Polizistin in einer eigenen Liga
Was für ein Wochenende für Valerie del Rio Pfeffer – fast besser als die Polizei erlaubt! Und Frieder Dietterle hat es bei den Amateur-Landesmeisterschaften in Zeiskam sensationell aufs Treppchen geschafft.
Mit einem noch nie dagewesenen Fünf-Punkte Vorsprung (von 87 auf 82 Punkte) im Sattel des zehnjährigen Oldenburgers Braveheart holte sich die 34-jährige Polizistin aus Weinheim nach zwei Wertungsprüfungen die Goldmedaille der Deutschen Amateurmeisterschaft der Dressurreiter. Die Titelkämpfe wurden erstmals beim Reiterverein in Zeiskam vor der baden-württembergischen Haustür ausgetragen.
Es war ein Start-Ziel-Sieg. Mehr noch: Mit den beiden Siegen, die zur überlegenen Meisterschaft führten, erfüllte Valerie del Rio Pfeffer auch alle Kriterien für das Goldene Reitabzeichen. Die erforderlichen Zwei-Sterne-Siege hatte sie schon im Frühjahr in der iWest-Tour verbucht. Sie strebt eine Verleihung noch in diesem Jahr an. Bekanntlich steht sie in dieser Serie auch in diesem Jahr wieder im Finale.
Beständig setzte sich in Zeiskam auch die 27-jährige Wirtschaftsinformatikerin Josephine Lechner aus Donzdorf auf ihrer bereits 18-jährigen Bayern-Stute Ladylike in Szene, ein Beispiel an Losgelassenheit und feinem Reiten. Nach beiden Wertungsprüfungen hielt sie Rang fünf des ersten Tages auch im Endklassement. Bittere Wermutstropfen: Wegen einiger (gerade für einen lupenreinen Amateur!) sehr erfreulicher Erfolge in Drei-Sterne-Prüfungen wird Josephine Lechner im nächsten Jahr als „Profi“ eingestuft. Um es klar zu sagen: Diese Regelung ist ebenso unlogisch wie ungerecht und gehört so schnell es geht wieder abgeschafft. Wer sie erfunden hat, müsste sein Leben lang zur Strafe gegen Profis reiten, auch wenn er mit Reiten gar kein Geld verdient. Um es noch klarer zu sagen: Mit solchen unsinnigen Paragrafen verjagt man Amateure aus dem Sport.
Bronze für Frieder Dietterle
Zeiskam wurde am Sonntag zum besonderen Platz für den baden-württembergischen Amateur-Landesmeister Frieder Dietterle. Für den 55-jährigen Reitstallbesitzer aus Herrenberg, der seit Jahr und Tag aber für Gültstein startet, ist die Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften im Sattel seiner selbst ausgebildeten Hannoveraner Stute Corinna die Krönung seiner Karriere und dieses Ausnahmejahres. Er ist seit 40 Jahren im Sport, reitet auf professionellem Niveau, war aber stets lupenreiner Amateur. Von Beruf ist er selbstständiger Unternehmer in der Holzhandelsbranche. Kurios übrigens: Obwohl Dietterle schon im Sommer bei den Landesmeisterschaften sein zehntes S-Springen gewinnen konnte, ist das Goldene Reitabzeichen im Moment kein Thema.
Eigentlich stünde es ihm zu, aber seine ersten Siege in schwerer Klasse fanden sogar noch vor der Klassifizierung nach Sternen statt. Selbst ein Großer Preis von Öhringen aus dem 90er-Jahren wird heute mit nur einem Stern eingestuft. Aber sicher wird er darauf bald eine sportliche Antwort geben.
Schade für den nordbadischen Hufschmied Manuel Back, der mit seinem Schimmel El Star van’t Ameldonk vor dem Finale auf Rang fünf lag und sogar zu den Favoriten zählte. Im abschließenden Springen zeigte er Nerven, sein Zangersheide-Wallach traf zweimal eine Stange. Acht Strafpunkte, das warf ihn auf Rang zehn zurück – aber auch das ist ein toller Erfolg für den 37-jährigen Mann aus St. Leon-Rot. Marcel Braig aus Ehingen auf Cesar und der nimmermüde Baden-Badener Unternehmer Ferdinand Hurrle auf Cassan Z hielten sich gut im Mittelfeld.
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