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von Roland Kern am Samstag, 12.09.2026 um 22:47

DJM Zeiskam: Kohoutek und Hollenbach auf Goldkurs

Klara Kohoutek mit Belinda  /  © Mirka Nilkens

Die Zwischenbilanz der baden-württembergischen Nachwuchsreiter bei den deutschen Jugendmeisterschaften im pfälzischen Zeiskam fällt am Tag vor dem Finale eher gemischt aus. Das durchweg Positive: Klara Kohoutek in der Junioren-Dressur und Mary-Ann Hollenbach bei den Children im Springen ziehen als klare Favoritinnen ins Finale ein.

Zwischen beiden jungen Damen aus dem Land gibt es einige Parallelen und Gemeinsamkeiten: Zum Beispiel schoben sich beide Reiterinnen schon beim richtungsweisenden „Preis der Besten“ im Mai an die Deutsche Spitze, behaupten sich bis jetzt und festigen ihre Position diesmal bereits im Hinblick auf die nächste Saison, in der sie weiterhin in ihrer Altersklasse antreten können – beide mit internationalen Championats-Ambitionen

Mary-Ann muss „nur“ Null reiten

Und dennoch gibt es auch Unterschiede: Denn während die 16-jährige Klara Kohoutek aus Karlsruhe, Schülerin von Julia Machat, ihren großen Durchbruch schon im vergangenen Jahr schaffte, in Zeiskam sogar Titelverteidigerin und amtierende Europameisterin ist - so ist die gerade erst zwölf Jahre alt gewordene Mary-Ann Hollenbach aus Rot am See in diesem Jahr der absolute Kinder-Star der Szene, weit über das Land hinas. In Warendorf war sie aufgeschlagen wie ein Blitz aus heiterem Himmel; so unvermittelt, dass der Bundestrainer sie für die Europameisterschaften gar nicht auf dem Schirm hatte. Jetzt geht es aber gerade so weiter.

Die älteste Tochter der Hohenloher Reiterfamilie Hollenbach (mit eigenem Gestüt und Hengststation) ist vor dem Finale der „Children“ die einzige Reiterin mit einer ganz weißen Weste. Das heißt: Bleibt sie im Sattel ihrer routinierten holländischen Stute Falitha Sheila auch in den beiden Umläufen der dritten Wertung ohne Abwurf, ist ihr die Goldmedaille nicht mehr zu nehmen. Es wäre eine Meisterschaft so souverän, wie man sie selten sieht.

Die „Children“ stellen aus baden-württembergischer Sicht in Zeiskam die stärkste Altersklasse im Parcours. Neben der Favoritin aus Rot am See konnte Co-Landestrainer Uli Collee zwei weitere junge Damen ins Finale führen: Lea Schneider aus Jagstzell, die mit Safira Gold noch eine kleine Medaillenchance hat. Sie liegt auf Rang 14. Bellaluna Resnick hat es mit ihrer Oldenburger Stute Big Centaire noch auf Rang 22 ins Finale geschafft.

Mary-Ann Hollenbach ist bei den Children unschlagbar  /  © privat

Jana Roth muss Nerven bewahren

Auch Pony-Landestrainer Wolfgang Arnold kann mit dem Abschneiden seiner Schützlinge zufrieden sein. Vor allem Jana Roth aus Fronhofen überzeugte mit einem dritten Platz in der zweiten Wertung auf ihrer Stute Bumble Bruni – als neunte ist sie nun weniger als einen Abwurf von den Führenden entfernt. Da ist also noch was drin, wenn die junge Dame aus Oberschwaben wie gewohnt gute Nerven zeigt. Hier haben es außerdem Mary-Ann Hollenbach mit ihrem Pony Dimerdor Merveilles und Pony-Masterin Luisa Roth aus Waldenbuch mit Baileys verdientermaßen ins Finale geschafft. Alle drei junge Damen sind ja auch schon mit großen Perspektiven und starkem Management bei den Großpferden unterwegs.

Bei den Junioren und den Jungen Reitern sah man indessen enttäuschte Gesichter. Bei den Jungen Reitern war für Sebastion Honold nichts zu holen, er war schon nach der ersten Wertung abgereist. Bei den Junioren hatte es nach der ersten Wertung noch für Maxime Füß aus Öpfingen auf ihrem Finley und Maxi Fimpel aus Kißlegg mit ihrer Holsteiner Stute Quiwi gut ausgesehen. In der zweiten Wertung, die erwartungsgemäß sehr hohe Anforderungen stellte, mussten sie zwei und drei Abwürfe hinnehmen und fielen auf die Plätze 37 und 38 zurück. Meister in dieser bereits abgeschlossenen Wertung wurde Malte Merschformann auf Blue Water vor Brianne Beerbaum mit Zenzero und Annabell Plock mit Joana.

Auch Jana Roth hat bei den Ponys noch Medaillenchencen  /  © D. Matthaes

Klaras klarer „Gold-Kurs“

Nach ihrem zweiten 75-Prozent-Ritt am zweiten Tag der Dressurjunioren liegt Klara Kohoutek nach der zweiten Wertung vor den Finale mit einem gewaltigen Vorsprung auf Gold- und damit Titelverteidigungskurs vor dem Rest des Feldes. Damit nimmt sie als Deutsche Meisterin des vergangenen Jahres, Preis der Besten-Siegerin und Europameisterin im Bundeskader nochmal eine ganz besondere Position der Überlegenheit ein, zumal sie zwei nahezu gleichwertige Pferde für diese Aufgaben im Stall hat. EM-Pferd Golden Dancer konnte in Zeiskam Pause machen, seine Stallgefährtin Belinda vertrat ihn überzeugend.

Sonst wird keine weitere Dressurjuniorin aus Baden-Württemberg im Finale vertreten sein, Landesmeisterin Clara Vetter rechtfertigte mit Platz 17 allerdings im Sattel ihrer Stute Silberasters Quaterback ihre Nominierung und hielt sich tapfer im Mittelfeld. Laura Kohoutek, die jüngere der beiden Schwestern Kohoutek, zog mit ihrer achtjährigen Stute Shakeela vor der zweiten Wertung zurück. Im nächsten Jahr wird die ehemalige Children-Europameisterin mit diesem Pferd sicher ein Wörtchen in der deutschen Spitze mitreden.

Dafür zeigte die 15-jährige Karlsruherin, dass sie bei den Ponys ebenfalls zu den großen Talenten zählt. In der zweiten Wertung belegte sie mit ihrem Pony Der Kleine Sunnyboy Rang zwei. Die Aufholjagd reichte zwar nicht mehr für einen Medaillenplatz – aber immerhin für Platz vier.  Die Medaillen teilten sich auf: Leni-Sophie Gosmann auf Diamantini, Lilly Kasselmann auf dem in Baden-Württemberg bestens bekannten Nasdaq sowie Lilli Von Helldorff auf Nabucco.

Unter den baden-württembergischen Pony-Dressurreiterinnen gab dann Stephan Köberles Schülerin und Landes-Vizemeisterin Kim-Marie Hauß auf ihrem Glücksengelchen ein gutes Bild ab und landete verdient auf Rang 14 – knapp hinter einem Finalplatz. Marie-Elise Layer aus Öhringen belegte mit Dear Darling einen Mittelfeldplatz. Lediglich Landesmeisterin Carla Müller konnte im Sattel ihrer Stute Wallstreet nicht zufrieden sein. Aber auch da geht es ja mit Großpferden schon erfolgreich weiter.

Juliane Dörr in der Platzierung – aber nicht im Finale

Erfolgreichste baden-württembergische Dressurreiterin der Jungen Reiter wurde Juliane Dörr aus Oßweil auf ihrer elfjährigen Stute Fines Black Lady. In der zweiten Wertung ritt die bescheidene junge Dame im Training bei Bärbel Eppinger sogar in die Platzierung, landete dann auf Rang 13 nur einen Platz hinter den Finalisten. Aber ein absoluter Achtungserfolg für die Landes-Vizemeisterin!

Auch das Pferdewechsel-Finale des Bundesnachwuchschampionats in Zeiskam wird diesmal ohne baden-württembergische Beteiligung ausgetragen, nachdem Andrea Vetters Schülerin Martha Luisa Temme diesmal mit ihrem Faymoon auf Rang fünf landete. Auch hier zeigt Baden-Württemberg durchaus Perspektive: Mit Sabine Klenks Schülerin Matilda Buchbach auf der Württemberger Stute Feine Maus aus der Zucht von Edgar Wörner auf Rang zehn und Nela Marie Broglin vom Eppinger Birkenhof auf Rang 15 konnten sich zwei weitere Nachwuchshoffnungen durchaus sehenlassen.

Roland Kern (Redaktion)

Der Ruhepol der Redaktion, der im Notfall immer noch eine Lösung parat hat. Die Stimme (The Voice) von Reiterjournal-TV, hat selbst Pferde bis zur Klasse S ausgebildet und kennt keinen Feierabend.

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