Einfühlsames Reiten beim Süddeutschen Berufsreiterchampionat
Nach zwei Qualifikationen mit einem Prix St Georges und einer Intermediaire I fand heute das Finale des Süddeutschen Berufsreiterchampionat beim Marbacher Dressurfestival statt. In diesem Jahr wurde ein Versuch gestartet und das Berufsreiterchampionat fand in einem anderen Modus statt. So durften die Berufsreiter ihre eigenen Pferde im Finale nur Abreiten und zeigten keine Prüfung mit dem eigenen Pferd. Denn mit den eigenen Pferden zählten nur die ersten beiden Qualifikationen. Nach diesen beiden Qualifikationen und zwei Siegen lag Michaela Förtsch vom Haupt- und Landgestüt Schwaiganger mit Abstand in Führung und startete somit in einer guten Ausgangslage ins Finale. Kristina Olson und Jörg Henne schafften es ebenso ins Finale. Im Finale selbst sahen die Zuschauer von allen drei Finalsten äußerst einfühlsames und harmonisches Reiten. Am Ende setzte sich Michaela Förtsch durch und sicherte sich, auch unabhängig von ihrer guten Ausgangslage, verdientermaßen den Meistertitel. Besonders im Sattel von Jörg Henne`s Pferd Douglas überzeugte die Bereiterin vom Haupt- und Landgestüt. Der dreizehnjährige Wallach war heute im Finale zwar wirklich sehr treu und bemühte sich, dennoch wollte er aufgefordert werden. Michaela Förtsch motivierte den Wallach und zeigte eine fehlerlose Vorstellung mit Höhepunkten in den fehlerlosen und im Risiko nach vorne gesprungenen Serienwechseln, wofür sie mit 68,3 Prozent die höchste Bewertung von allen Ritten erhielt. Auch die Vizechampionesse Kristina Olson konnte den Wallach gut motivieren und zeigte eine schöne Runde. Bei ihr war Douglas nicht ganz so geschlossen, wie es bei Michaela Förtsch der Fall war. Auch die Galopppirouetten waren etwas groß. Im Sattel des 15-jährigen Wallachs Sir Moritz wurde es für Michaela Förtsch schwerer. Der Wallach zeichnete sich schnell als das „schwierigste“ Pferd im Pferdewechsel ab. Sein Genick sowie damit verbunden die Serienwechsel galten als der Knackpunkt. Michaela Förtsch löste es geschickt. Nachdem der Wallach beim Antraben nach dem Grüßen piaffierte, ritt sie eine gute Trabtour. Besonders die Galopptour überzeugte und im Vergleich zu Jörg Henne gelangen ihr die Serienwechsel fehlerlos, was mit 66,19 Prozent belohnt wurde. Jedoch war Sir Moritz in der gesamten Prüfung zu eng und zu tief im Genick. Jörg Henne zeigte Sir Moritz noch geschlossener, besser im Genick und überzeugte mit einer schwungvollen Trabtour, wobei in der ersten Trabverstärkung mehrere Taktfehler passierten. Auch die Galopppirouetten gelangen noch zentrierter wie bei Michaela Förtsch. Leider verlor er wertvolle Punkte, indem sowohl die Dreier- als auch die Zweierwechsel nicht fehlerlos gelangen. Dennoch überzeugte Jörg Henne bei allen Ritten durch sehr einfühlsames Reiten und unterstützte die Pferde optimal. Auch auf Deborah, der Stute von Michaela Förtsch, die schlussendlich auch das beste Finalpferd wurde, überzeugte der Bereiter von Team Lempart/Müller durch einfühlsames und harmonisches Reiten. Ihm gelang eine fehlerfreie Runde, welche mit 67,97 Prozent belohnt wurden. Nicht ohne Grund waren Stefanie Lempart und Ralf Müller, die am Viereckrand ihren Bereiter unterstützten, überaus stolz und zufrieden. Apropos Deborah: sie wurde bestes Finalpferd. Denn auch Kristina Olson fühlte sich sichtlich wohl auf der Stute und überzeugte besonders in den Trabverstärkungen sowie mit kleinen Pirouetten. Leider galoppierte Deborah in der letzten Trabtraversalverschiebung an. Kurz darauf verritt sich Olson, was wiederum Punkte kostete. Am Ende standen gute 67,1 Prozent auf der Ergebnistafel.
Am Ende sicherte sich Michaela Förtsch mit 68,1 Prozent der Titel im Süddeutschen Berufsreiterchampionat. Kristina Olson folgte mit 67 Prozent. Jörg Henne rangierte mit 66,5 Prozent auf dem Bronzerang. Deborah führte die Pferdewertung vor Douglas und Sir Moritz an. Insgesamt hätten die Richter die Vorstellung noch mehr auseinanderbringen können. Beispielsweise hätten Jörg Henne`s und Kristina Olson`s Runden mit der Stute Deborah ruhig höher bewertet werden dürfen. Der neue Finalmodus kam bei den Finalisten gut an. Nach Meinung von Michaela Förtsch und Kristina Olson sei dieser Modus pferdefreundlicher, besonders bei den heutigen hohen Sommertemperaturen. Dennoch blieb es für Reiter und Zuschauer bis zum Schluss gewöhnungsbedürftig, dass die Runde mit dem eigenen Pferd sowie der Vergleich, wie es mit dem eigenen Pferd hätte klappen können, bis zum Schluss fehlte. Zudem hatte Michaela Förtsch schon vor dem Finale einen sehr großen Vorsprung, den Kristina Olson und Jörg Henne nur schwierig hätten einholen können. Michaela Förtsch konnte ihren Erfolg überhaupt nicht glauben. „Ich bin hier ohne jegliche Erwartungen angereist. Die zwei Siege und der Finaleinzug waren schon super. Der Titelgewinn ist nun wirklich das i-Tüpfelchen.“, beschrieb die Championesse.
Im Rahmen der Siegerehrung sah man nicht nur drei strahlende Berufsreiter auf dem Podest, sondern ebenso einen gerührten Reinhard Seim und zufriedenen Eberhard Geiger. Reinhard Seim ist langjähriges Mitglied des Marbacher Richterkollegiums und möchte in diesem Jahr seine allgemeine Richtertätigkeit beenden. Im Rahmen der Berufsreitersiegerehrung wurde er geehrt. Auch Eberhard Geiger erhielt eine Auszeichnung für seine langjährige Tätigkeit als Pferdewirtschaftsmeister und Ausbilder und erhielt das Verdienstabzeichen in Silber. Alles in allem ein toller Tagesabschluss mit strahlenden Siegern, Medaillengewinnern, Ausgezeichneten und Zuschauern!(msb)
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