Katrin Eckermann rast in Wien zum Sieg und Isabell Werth verzaubert mit Viva Gold
Katrin Eckermann hat mit Chao Lee das CSI5*-Hauptspringen der Longines Global Champions Tour in Wien gewonnen. Im Schlosspark von Schönbrunn setzte sich die deutsche Amazone im entscheidenden Stechen gegen ein hochkarätiges Teilnehmerfeld durch.
Schon der Umlauf über 1,50 Meter hatte es in sich. Zahlreiche Reiter mussten Fehler hinnehmen, einige prominente Paare verzichteten angesichts der schwierigen Aufgabe sogar auf einen Start beziehungsweise gaben im Parcours auf. Am Ende qualifizierten sich 15 Paare für die Entscheidung um den Sieg.
Im Stechen entwickelte sich anschließend ein temporeicher „Showdown“. Sophie Hinners und Iron Dames Kaleni Jo sorgten zunächst für eine neue Bestmarke. Das Paar blieb ohne Abwurf und absolvierte den Stechparcours in 37,94 Sekunden. Doch Katrin Eckermann hatte mit Chao Lee noch eine Antwort parat. Die beiden gingen volles Risiko, fanden enge Wendungen und verkürzten die Wege konsequent. Chao Lee galoppierte kraftvoll, während Eckermann jeden Meter des Parcours optimal nutzte. Nach 36,42 Sekunden stoppte die Uhr, fehlerfrei und mit deutlichem Vorsprung. Damit war der Sieg perfekt.
Hinter dem deutschen Duo lieferten sich Nathan Budd und Ely des Rosiers Z sowie Gudrun Patteet mit Baron – RR Z, die sich ein enges Rennen um die weiteren Podestplätze lieferten. Budd blieb in 37,76 Sekunden ebenfalls ohne Fehler und sicherte sich Rang zwei. Nur 13 Hundertstelsekunden später überquerte Patteet die Ziellinie und komplettierte mit 37,89 Sekunden das Podium. Für Eckermann war der Erfolg in Wien auch aus persönlicher Sicht etwas Besonderes. Ihre Stute Chao Lee stammt vom Hof ihrer Familie. Entsprechend groß war die Freude über den gemeinsamen Triumph vor dem Schloss Schönbrunn. „Es ist etwas ganz Besonderes, an diesem fantastischen Austragungsort zu gewinnen“, erklärte Eckermann nach dem Springen. Besonders die Unterstützung ihrer Familie und der Iron-Dames-Mannschaft habe den Moment für sie noch emotionaler gemacht. Über die Zusammenarbeit mit Chao Lee sagte sie: „Sie wurde auf dem Hof meines Vaters geboren, und nach so vielen gemeinsamen Jahren vertrauen wir einander voll und ganz.“
Zum Auftakt des Finaltags triumphierte einmal mehr Ava Ferch im U25-Springen. Ferch ritt mit Elvic v/h Hoeve-Terras um den Sieg im 1,45 Meter Springen mit. Nach einem tadellosen Umlauf riskierte sie im Stechen alles. Das sollte am Ende nicht ganz belohnt werden. Zwar lieferte sich von den drei Teilnehmern im Stechen mit 39,63 Sekunden die schnellste Zeit, kassierte aber zwei Abwürfe. Das bedeutete ein starker dritter Platz. Auch Tobias Pfingstl mit Idiaal Special und Corinne Sweeney mit Diamond in the Sky Bvl kassierten jeweils einen Abwurf. Am Ende durfte sich der Österreicher vor heimischen Publikum aber über den Sieg (39,93 Sekunden) freuen. Auch Emma Bachl mit Obora’s Adrian und Alia Knack mit New Touch zählten mit den Plätzen acht und neun zu den Platzierten und hatten im Umlauf beide jeweils einen Abwurf kassiert. Jolie Marie Kühner avancierte mit Nouri zur Letztplatzierten.
Gelungene Dressurpremiere
Vor atemberaubender Kulisse fand am Samstagabend die Flutlichtkür statt. Dabei wurde vor vollen Zuschauerrängen der Dressursport gefeiert und es zeigten sich so einige Gänsehautmomente. Einer bildete die Kür von Isabell Werth und dem erst zehnjährigen Weihegold-Enkel Viva Gold OLD, die sich in überlegener Art und Weise und mit zehn Prozent Abstand zum Zweitplatzierten Moritz Treffinger mit seinem sympathischen Cadeau Noir (76,6 Prozent) den Sieg sicherten. Viva Gold hat bei seiner Kür erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt, welches Potenzial in dem Oldenburger Hengst steckt. Gemeinsam mit Isabell Werth präsentierte der Enkel der legendären Weihegold eine anspruchsvolle Kür zu den bekannten Songs des US-amerikanischen Musikers Neil Diamond und wurde dafür vom Publikum Standing Ovations gefeiert. Den emotionalen Schlusspunkt setzte das Paar mit einer ausdrucksstarken Schlusslinie. Piaffen und Passagen führten hin zum finalen Gruß, während im Hintergrund „Sweet Caroline“ erklang. Das Wiener Publikum sang und klatschte begeistert mit. Dabei hatte die Kür einiges zu bieten. Die anspruchsvolle Choreografie verlangte dem jungen Hengst einiges ab, doch Viva Gold meisterte die Aufgabe mit bemerkenswerter Sicherheit. Ein kurzer Moment der Irritation im Galopp bei A sowie ein kleines Zögern vor einer Pirouette blieben die wenigen Ausnahmen. Entscheidend: Der Hengst fand unmittelbar wieder in seine Aufgabe zurück. Besonders seine Versammlungsfähigkeit zählt zu den großen Stärken des Oldenburgers. In Piaffe und Passage zeigte Viva Gold viel Ausdruck, Kraft und aktives Abfußen. Auch die Übergänge gelangen überzeugend. Noch ist die Entwicklung allerdings nicht abgeschlossen. In den Trabverstärkungen könnte Viva Gold künftig noch mehr Raum gewinnen und seine Bewegungen noch freier durch den Körper schwingen lassen. Auch bei den Serienwechseln blieb das Paar zwar fehlerfrei, doch mit zunehmender Kraft und Routine dürfte dort ebenfalls noch mehr Leichtigkeit und Großzügigkeit entstehen. Rang drei sicherte sich Katharina Hemmer mit Special Gold (76 Prozent).
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