40. Stuttgart German Masters: Weltmeister und ein Jubiläum mit besonderen Höhepunkten
Die Stuttgart German Masters werfen ihre Schatten voraus: Vom 11. bis 15. November öffnet die Hanns-Martin-Schleyer-Halle zum 40. Mal für das Traditionsreitturnier Stuttgart German Masters ihre Türen. Bei der Auftakt-Pressekonferenz stimmten die Verantwortlichen auf fünf Tage Spitzensport, drei Weltcup-Prüfungen und ein abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm ein. Dass die Begeisterung für das traditionsreiche Hallenturnier ungebrochen ist, zeigen die Vorverkaufszahlen. „Wir haben jetzt rund 40.000 Tickets verkauft. Das heißt, wir werden auf jeden Fall eine volle Hütte haben“, freute sich Guido von Vacano, seit April 2026 der neue Geschäftsführer der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft. Zwar seien noch Karten erhältlich, möglicherweise aber nicht mehr für jeden Wunschplatz. Die Resonanz sei von Beginn an gut bis sehr gut gewesen. Der neue Geschäftsführer zeigte sich an der Seite der bewährten Turnierleiter Andreas Krieg, Kai Huttrop-Hage und Carsten Rotermund, fast schon aufgeregt: „Ich bin richtig nervös. Das war schon immer eine Veranstaltung, die ich mit Respekt besucht habe. Es ist eine besondere Ehre, nun mitverantwortlich zu sein.“
2026 steht das Turnier ganz im Zeichen seines 40-jährigen Bestehens. Seit der Premiere 1985 haben sich die Stuttgart German Masters zu einer festen Größe im internationalen Hallenreitsport entwickelt. Mit Weltcup-Stationen im Springen, in der Dressur und im Fahren, hochkarätigen Teilnehmerfeldern und der engen Verbindung zur Region ist das Turnier weit mehr als ein sportliches Großereignis. „Die Stuttgart German Masters ist der Leuchtturm in unserer Region“, unterstrich Guido von Vacano die Bedeutung der Veranstaltung für Baden-Württemberg. Mehr als 160 Reiterinnen und Reiter aus 22 Nationen mit fast 300 Pferden werden erwartet. Mit dabei sind zahlreiche Medaillengewinner der Weltmeisterschaften in Aachen – darunter auch die frischgebackene Mannschafts-Weltmeisterin Sophie Hinners, die bei der Pressekonferenz von ihren WM-Eindrücken berichtete.
Sophie Hinners: Nach dem WM-Gold ist vor dem nächsten Turnier
Die Weltmeisterschaften in Aachen liegen erst wenige Wochen zurück. „Die Weltmeisterschaft vor heimischem Publikum miterleben zu dürfen und dann auch noch Gold mit der Mannschaft zu gewinnen, ist etwas, das ich nie vergessen werde“, erläuterte Sophie Hinners. So richtig gefeiert habe man den Erfolg gemeinsam mit den Fans, doch lange Zeit zum Durchatmen bleibe nicht. „Bei uns geht es relativ schnell wieder weiter, zu den nächsten Turnieren und den nächsten Aufgaben“, schmunzelt Hinners. Mit dem WM-Titel wächst allerdings auch die Aufmerksamkeit. Ob dadurch bei den folgenden Turnieren der Druck steigt und man als Weltmeisterin besonders viel beweisen möchte? Hinners machte deutlich, dass sie sich vor allem selbst hohe Ansprüche stellt. „Den Druck macht man sich auf jeden Fall selbst. Mit den Erfolgen wächst natürlich auch der Druck. Ich möchte immer mein Bestes geben, wenn ich reite.“ Gleichzeitig sei es wichtig, realistisch zu bleiben. Im Reitsport könne man schließlich nicht immer die Beste sein, und zwischen guten und weniger guten Runden lägen manchmal nur Nuancen. „Das Wichtige ist, dass man auch aus den nicht so guten Runden lernt und dadurch wieder besser wird.“ Natürlich wolle sie weiterhin vorne mitmischen. Doch auch als Weltmeisterin wisse sie, dass es im Sport immer wieder auf und ab gehe. In Stuttgart dürfte Hinners auf starke Konkurrenz treffen. Mit dem Schweizer Steve Guerdat, dem frischgebackenen Einzel-Weltmeister und dem belgischen Vizeweltmeister Thibeau sind zwei Medaillengewinner aus Aachen angekündigt. Auch Richard Vogel, amtierender Europameister und Mannschafts-Weltmeister, zählt zu den prominenten Namen. Der Baden-Württemberger gewann den Großen Preis von Stuttgart bereits 2022 und 2024 und dürfte alles daransetzen, sich erneut in die Siegerliste einzutragen. Hinzu kommen unter anderem Marcus Ehning, Christian Ahlmann, Martin Fuchs, Pieter Devos und Kevin Staut. Beste Voraussetzungen also für packenden Springsport im Stuttgarter Hexenkessel. „Wir sind bestens aufgestellt“, fasste Andreas Krieg zusammen.
Moritz Treffinger freut sich auf die besondere Atmosphäre
Auch Moritz Treffinger fiebert seinem Auftritt in der Schleyer-Halle entgegen. Der gebürtige Baden-Württemberger kennt die besondere Stimmung in Stuttgart bereits aus dem vergangenen Jahr und weiß, was ihn erwartet. Eine spezielle Vorbereitung auf den Stuttgarter „Kessel“ brauche es eigentlich nicht, erklärte er schmunzelnd. „Es ist schon etwas Besonderes, was die Stimmung betrifft, gerade auch in der Dressur. Letztes Jahr hat es unheimlich viel Spaß gemacht, dort zu reiten. Es war eine super Stimmung.“ Umso größer sei die Vorfreude auf die diesjährige Ausgabe. Bei der Frage nach seinem Ziel blieb Treffinger seiner sportlichen Linie treu: Er wolle bei jedem Turnier die bestmögliche Leistung zeigen. Im Reitsport hänge das Ergebnis schließlich von zahlreichen Faktoren ab, nicht zuletzt vom Pferd und dessen Tagesform. Entscheidend sei deshalb, sich optimal vorzubereiten. Dass er in Stuttgart bereits Spuren hinterlassen hat, motiviert ihn zusätzlich. Im vergangenen Jahr wurde er Zweiter im iWEST-Dressur-Cup, zudem konnte er sich zuvor schon in die Siegertafel eintragen. „Da draufzustehen, ist schon eine Nummer. Es ist sehr cool, dass ich damit schon einmal etwas verewigt habe“, sagte Treffinger. Wenn er mit Familie und Freunden an der Tafel vorbeilaufe und auf seinen Namen zeigen könne, sei das ein besonderes Gefühl. Nun sei es eine große Motivation, irgendwann auch bei den „Großen“ dort verewigt zu werden. Im Dressurviereck wartet ebenfalls ein hochkarätiges Feld. Allen voran kommt Turnierbotschafterin Isabell Werth mit ihrem WM-Pferd Wendy de Fontaine nach Stuttgart. Werth wird auch Viva Gold mitbringen. Aus der siegreichen deutschen Dressurmannschaft der Weltmeisterschaften in Aachen werden zudem Katharina Hemmer und Frederic Wandres erwartet. Auch Jessica von Bredow-Werndl, die im vergangenen Jahr die Stuttgarter Weltcup-Kür gewann, steht auf der Nennungsliste. Aus dem Ausland ergänzen unter anderem Top-Reiter, wie Larissa Pauluis, Marie von Essen oder Marieke van der Putten die gut aufgestellte Nennungsliste. „In der Dressur haben wir dieses Mal ein wirklich Top-Starterfeld. Wir schauen sehr optimistisch auf die Stuttgart German Masters“, erläuterte Carsten Rotermund.
Ein Leuchtturm für den Reitsport und die gesamte Region
Dass die Stuttgart German Masters weit über die Grenzen der Reitsportszene hinausstrahlen, machte Guido von Vacano bei der Pressekonferenz deutlich. Baden-Württemberg verfüge über mehr als 800 Reitsportvereine und über eine halbe Million Mitglieder. Der Reitsport habe damit nicht nur eine gesellschaftliche, sondern auch eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. „Es hat eine ganz große wirtschaftliche Bedeutung, die der Reitsport für unseren Standort hat. Es hat eine ganz große gesellschaftliche Bedeutung, und die Stuttgart German Masters ist der Leuchtturm in unserer Region, der das darstellt“, erläuterte der Geschäftsführer. Wie groß die Verbundenheit der Besucher mit dem Turnier ist, zeigt sich laut von Vacano auch am Kartenverkauf. Im Team der Veranstaltungsgesellschaft gebe es viele Reitsportbegeisterte, die das Publikum und dessen besondere Beziehung zum Turnier gut kennen. Ein Satz sei ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Wenn man hier im Reitsport aktiv ist, dann geht es ja nicht darum, ob man auf die Stuttgart German Masters geht, sondern wann man geht.“ Die aktuellen Verkaufszahlen bestätigten diesen Eindruck. Rund 40.000 Karten seien bereits verkauft, für alle neun Veranstaltungsabschnitte gebe es aber noch Tickets.
Weltmeister am Kutschbock und Michael Jungs Jagd nach dem zehnten Sieg
Nicht nur im Springparcours und im Dressurviereck wird in Stuttgart Weltklasse geboten. Auch die Fahrer bringen zahlreiche Titelträger mit in die Schleyer-Halle oder wie es Carsten Rotermund zusammenfasste: „Das Teilnehmerfeld der Fahrer toppt alles!“ Die Niederländer Koos de Ronde, Ijsbrand Chardon und Bram Chardon kommen als Mannschafts-Weltmeister nach Stuttgart. Der Australier Boyd Exell sicherte sich in Aachen zum achten Mal den Einzel-WM-Titel, während der Belgier Glenn Geerts mit seinem Team Bronze gewann. Das deutsche Trio Anna Sandmann, Anna-Mareike Meier und Christoph Sandmann, das bei der Weltmeisterschaft Rang vier in der Mannschaftswertung belegte, ist ebenfalls vertreten. Besonders Exell dürfte dabei wieder zu den Favoriten zählen: Elfmal hat er in Stuttgart bereits gewonnen.
Ein weiterer Höhepunkt wartet gleich am Mittwochabend. Michael Jung, viermaliger Olympiasieger in der Vielseitigkeit und Botschafter der Stuttgart German Masters, möchte im Indoor-Derby seinen zehnten Erfolg feiern. Konkurrenz bekommt der frischgebackene Einzel-Weltmeister unter anderem vom irischen Vorjahressieger Cathal Daniels und dessen Landsfrau Jennifer Kühnle, die 2024 erfolgreich war. Auch die deutsche Mannschafts-WM-Silbermedaillengewinnerin Libussa Lübbeke sowie U25-Vizeweltmeister Linus Weiß aus Möglingen sind angekündigt.
Jubiläumsshow und ein süddeutsches Duell zum Abschluss
Zum 40. Geburtstag setzen die Veranstalter auch im Showprogramm besondere Akzente. Passend zum Karnevalsauftakt am 11.11. sorgen beim Brunold „Jeep Costume Jump & Drive“ sechs Gruppen in Kostümen für Action und Unterhaltung. Dabei stellen sich die Gruppen aus baden-württembergischen Vereinen zusammen und jeder Reiter darf eine Vielzahl an Fans, die natürlich auch verkleidet erscheinen müssen, mitbringen. Eine Top-Stimmung ist also vorprogrammiert. Isabell Werth präsentiert im Rahmen der Jubiläumsshow ebenso eine besondere Kür. Unter dem Titel „Faszination Fahrsport“ zeigen Daniel Würgler und Markus Luder aus der Schweiz, Jiri Nesvacil vom tschechischen Nationalgestüt Kladruby und Michael Brauchle aus Aalen ihr Können. Mit „Go West – High Noon“ steht außerdem eine rasante Quadrille mit Fünferzügen auf dem Programm. Den Abschluss des Eröffnungsabends bildet das Indoor-Derby der Vielseitigkeitsreiter. Ein besonderes Jubiläumsgeschenk erwartet das Publikum am Sonntag, 15. November. Dann feiert der „Südgipfel – die iWEST® Top 12 Masters“ seine Premiere. Bei diesem neuen Format treten die jeweils sechs besten Reiter des BW-Bank Hallenchampionats und des iWEST® Bayern-Championats zum „Baden-Württemberg – Bayern Battle“ gegeneinander an. Zuvor kämpfen am Donnerstag 25 qualifizierte Paare im Finale des BW-Bank Hallenchampionats um den Titel. Als Führende reist Tina Deuerer aus Eppelheim an. Auch mehrere ehemalige Champions sind dabei, darunter der sechsmalige Sieger Timo Beck, Markus Kölz, Armin Schäfer und Titelverteidiger Mario Walter.
Und abschließend waren sich alle einig, oder wie Sophie Hinners und Moritz Treffinger beide bestätigten: „Man sieht es leider nicht mehr so häufig, dass ein Turnier so lange dabei ist. Die Atmosphäre ist in Stuttgart etwas ganz Besonderes. Das Publikum ist sehr nah dabei und fiebert richtig mit.“ Zum Jubiläum wird der Stuttgarter Hexenkessel mit Sicherheit doppelt und dreifach brodeln.
Ähnliche Meldungen
Warte mal kurz...
Hat Dir der Beitrag gefallen? Ja? Dann schnupper doch mal in unsere Printausgaben.