung zu helfen, Probleme sachlich zu lösen.
So waren seine ersten Jahre von Sachverstand und einer neuen Art der Kommunikation geprägt, sein Aufstieg innerhalb der Richterliste war steil. 1989 legte er die Grand Prix-Prüfung ab – mit 49 Jahren. Seither hat er fast alle wichtigen Drei-Sterne-Prüfungen im Land gerichtet, Hunderte von Grand Prix-Pferden kommen und gehen sehen. Wegen seiner korrekten und unaufgeregten Art genoss Hans Eitel bei den Veranstaltern und den Verbänden ein hohes Ansehen. Er war ein korrekter, sehr höflicher Mensch. Eine Persönlichkeit.
Er hat tatsächlich zwei Generationen von Dressurrichtern als Gutachter-Richter ausgesucht und gefördert – und damit der Dressurszene im Land durchaus seinen Stempel aufgedrückt. Dabei ist er als Coach und Lehrgangsleiter, vor allem an der Basis, stets auch ein Reitlehrer geblieben. Als man ihn brauchte, wirkte er auch einige Zeit als Regionaltrainer in Südbaden – als Schwabe!
Und er war ein Vereinsmensch. Gewaltige Verdienste hat er sich um seinen Heimatverein in Tuttlingen erworben, dessen Vorsitzender er lange Zeit war. Ohne seinen Rat und sein Netzwerk hätte es der Verein seinerzeit nicht geschafft, eine neue Reitanlage vor den Toren der Stadt zu bauen. Hans-Joachim Eitel war damals der Motor in Richtung Zukunftsfähigkeit.
Als Hans Eitel im August 2020 in Marbach auf dem Haupt- und Landgestüt kurz nach seinem 80. Geburtstag freiwillig den Platz am Richtertisch räumte, ging er als – mit Abstand – dienstältester Richter im Land in den Ruhestand. Turnierleiter und LK-Chef Frank Reutter ehrte ihn mit der Goldenen Ehrennadel der Landeskommission. Zuvor hatte er – gesundheitsbedingt – nur noch wenige Turniere besucht, stets begleitet von seiner herzensguten Frau Barbara, die sich überall kümmerte und sich ehrenamtlich einbrachte, sei es als Ansagerin, Rechnerin, Vorleserin oder einfach als gute Seele. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Hans Eitel von ihr wohlbehütet im familiären Umfeld in Müllheim ganz im Süden Badens. Hans-Joachim Eitel ist am 6. Januar im Alter von 82 Jahren verstorben. Er hat sein Leben dem Reitsport gewidmet. Roland Kern
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