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von Mona-Sophie Wieland am Mittwoch, 12.08.2026 um 18:13

WM Aachen: Die deutschen Dressurreiter sind Weltmeister

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Es lag schon nach dem ersten Tag in der Luft, aber zunächst mussten die beiden Damen des deutschen Teams, Isabell Werth und Katharina Hemmer, liefern, und das taten sie. Ein Personal Best und ein Ergebnis nahe der magischen 80-Prozentmarke besiegelten es: Katharina Hemmer, Isabell Werth, Frederic Wandres und Raphael Netz sind Mannschaftsweltmeister.

Katha "hemmert" Personal Best raus

Katharina Hemmer überzeugte im Mannschafts-Grand Prix mit Denoix und einem Personal Best.  /  © Lafrentz

Der zweite Tag der Dressur-Mannschaftsentscheidung war gespickt mit lauter Gänsehautmomenten. Einer davon war ganz klar die Runde von Katharina Hemmer und ihrem jetzt 14-jährigen Denoix. Den ersten Gänsehautmoment sah man schon beim Einreiten. Beim Eintritt ins Stadion zeigte sich der Destano-Nachkomme von der Atmosphäre und dem begeisterten Jubel des Publikums beeindruckt. Doch Katharina Hemmer behielt die Nerven, klopfte ihn an den Hals und vermittelte ihm, wie in der gesamten Prüfung, mit wahnsinnig viel Gefühl die notwendige Ruhe und Sicherheit. Und dann ging es los. Eine dynamische Trabverstärkung, weit kreuzende Trabtraversalen bei einer tollen Anlehnung, übrigens wie die gesamte Prüfung. Es folgten federnde Passagen, fließende Übergänge und in ihrer Taktsicherheit einem Metronom gleichende Piaffen. Der Trend lag verdient bei mehr als 80 Prozent. Im Schritt behielt der Wallach zwar seine Nerven, hätte aber im starken Schritt zu einem noch besseren Schreiten kommen dürfen. Im Galopp folgten weitere Highlights, wie energisch nach vorne gesprungene Einer- und Zweierwechsel sowie gut zentrierte Galopppirouetten, wobei sich hier in der Ausleitung für noch höhere Noten der Durchsprung noch besser hätte präsentieren dürfen. Das war aber Meckern auf äußerst hohem Niveau. Zum Abschluss gab es noch einmal eine Mittellinie zum „Niederknien“ oder wie es Katharina Hemmer selbst beschrieb: „Nach der letzten Piaffe habe ich gedacht, was für ein Pferd. Mir kamen die Tränen.“ Am Ende durfte sich die Bereiterin von Hubertus Schmidt mit 79,2 Prozent über eine neue persönliche Bestleistung freuen. Und, wenn man ehrlich ist, war das für die Runde fast noch zu wenig.

Der bekannte Fehlerteufel

Fast schon traditionell musste Dressurqueen Isabell Werth mit Wendy de Fontaine „ran“. Ihre Aufgabe: mindestens 76 Prozent für Mannschaftsgold. Eine machbare Aufgabe. Im Trab begannen die beiden stark, wobei einmal mehr die sehr gleichmäßig und kraftvoll abfußenden Piaffen und Passagen hervorzuheben sind. Wenn man meckern wollte, konnte man schon im Trab sagen, dass sich die zwölfjährige Stute bereits im Trab im Genick nicht ganz nachgiebig präsentierte. Diese Nachgiebigkeit zeigte sich auch in den Serienwechseln, wodurch in den Einerwechseln nach einem Abschnauben eine kleine, aber teure Unterbrechung resultierte. Darüber hinaus verloren die beiden im versammelten Schritt, der sich mit zu wenig Fleiß präsentierte, wertvolle Punkte. Aber nun Ende mit dem „Meckern“: Highlights bildeten einmal mehr die Galopppirouetten und vor allem die letzte Mittellinie mit traumhaften Passagen und einer vorbildlichen Piaffe. Unterm Strich „kratzten“ die beiden mit 79,8 Prozent an der magischen 80-Prozentmarke. Damit war es amtlich: Isabell Werth, Katharina Hemmer, Raphael Netz und Frederic Wandres sind Mannschaftsweltmeister, wobei auch das (noch nicht zählende) Ranking der Einzelwertung hervorzuheben ist. Isabell Werth und Katharina Hemmer landen auf den Plätzen vier und fünf. Wandres und Netz folgen auf den Plätzen neun und 13. Das weckt schon jetzt die Vorfreude auf die Einzelentscheidungen. Für das deutsche Team ist es das 13. WM-Gold. Für Isabell Werth ist es die zehnte Mannschaftsgoldmedaille. 

Silber und Bronze

Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle lieferten im Grand Prix das beste Ergebnis.  /  © Lafrentz

Hinter dem völlig souveränen deutschen Team zeigte sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Großbritannien und den Titelverteidigern, dem dänischen Team. In diesem Jahr musste Dänemark den Briten den Vorrang lassen. Carl Hester und Charlotte Fry besiegelten am Finaltag die Silbermedaille, wobei Carl Hester bei seinem „Championats-Abschlussauftritt“ im Sattel von Fame noch einmal voll „auftrumpfte“. Vollkommene Präzision und die lehrbuchhaften Galopppirouetten führten zu einem Ergebnis von 77,3 Prozent. Auch die noch amtierende Weltmeisterin Charlotte Fry präsentierte sich mit ihrem Glamourdale in Topform. Nach einem kurzen Zittermoment in der ersten Piaffe, wo der Hengst bei der Einleitung einmal „nachfragte“, zeigte sich eine technisch sehr sichere Runde, die mit 80,3 Prozent belohnt wurde. Das bedeutete in der Einzelwertung Rang drei. Die Führung in der Einzelwertung übernimmt Cathrine Laudrup-Dufour. Auch wenn das Einzelranking in der Mannschaftsentscheidung noch zu keiner Medaille führt, setzt es eine erste „Duftmarke“. Und hier machte die Dänin eine ganz klare Ansage: Sie möchte in dieser Woche ihre Erfolgskarriere mit Mount St. John Freestyle vergolden. Die beiden zeigten von Grußaufstellung zu Grußaufstellung in puncto Harmonie und Losgelassenheit einen lehrbuchhaften Auftritt, der auch mit großer technischer Sicherheit überzeugte. So gelangen die oftmals als „Wackellektion“ der beiden bezeichneten Serienwechsel fehlerfrei. Unterm Strich führten sie mit 82,3 Prozent das Feld überlegen an und sicherten sich mit dem dänischen Team Bronze. Übrigens haben wir den Züchter von Mount St. John Freestyle, Stephan Kurz, vor wenigen Wochen besucht. Die komplette Homestory finden Sie hier. Im Team Dänemark wusste auch Daniel Bachmann Andersen mit seinem Nachwuchspferd Flash Gordon zu überzeugen. Ein Paar mit viel Potenzial, das sich heute mit 74,8 Prozent auf Rang zehn einreihte.

Europameister noch nicht mit Top-Runde

Und was ist mit dem Europameister? Justin Verboomen und Zonik Plus lieferten im Grand Prix noch nicht ihre beste Runde. Insgesamt zeigte sich der zehnjährige Hengst heute noch nicht ganz losgelassen durch den Körper sowie über den Rücken arbeitend. Hinzu kamen teure Fehler in den Einerwechseln, was ihn auf Rang zwei „zurückfallen“ ließ (80,2 Prozent). Die Einzelentscheidung, welche am Freitag ab 10.50 Uhr im Grand Prix Special fällt, wird äußerst spannend werden. Und am Ende muss noch eins gesagt werden: Deutschland kann wohl besser reiten als Fußball spielen!

Mona-Sophie Wieland (Redaktionsleitung)

Absolventin des Master-Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement, unsere Expertin für online und Social Media. Ihr Herz schlägt für Ausbildungs- und Turniersportthemen. Selbst bis zur Klasse S erfolgreich. Seit 2023 agiert sie als Redaktionsleitung.

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