Warendorf: Schockverliebt zum Sonderehrenpreis im Finale der fünfjährigen Dressurpferde
Das Finale der fünfjährigen Dressurpferde überzeugte natürlich, wie zu erwarten, mit hohem Niveau, aber auch einfach gutem Reiten. Aus süddeutscher Sicht standen gleich drei DSP-Württemberger im Finale sowie ein bayerischer Ausbilder.
„Mein Vater hatte im Stall von Rosis Mutter Pferde behandelt und Rosi zufällig angeschaut. Er war schockverliebt“, erläuterte Lotta Beckmanns, Besitzerin von Baila van der Rosi, und fügt gemeinsam mit Sophie Jamar und ihrer Mutter hinzu: „Wir sind es jetzt alle!“. Die Rede ist von der DSP-Württembergerin Baila van der Rosi (v. Bon Courage-Rock Forever, Z.: Claudia Wolpert), die unter dem Sattel von Sophie Jamar in der Finalqualifikation der fünfjährigen Dressurpferde zum Sieg in der zweiten Abteilung getanzt war. „Sie ist einfach toll. Ihre Durchlässigkeit von Natur aus ist traumhaft, sie ist super fein und leicht zu reiten“, erläutert Sophie Jamar. Und genau das kam auch im Finale rüber. Die Stute zeigt sich toll an den Hilfen ihrer Reiterin stehend, aufmerksam und mit genügend Go. So gab es sowohl für den Trab als auch den Schritt die 8,5. Für den gut ausbalancierten und gut ins Bergauf gesprungenen Galopp gab es die 8,7. Hinzu kam für die Durchlässigkeit erneut eine 8,5 sowie für den Gesamteindruck eine 8,7, woraus eine Endnote von 8,58 resultierte. Unterm Strich stand ein klares Fazit: Das war einfach feines Reiten von einer eleganten Stute. Das sahen die Richter auch so und so gab es für Sophie Jamar und die sympathische Baila van der Rosi den BMLEH-Tierschutzpreis. Auch in diesem Jahr wurde beim "Finale" wieder der BMLEH-Tierschutzpreis, ein Sonderehrenpreis für besonders pferdegerechtes Reiten des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat vergeben. Dieser zeichnet Reiterinnen und Reiter aus, die über die gesamte Prüfungszeit einen besonders pferdefreundlichen Umgang mit ihrem Pferd zeigten. Eine tolle Auszeichnung!
Hinter Jamar und „Rosi“ ging es „baden-württembergisch“ weiter. Uwe Schwanz und sein DSP-Württemberger Datejust (v. Dream Boy-Fürstenball, Z.: Pferdezucht Steidl) sicherten sich mit einer souveränen Runde mit viel Bewegungsdynamik und Gleichmaß im Trab und Galopp Platz zehn (8,42). Insgesamt hätte der Hengst hier und da noch mehr an die Hand über den Rücken ziehen dürfen. Insgesamt ist aber einfach die Lockerheit, die die beiden ausstrahlen, beeindruckend oder wie es Uwe Schwanz selbst beschreibt: „Ich hatte, glaube ich, noch nie ein Pferd, das gefühlt alles von Natur aus kann. Von Natur aus perfekt, ein vom Charakter her einfaches Pferd.“ Uwe Schwanz hat Datejust bei den DSP-Hengsttagen in München-Riem entdeckt. „Bei der Vorauswahl fanden wir ihn schon sehr auffällig. Tolles Hinterbein, immer sofort perfekten Schrittablauf, immer top geregelt – wir waren begeistert“, beschreibt Uwe Schwanz und fügt hinzu: „Man probiert etwas Neues und er macht es einfach. Schöner und bequemer kann Reiten meiner Meinung nach nicht sein. Es ist fast schon Reiten ohne Schwitzen.“ Direkt hinter dem Erfolgsduo folgte der nächste DSP-Württemberger, Total Love FBW (v. Total Hope-Licotus, Z.: Theo Binder) unter dem Sattel von Beatrice Hoffrogge (8,36). Und dabei gibt es einen bemerkenswerten Fakt am Rande. Denn auch Beatrice Hoffrogge hat Total Love FBW bei den DSP-Hengsttagen entdeckt. „Ich bin in Frankfurt über den Gang gelaufen und habe dort tatsächlich den Trailer von den damaligen DSP-Hengsttagen gesehen und in dem Moment trabte er da gerade vorbei. Dann habe ich gesehen, dass es ein Total Hope Nachkomme ist. Den Hengst mag ich total gern und ich wollte schon immer einen Nachkommen von ihm haben. Dann sind wir zur Körung gefahren, haben ihn uns angeguckt und mit dem Züchter Theo Binder gesprochen. Wir wollten ihn unbedingt haben“, beschreibt Beatrice Hoffrogge und dann kam es, wie es kommen sollte. Der Hengst stand nur wenige Wochen später in ihrem Stall. „Er ist unheimlich intelligent, lieb und arbeitswillig. Allein diese Eigenschaften machen jeden Tag unglaublich Freude mit ihm. Er hat einen großen Kampfgeist und kann auch mal ein knackiges Bürschchen sein. Er ist aber immer total fair und so fühlt man sich immer sehr sicher auf ihm. Das Schöne: Er hat immer viel Saft und das eben in die richtige Bahn zu lenken, ist vielleicht hier und da im Jungpferdebereich eine Challenge“, erläutert Beatrice Hoffrogge. Auch dieser Hengst begeisterte mit viel Bewegungsdynamik und lässt sein Talent für die Große Tour schon jetzt durchblitzen.
Das Podest der fünfjährigen Dressurpferde
Neuer Tag, neues Glück – oder auch: Finalprüfungen haben ihre eigenen Gesetze und bei Deutschlands besten Dressurpferden entscheidet am Ende dann auch die Tagesform und im wahrsten Sinne des Wortes Nuancen. „Das war eine Vorstellung, die sicherlich noch häufig in Schulungen vorkommen wird. Sie verbindet ziemlich das, was wir hier sehen wollen – Reitausbildung, Harmonie, Vertrauen und Mentalität“, begann Nicole Nockemann ihren Kommentar und brachte dabei die Siegerrunde der neuen Bundeschampionesse Viva Weltina (v. Viva Gold-Dante Weltino, Z.: Marietta Kappelhoff-Dorenkamp) unter dem Sattel von Carola Koppelmann treffend auf den Punkt.
Bereits die Trabtour gab einen Vorgeschmack auf das, was sich durch die ganze Vorstellung von Viva Weltina und Carola Koppelmann zog: Natürlichkeit mit sportlichem Engagement. Sicherlich gibt es Pferde mit noch gewaltigerer Bewegungsmechanik, aber das Gleichmaß und die Taktsicherheit, gepaart mit einer ganz sicher getragenen Hinterhand, muss man der Viva Gold-Tochter erst einmal „nachmachen“. Die beiden zelebrierten die Trabtour und damit verbunden die verschiedenen Tempi regelrecht, so griffen die Richter hier mit einer 9,6 das erste Mal tief in die Notenkiste. Der Schritt präsentierte sich von Anfang bis Ende super an die Hand dehnend bei klarem Takt. Für noch höhere Noten, wie eine 8,6, hätte sich ein noch besserer Vor- und Übertritt zeigen müssen. Im Galopp setzte sich dann die hohe Bereitschaft zur Lastaufnahme fort. Viva Weltina verfügt über einen „praktischen“ Galopp, der sich auch in den Außengalopp-Reprisen bereits gut ausbalanciert und insgesamt gut geradegerichtet präsentierte (9,3). Ein absolutes Highlight, man hat es sicherlich schon bemerkt, bildete aber die Durchlässigkeit und die altersgemäße Bereitschaft, die Lektionen der Klasse auszuführen. Viva Weltina war die gesamte Prüfung immer bei ihrer Reiterin, hörte zu und präsentierte sich super ausbalanciert mit einem vorbildlichen Seitenbild, ja, eine Durchlässigkeit, die eben keine Wünsche offen ließ, oder wie es Nicole Nockemann zusammenfasste: „Das war Reitkultur auf allerhöchstem Niveau. Die alten Reitmeister haben es schon treffend formuliert, wenn’s gut aussieht, ist es meistens auch gut.“ So war das bei Viva Weltina und Carola Koppelmann. Der Lohn: Die Traumnote 9,7 in der Durchlässigkeit sowie eine 9,5 im Gesamteindruck. Daraus resultierte eine Endnote von 9,34, was am Ende den Titel bedeutete.
Fast schon bitter wurde es für den Sieger der Finalqualifikation, Benjamin Franklin. Der Hengst (v. Bon Vivaldi NRW-Royal Blend) aus der Zucht von Wilhelm Kamps und unter dem Sattel von Janina Tietze hätte den Titel im Bundeschampionat der fünfjährigen Dressurpferde wahrlich auch verdient und in den Noten für die Grundgangarten lag er auch vor der späteren Bundeschampionesse Viva Weltina. Doch nun kommt das kleine „Aber“ oder eher zwei Schönheitsfehler, die anfangs angesprochenen Nuancen, die schlussendlich über den Titel entschieden. So schlichen sich heute bei Benjamin Franklin und Janina Tietze im Rechts-Außengalopp ein kurzer Balanceverlust mit einem gleichzeitig gesprungenen Galoppsprung sowie ein nicht ganz gleichmäßiger einfacher Galoppwechsel ein. Zwei Kleinigkeiten, die bei einem fünfjährigen Dressurpferd auch einfach passieren können. Doch diese machten in der Note für die Durchlässigkeit kleine Abstriche und führten hier zu einer 8,8. Demgegenüber standen einfach überdurchschnittliche Grundgangarten. Für die unglaublich ausdrucksstarke Trabtour mit toll herausgearbeiteten Tempi gab es die 9,7. Für den Schritt, der sich klar geregelt und gut durch den Körper schreitend präsentierte, gab es die 8,8. Ein Highlight bildete aber der super energisch ins Bergauf gesprungene Galopp mit tollem Bodengewinn in den Verstärkungen, was mit einer 9,6 bewertet wurde. Hinzu kam eine 9,5 im Gesamteindruck, woraus eine Endnote von 9,28 resultierte. Damit wurde Benjamin Franklin der bejubelte Vizebundeschampion der fünfjährigen Dressurpferde. Auf Rang drei folgte Westfalen, genauer gesagt die Französin Justine Ludot mit dem bildhübschen, lackschwarzen Hengst Le Noir (v. Life Time-Desperados, Z.: Antonius Richter). Als erstes Starterpaar setzten sie mit einer Endnote von 8,86 eine erste Messlatte. Die Vorstellung der beiden war von Elastizität und Leichtfüßigkeit geprägt.
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