In Öhringen-Cappel ist die Turnier-Welt noch in Ordnung
In Öhringen scheint die (Turnier-)Welt noch in Ordnung zu sein. Auf dem ländlichen, aber ambitionierten Dressur- und Springturnier, beidseits ausgeschrieben bis zur schweren Klasse, traf man auf proppenvolle Starterfelder (vor allem im Bereich der Klassen E-L!), an den Wochenend-Tagen säumten hunderte Zuschauer die Prüfungsplätze und am Samstagabend feierten über 2.000 Reiter und Nicht-Reiter eine rauschende Party. Es müssen die Bedingungen vor Ort, das herzliche Engagement der Macher und ihrer etwa 100 freiwilligen Helfer und das umfassende Gastro-Angebot sein, welches nicht nur die Reiter, sondern auch die Zuschauer in Scharen nach Öhringen kommen ließen. Ganz zurecht blicken die Turnierleiter Sonja Käppler und Steffen Weippert hochzufrieden auf ihr Turnier in Öhringen-Cappel zurück.
Für die Zukunft wünschen sich die Öhringer als Veranstalter etwas mehr Flexibilität, vor allem wenn es um die Startplatzbegrenzung geht. „Wir würden gerne noch eine weitere S-Dressur ins Programm aufnehmen oder Prüfungen für unsere PSK-Meisterschaft oder eine Pony-Tour, da wir aber nur auf 50 Startplätze begrenzen können und nicht mehr wie in Corona-Zeiten auf 30 Teilnehmer, würden wir die ganzen Starter gar nicht mehr unterbringen. Schließlich gehen heute am Sonntag schon die letzten Teilnehmer um 17 Uhr in ihre Prüfung.“ so Turnierleiterin Sonja Käppler. Die WBO-Prüfungen bekommen seit einigen Jahren gar einen eigenen Turnier-Tag im Frühjahr, da sonst vor allem im Viereck die Starterfelder den Zeitrahmen sprengen würden. Ein Luxusproblem, wenn man auf manch andere Turnierplätze in Baden-Württemberg schaut.
Ganz so einfach wurde es dem Reit- und Fahrverein Öhringen dann aber doch nicht gemacht. In der Nacht zum Sonntag wurden einige Pavillons geklaut. Ein Zustand, den die Öhringer kennen. „Leider wird bei uns jedes Jahr etwas geklaut, verwüstet oder mutwillig zerstört.“ erzählte Turnierleiterin Sonja Käppler am Rande des Turniers. Nach aufgebrochenen Richterhäuschen oder verwüsteten Blumenkästen aus den Vorjahren, waren es in diesem Jahr also die geliehenen Zelte, die am Schlusstag den Besuchern und Helfern vor Ort hätten Schatten spenden sollten, die fehlten. Ärgerlich! „Davon lassen wir uns aber nicht unterkriegen, wir ziehen durch!“ bekräftigt die zweite Vereinsvorsitzende Käppler ihr Team.
Noch ein Stein, den die Öhringer souverän aus dem Weg räumten: Am Freitagvormittag trudelte beim zuständigen Veterinär-Amt ein anonymer Anruf ein. Die Pferde stünden bei den hochsommerlichen Temperaturen beim Turnier zu lange auf ihren Anhängern und LKWs, ohne Schatten. Das Veterinäramt nahm den Anruf ernst, Tierärzte kontrollierten die Bedingungen vor Ort, nahmen die Temperatur in den Transportern und überprüften den Gesundheitszustand der Pferde. Keine Beanstandungen – dafür hatte das Öhringer Turnier-Team aber auch vieles alles getan. Auf dem gesamten Gelände standen zahlreiche Wasserquellen, „To-Go-Tränken“ und Abspritzplätze zur Verfügung. Außerdem seien alle Prüfungen so ins Programm integriert, dass alle Reiter auch wieder nach Hause fahren könnten nach einer gewissen Zeit und nicht den ganzen Tag vor Ort sein müssten., so Käppler weiter. „Wir leben den Tierschutz-Gedanken hier und nehmen die Sorgen der Anwohner sehr ernst. Ich würde mir nur wünschen, dass sich die Menschen selbst hier blicken lassen und sich alles angucken würden und hinterfragen würden. Natürlich gibt es auf unserem Parkplatz keine Schattenplätze, aber das ist eben nur eine Seite der Geschichte.“ Kommunikation und Transparenz sind für Sonja Käppler hier der Schlüssel zum Erfolg. Alle Sprecher seien daher angewiesen worden in ihren Ansagen den Pferdesport und die gezeigten Prüfungen für das Publikum einfach zu erklären. „Außerdem haben wir erstmals für unsere Sponsoren eine Parcours-Begehung mit Christa Jung angeboten, um die Hintergründe zu erläutern.“ Auch das schafft Verständnis für den Sport. Man ist sich der aktuellen Problematiken hier in Öhringen-Cappel also mehr als bewusst. Vorbildlich! (akb)
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