„Wer will noch nach Italien?“
Baden-Württemberg hat ein neues Turnier. Die Familie Schlüsselburg auf den Engelsberghöfen in Ilsfeld feiert am Wochenende eine viel beachtete Premiere. Ausgerechnet an einem Wochenende, an dem der Winter zurückkehrt. Aber Romina und Sven Schlüsselburg bringen mit ihrer positiven Art die Sonne in die Herzen der Reiter. Wir haben sie besucht, als das Wetter gerade gnadenlos war.
Es ist gerade garstig auf den Hügeln über Ilsfeld, nur drei Grad Plus. Brrr. Selbst für Ende März zu kalt. Aber Sven und Romina Schlüsselburg haben ein Grinsen im Gesicht, obwohl man „Minis“ Gesicht kaum sieht unter der Kapuze, die sie tief ins Gesicht gezogen hat. Aber die beiden sind glücklich. Ein bisschen verfroren vielleicht, aber glücklich. Es ist der Samstagabend ihrer Turnierpremiere in Ilsfeld, den „Engelsberg Classic“.
Sven Schlüsselburg und seine Frau, die auch Stallmanagerin ist, führen ihren Turnierstall auf den Engelsberghöfen seit fast zwei Jahrzehnten. Jetzt haben sie sich getraut, dort ein Turnier zu veranstalten.
Warum eigentlich?
Romina Schlüsselburg: „Weil wir es einfach nicht einsehen, dass alle Leute im Frühjahr nach Italien fahren, wo es doch hier so schön ist. Niemand fährt gerne hunderte von Kilometern, wenn es hier auch schöne Turniere gibt.“
Aber hierzulande in Deutschland, da ist es noch ganz schön kalt?
Romina: „Es ist ein Gerücht, dass es um diese Jahreszeit in Italien immer warm und schön ist, wir sind dort auch schon bei Regen und Kälte geritten.“
Letzte Woche war es noch schön, jetzt ist der Winter zurückgekommen, das war Pech, oder?
Romina: „Wir sind da nicht negativ, gestern war es schön, heute Morgen auch, und morgen soll es auch wieder besser werden.“
Auf den Engelsberghöfen herrschen Top-Bedingungen, der Allwetterplatz, wenn auch ein bisschen kompakt, bietet ein perfektes Geläuf. Abgeritten wird in der Reithalle. Wir sprechen Parcourschef Alexander Schill.
Nicht so einfach, hier zu bauen, oder?
Alexander Schill: „Das passt schon, der Boden ist top, die Pferde springen gut, man muss halt ein bisschen aufpassen, was man hinstellt, aber ein M-Springen geht supergut.“
Auch mehr?
Schill: „Ja, Ein-Sterne-S geht ohne Probleme, da hatte ich schon schwierigere Plätze.“
Werden die Schlüsselburgs weitermachen?
Schill: „Ich glaube ja, wir hoffen es alle.“
Alles sieht professionell aus, wenn auch ein bisschen im Nebel versunken. An der langen Seite stehen Zuschauer unter ein paar Zelten, schützen sich vor dem Regen. Die Wiesen rund um die Reitplätze sind vollgeparkt und ziemlich glitschig. Parkplatzordner behalten die Ruhe und die Freundlichkeit.
Romina: „Wir sind so dankbar für unsere Helfer. Wir sind ja ein ganz kleines Team, und wir hatten am Anfang echt Angst, ob wir es schaffen, aber alle helfen so gut mit.“
Es stimmt, es sind nicht viele Helferinnen und Helfer. Aber alle wissen, wo man anpacken muss. Die Schlüsselburgs betreiben einen Turnierstall, fast alle Einsteller sind Turnierreiter. Das ist viel Wert. An den wichtigen Stellschrauben sitzen die richtigen Leute: Bernd Müller auf der Meldestelle, Dieter Melwitz als Chefrichter und LK-Beauftragter. Die halbe Miete.
Die Reiter saugen das Schlüsselburg-Turnier auf wie Honig. Man kennt sich. Am Samstagmittag sind um 15 Uhr die Roten Bratwürste ausverkauft, der Pizzabäcker arbeitet in seinem Wagen im Akkord. Man sieht sogar junge Frauen mit Aperol Spritz in der Hand, wie im Sommerurlaub. Im Parcours steht eine Palme. Wer will noch nach Italien?
Ihr habt trotz allem Spaß, kann das sein?
Romina: „Unbedingt, es war sicher nicht das letzte Turnier hier!“
Bleibt ihr trotz des Wetters auf dem frühen Termin?
Romina: „Ich denke schon, es hätte ja auch ganz anders sein können, aber vielleicht geht ja auch mehr.“
Wie mehr?
Romina: „Naja, jetzt haben wir ja alles eingeübt, jetzt wissen wir, wie es geht, worauf es ankommt, jetzt könnten wir auch mehr Turniere im Jahr machen.“
Der einzige warme Platz an diesem Samstagmittag ist der Richterturm, neu aufgebaut im Stil eines Mobil-Homes. Dieter Melwitz und Martin Kessler schauen auf den Platz, um sie herum gute Technik, geschultes Personal.
Frage an Dieter Melwitz, selbst jahrelang Turnierleiter in llsfeld, Sprecherkreis-Mitglied der IG Turnierveranstalter in Baden-Württemberg:
„Gutes Turnier?“
Melwitz: „Aber wie, so wie es halt ist, wenn Reiter für Reiter Turniere machen.“
Es wird langsam dunkel über den Hügeln oberhalb von Ilsfeld, der Reitergemeinde des Unterlands.
Frage an Sven Schlüsselburg: „Man hört, Ihr macht auf jeden Fall weiter und vielleicht gibt es künftig mehrere Turniere im Jahr?“
Sven Schlüsselburg: „Ach ja?!“
Das sagt deine Frau.
Sven: „Dann stimmt das auch.“
Aber Ihr schafft das?
Sven: „Wir schaffen das, weil wir tolle Partner haben, ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach ist, Sponsoren und Partner zu gewinnen, ich bin so dankbar.“
Vom Sponsorendorf am Einritt kommen einige Leute dazu, nehmen Sven Schlüsselburg in den Arm, knuffen ihn kumpelhaft in die Seite. Sie tragen Logos auf ihren Jacken. Pferdesport-Menschen, langjährige Partner des Stalls. Einer sagt: „Wenn ihr weitermacht, wir sind dabei.“
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