von Mona-Sophie Bimmel am Mittwoch, 15.05.2024 um 14:09

Hans-Joachim Erbel in Erklärungsnot

Mit Spannung war bei der Delegiertenversammlung der Besuch von Hans-Joachim Erbel erwartet worden.Denn dieser war ein Vortrag von Präsident Erbel vorgeschaltet. Dabei ging Erbel zunächst auf die Kernthemen des Pferdesports, ja der Arbeit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ein. Social License, die GOT und die Nachwuchsgewinnung können in diesem Zusammenhang genannt werden, wobei Erbel dazu aufforderte: „Wir brauchen mehr junge Menschen in unseren Ställen, auf unseren Pferden. Wir müssen der Gesellschaft zeigen, dass Bilder wie von Dr. Parra und Andreas Helgstrand absolute Ausnahmen waren“. Bereits eingeleitete Maßnahmen sind Social License Workshops oder auch Zuschüsse für Schulpferde. Und natürlich musste sich Hans-Joachim Erbel auch zur aktuellen Finanz-Misere der FN erklären. Dabei trafen Erbels Erklärung bei den Delegierten auf weitestgehendes Unverständnis. „Eine Hausfrau schaut sich monatlich auch ihre Haushaltskasse an. Wie kann einer FN solche Einbußen ein Jahr lang nicht auffallen“, fragte Roland Ohneseit, der im „Landtag der Reiter“ für klare Worte bekannt ist. Fragen über Fragen, für die es zunächst einmal kaum Antworten gibt. Wir haben uns mit Klaus Dieterich über seine Einschätzungen zur "FN-Finanzmisere" unterhalten:

Das aktuelle Hauptgesprächsthema in der Reiterwelt sind wohl die Finanzstruktur der FN und der Rauswurf von Herr Straten sowie damit verbunden die personellen Krisen bei der FN. Was sagen Sie als Landesverbandspräsident zu diesen ganzen Vorfällen?

Leider ist das Bild, welches die FN aktuell nach außen abgibt kein Gutes. Die Häufung von negativen Schlagzeilen und der daraus entstehende Eindruck, dass die handelnden Personen „ihren Laden nicht im Griff haben“ lässt sich schwerlich widerlegen. Auch wenn es nach den Schilderungen auf der FN Tagung deutliche Hinweise gibt, dass der gekündigte Mitarbeiter einen erheblichen Anteil an der aktuellen Krise hat.

Haben Sie noch Vertrauen zur FN?

Unbestritten sind von den FN Verantwortlichen Fehler gemacht worden, die zu dieser Krise beigetragen haben. Die Hintergründe hierzu wurden auf der FN Tagung intensiv diskutiert. Ich habe aber keine Hinweise, dass dabei die Unwahrheit gesagt wurde. Insofern war dies für mich bisher kein Vertrauensbruch. Ob die FN allerdings selbst in der Lage ist, die offensichtlich notwendigen strukturellen Veränderungen daraus abzuleiten, vermag ich zum heutigen Zeitpunkt nicht zu sagen. Ich bin sehr gespannt auf die Vorschläge, die anlässlich der neu anzuberaumenden Sitzung des Verbandsrates gemacht werden. Dann wird sich zeigen, in wieweit die FN selbst in der Lage ist verlorenes Vertrauen wieder herzustellen.

Inwieweit ist Baden-Württemberg von Einsparungsmaßnahmen betroffen?

Ehrlicherweise kann ich das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen, da die Planung der FN für 2024 noch nicht verabschiedet wurde. Wir kennen nur einzelne Maßnahmen aber nicht den vollen Umfang der Einsparungen. Das soll erst bei der neu anzuberaumenden Sitzung des Verbandsrates im Detail berichtet werden, worauf ich sehr gespannt bin.

Ein Beispiel von Einsparungen ist das 8er-Team, was natürlich auch das Ländle betrifft. Inwieweit können Sie diesen Schritt der Einsparung nachvollziehen und sehen dies vor dem Hintergrund der rückläufigen Zahlen gerade im ländlichen Turniersport nicht als falsches Signal?

Grundsätzlich bin ich ein Befürworter von allen Initiativen, die helfen den Nachwuchs für den Turniersport zu begeistern. Ich finde die Idee, die hinter dem 8er-Team steht, hervorragend. Sie begeistert und steht gleichzeitig für gutes Reiten. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass es sinnvollere Einsparungsmaßnahmen gibt.

Mona-Sophie Bimmel (Redaktionsleitung)

Absolventin des Master-Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement, unsere Expertin für online und Social Media. Ihr Herz schlägt für Ausbildungs- und Turniersportthemen. Selbst bis zur Klasse S erfolgreich.

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