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von Mona-Sophie Wieland am Montag, 17.08.2026 um 08:18

Wort zum Montag: Aachen und die Kraft des Reitsports

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Heute ist in Aachen aus sportlicher Sicht Pausentag. Und vielleicht ist das ganz gut so. Denn nach dieser ersten WM-Woche braucht nicht nur der eine oder andere Reiter einen Moment zum Durchatmen. Auch als Zuschauer und Berichterstatter muss man das Erlebte erst einmal „sacken“ lassen. Ich durfte in den vergangenen Tagen selbst vor Ort sein. Und je länger diese Weltmeisterschaft dauert, desto mehr drängt sich ein Gedanke auf: Aachen erlebt gerade sein eigenes kleines Sommermärchen. Natürlich ist Aachen nicht Berlin 2006 und Pferdesport kein Fußball. Aber dieses Gefühl, das sich über die vergangenen Tage gelegt hat, erinnert durchaus daran: Menschen kommen zusammen, fiebern gemeinsam, feiern gemeinsam. 45.000 Zuschauer bei der Grand Prix Kür unter Flutlicht. Ein ausverkauftes Stadion beim Voltigieren mit einer Stimmung, die selbst die Aktiven als außergewöhnlich beschrieben haben. Beim Geländetag zeitweise Einlassstopp. Und Vielseitigkeitsreiter, die nach ihren Ritten sagten, eine solche Atmosphäre hätten sie noch nie erlebt. Das sind keine Zahlen, die in einer Ergebnisliste auftauchen. Aber vielleicht sind es genau diese Bilder, die wir uns viel öfter bewusst machen sollten. Denn die Diskussion um die Zukunft des Reitsports sitzt nach wie vor im Nacken aller Reiter, gar beherrscht teilweise die Frage: Welche Bedeutung hat der Reitsport in unserer Gesellschaft – und warum braucht es ihn?

Aachen liefert darauf gerade eine ziemlich eindrucksvolle Antwort. Menschen begeistern sich für Pferde. Sie nehmen sich Zeit für diesen Sport, reisen nach Aachen, füllen Stadien, stehen an der Geländestrecke und fiebern mit. Sie lassen sich berühren von außergewöhnlichen Pferden und den Menschen, die mit ihnen gemeinsam Leistungen vollbringen, die uns staunen lassen. Und Aachen hat in dieser ersten Woche dafür gleich mehrere Geschichten geschrieben. Unser „Gold-Michi“ Michael Jung wurde zum zweiten Mal in seiner Karriere Weltmeister mit seinem inzwischen 18-jährigen fischerChipmunk FRH, mit dem er 2024 bereits Olympiasieger wurde. Eine Partnerschaft, die längst Reitsportgeschichte geschrieben hat und in Aachen ein weiteres Kapitel bekommen hat. Aus süddeutscher Sicht sorgt zudem Alice Layher für eine ganz besondere Geschichte. Gerade einmal 24 Jahre alt, krönte sie sich in Aachen mit FBW Candy und Longenführer Daniel Zembrot zur Doppelweltmeisterin im Voltigieren. Und das sind nur zwei von unzähligen, beeindruckenden Geschichten.

Natürlich müssen wir uns kritischen Fragen stellen. Natürlich müssen wir den Sport weiterentwickeln und das Wohl unserer Pferde kompromisslos in den Mittelpunkt stellen. Wer eine Zukunft für den Reitsport will, darf diese Diskussion nicht scheuen. Aber wir sollten bei aller berechtigten Kritik genauso selbstbewusst darüber sprechen, was diesen Sport wertvoll macht. Es sind die Pferde. Ihre Persönlichkeit, ihre Bereitschaft, gemeinsam mit dem Menschen Leistung zu bringen. Und es sind die Geschichten dahinter: Jahre voller Training, Rückschläge, Zweifel, kleine Fortschritte und schließlich diese wenigen Minuten, in denen plötzlich alles aufgeht. Aachen hat davon in der ersten Woche unzählige erzählt. Nicht nur von Weltmeistern und Medaillengewinnern, sondern auch von denen, bei denen nicht alles funktioniert hat. Vielleicht ist genau das eine der schönsten Botschaften dieser WM: Manchmal ist weitermachen die eigentliche Leistung. Denn wer kennt diese Momente nicht? Das Pferd läuft nicht so, wie man es sich vorgestellt hat. Eine Prüfung geht daneben. Man zweifelt an sich selbst und steigt trotzdem am nächsten Tag wieder in den Sattel.Eine Weltmeisterschaft zeigt uns die absolute Spitze unseres Sports. Aber sie kann uns gleichzeitig daran erinnern, warum wir selbst morgens zum Stall fahren.

Nach dieser ersten Woche bleibt bei mir deshalb vor allem Dankbarkeit, dass ich diese besonderen Momente in Aachen vor Ort erleben durfte. Und die Überzeugung, dass wir gerade eine Weltmeisterschaft erleben, die dem Reitsport unglaublich gut tut. Aachen hat in den vergangenen Tagen nicht nur Weltmeister gekürt. Aachen hat gezeigt, wie viel Begeisterung in unserem Sport steckt. Und die WM ist noch lange nicht vorbei. In den kommenden Tagen warten weitere große Entscheidungen, unter anderem im Springen mit „unserem“ Richie. Und wenn die erste Woche ein Vorgeschmack war, dann dürfen wir uns wohl auf noch einige Gänsehautmomente freuen.

Mona-Sophie Wieland (Redaktionsleitung)

Absolventin des Master-Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement, unsere Expertin für online und Social Media. Ihr Herz schlägt für Ausbildungs- und Turniersportthemen. Selbst bis zur Klasse S erfolgreich. Seit 2023 agiert sie als Redaktionsleitung.

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