Stuttgart German Masters: 40 Jahre Jubiläum – aber die Zukunft ist eine Herausforderung
Ohne Hauptsponsor, mit einem Millionenbudget und vor einem möglichen Hallenneubau: Bei der Pressekonferenz zu den 40. Stuttgart German Masters zeigte sich Guido von Vacano zuversichtlich. Doch die Suche nach neuen Partnern und einer Lösung für die Zeit des Hallenneubaus bleibt eine große Aufgabe.
Es soll ein Fest werden, das 40 Jahre internationale Reitsportgeschichte würdigt. Vom 11. bis 15. November treffen sich bei den Stuttgart German Masters erneut die Weltbesten in Springen, Dressur, Fahren und Vielseitigkeit. Doch über dem Jubiläum liegt auch ein Schatten: Erstmals in der Geschichte des Turniers steht nach Angaben bei der Pressekonferenz kein Hauptsponsor mehr auf dem Plakat. Und die Zukunft der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, in der das Turnier seit Jahrzehnten zu Hause ist, ist ebenfalls offen. Guido von Vacano, Geschäftsführer der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft, stellte sich bei der Auftakt-Pressekonferenz den kritischen Fragen und machte keinen Hehl daraus, dass die kommenden Jahre Herausforderungen bereithalten.
„Es ist nicht schön, einen Sponsor zu verlieren“
Rund drei Millionen Euro umfasst das Turnierbudget. Gleichzeitig fehlen die großen Namen auf dem Plakat. Nach dem Rückzug von Mercedes und der BW-Bank fällt 2026 auch Walter Solar als Hauptsponsor weg. Die Suche nach neuen Partnern läuft. Wie lange könne ein Turnier eine solche Situation aushalten, lautete deshalb eine der zentralen Fragen an von Vacano. „Es ist nicht schön, den Sponsor zu verlieren. Jetzt gilt es, damit umzugehen, aufzustehen und neue Partner zu suchen“, sagte der Geschäftsführer. Er sei jedoch sehr zuversichtlich. Man suche aktiv nach neuen Sponsoren und spreche bereits intensiv mit einem strategischen Partner, der sich mit dem Thema Reitsport und dessen künftiger Entwicklung beschäftigen wolle. Einen konkreten Firmennamen wollte von Vacano nicht nennen. Entscheidend sei vielmehr, dass ein Partner zum Turnier passe und sich mit dem Sport identifizieren könne. „Ich finde es immer wichtig, dass es Firmen sind, die sich mit diesem Sport identifizieren, die den Sport auch für sich als Marke nutzen können.“ Der Markentransfer müsse stimmen – und es gebe durchaus Unternehmen, für die das Turnier eine passende Plattform sein könne. Dass die Sponsorenfrage mehr als eine Randnotiz ist, machte von Vacano ebenfalls deutlich: „Unterm Strich hängt die Zukunft von jeder Veranstaltung davon ab, dass sie finanziert ist.“ Deshalb arbeite das Team gemeinsam mit den bestehenden Partnern intensiv daran, das Turnier auch langfristig auf sichere Beine zu stellen.
Das Stammpublikum ist ein wichtiger Rückhalt
Ein wesentlicher Baustein der Finanzierung sind die Ticketeinnahmen. Hier kann das Stuttgarter Organisationsteam zumindest auf eine treue Fangemeinde bauen. Rund 40.000 Karten waren zum Zeitpunkt der Pressekonferenz bereits verkauft. Für alle neun Veranstaltungsabschnitte gebe es noch Tickets, erklärte von Vacano. Zwar sei nicht mehr unbedingt jeder Wunschplatz verfügbar, die Resonanz sei aber von Beginn an gut bis sehr gut gewesen. Der Geschäftsführer, der erst seit April in seiner Funktion tätig ist, zeigte sich besonders beeindruckt von der Beständigkeit des Publikums. „Es ist schon sehr beeindruckend, dass einfach alles gut umgekauft wird und die Stuttgart German Masters auf ein begeistertes Stammpublikum setzen können“, erklärte er sinngemäß mit Blick auf die Verkaufszahlen. Die Ticketpreise seien zwar angepasst worden, die Erhöhung liege aber unterhalb der Inflationsrate. Von Vacano betonte, wie wichtig es sei, dass das Publikum dem Turnier auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Treue halte. Die Eintrittskarten seien ein essenzieller Bestandteil der Finanzierung – sie könnten die fehlenden Hauptsponsoren allerdings nicht einfach ersetzen.
Neubau der Schleyer-Halle: Was passiert mit dem Turnier?
Noch grundsätzlicher ist die Frage nach dem Veranstaltungsort. Die mehr als 40 Jahre alte Hanns-Martin-Schleyer-Halle stößt baulich und funktional zunehmend an ihre Grenzen. Die Stadt Stuttgart hat deshalb im Juli 2026 den Start einer ergebnisoffenen Markterkundung für einen Ersatzbau beschlossen. Dabei sollen insbesondere private Investitionen sowie geeignete Finanzierungs- und Betreibermodelle geprüft werden. Von Vacano erklärte, dass auf absehbare Zeit zunächst weiterhin in der bestehenden Halle geplant werde (wahrscheinlich fünf Jahre). Gleichzeitig gebe es intensive Gespräche über den Neubau. Der Standort im NeckarPark soll dabei erhalten bleiben. Die Anbindung, die vorhandene Infrastruktur und die bewährte Lage sprächen aus Sicht der Veranstalter dafür. Auch die hohen Besucherzahlen des Hallenduos aus Schleyer-Halle und Porsche-Arena unterstrichen die Bedeutung des Standorts.
Allerdings ist ein Neubau nicht allein eine Frage der Architektur und Finanzierung. Wenn die alte Halle abgerissen und eine neue gebaut wird, entsteht zwangsläufig eine Übergangszeit. Von Vacano sprach von einer Bauzeit von etwa zwei bis drei Jahren, machte aber deutlich, dass das Turnier auch in diesem Zeitraum (an einem anderen Standort) stattfinden soll. Denn ein Aussetzen des Turniers könnte dazu führen, dass andere Veranstaltungsorte den frei werdenden Platz im Weltcup-Kalender übernehmen. Von Vacano berichtete von Gesprächen mit internationalen Spitzenreitern, die die Bedeutung des Stuttgarter Turniers unterstrichen. Deshalb werde intensiv nach Lösungen gesucht, um den Reitsportklassiker möglichst ohne Unterbrechung fortzuführen.
Ausweichquartier gesucht – eine einfache Lösung gibt es nicht
Wo die Stuttgart German Masters während einer möglichen Bauphase stattfinden könnten, ist noch offen. Von Vacano räumte ein, dass die Suche nach einem Ausweichquartier eine echte Herausforderung sei. Es gebe Überlegungen, und das Team denke gemeinsam mit zahlreichen Partnern über mögliche Lösungen nach. „Wir wollen richtig alt werden“, betonte von Vacano mit Blick auf die Zukunft des Turniers. Das Jubiläum sei kein Anlass, sich auf der Tradition auszuruhen. Vielmehr müsse man sich immer wieder hinterfragen, neue Ideen entwickeln und den besonderen Charakter der Veranstaltung bewahren. Ein Jahr auszusetzen, wäre aus seiner Sicht keine gute Option. Nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie wisse man, wie schnell eine Veranstaltung ihren Platz im internationalen Kalender verlieren könne. Für von Vacano bedeutet die Zahl 40 vor allem Kontinuität, aber keineswegs Stillstand. Die Stuttgart Grman Masters zählen zu den traditionsreichen Klassikern des internationalen Hallenreitsports. Dieses Profil gelte es zu bewahren und gleichzeitig weiterzuentwickeln.
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