Verden: Drei prämierte Abschlussarbeiten von Absolventinnen der HfWU Nürtingen
Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd (GWP) veranstaltete die Preisverleihung für herausragende Abschlussarbeiten zum Thema Pferd erstmals im Deutschen Pferdemuseum (DPM) in Verden. Dabei wurden gleich drei Bachelorarbeiten prämiert, die allesamt an der Hochschule Nürtingen-Geislingen geschrieben worden waren:
Davinia Hoyle untersuchte die „Abfohlrate beim Schwarzwälder Kaltblut“ und identifizierte als potenzielle Einflussfaktoren das Alter von Hengsten und Stuten, den Bedeckungsmonat, die Hengstlinie und die Anzahl gedeckter Stuten pro Hengst.
Leonie Merkle analysierte „Einflussfaktoren auf die Verbreitung des West-Nil-Virus in der deutschen Pferdepopulation“. Sie stellte fest, dass insbesondere hohe Temperaturen die Virusverbreitung fördern. Einen Zusammenhang mit der Transportbewegung von Pferden z.B. zu Turnieren konnte die Autorin nicht feststellen. Der Einfluss von Zugvögeln ist komplexer und bedarf weiterer Beobachtung.
Laura Bräuninger hatte die „Rolle der Erlebnispädagogik am Beispiel des Kindertages im Haupt- und Landgestüt Marbach“ untersucht. Sie stellte fest, dass pferdegestützte Erlebnispädagogik die kindliche Entwicklung ganzheitlich fördert und forderte eine stärkere Einbindung in schulische und außerschulische Bildungskonzepte.
Insgesamt neun Abschlussarbeiten, die zuvor von der GWP-Jury als Prämienarbeiten ausgezeichnet worden waren, konkurrierten um den Sieg in den Kategorien Bachelor, Master und Dissertation. Bei den Bachelorarbeiten siegte die Arbeit „Verhaltensforschung und Vegetationsmonitoring bei Hengsten mittels Direktbeobachtung und Remote Sensing“, welche die aus Freiburg stammende Raphaela Kusch an der Berner Fachhochschule geschrieben hatte. Sie untersuchte dieMöglichkeit, adulte Hengste unter bestimmten Rahmenbedingungen in Gruppen zu halten.
Zwei Masterarbeiten wurden vorgestellt. Der Sieg ging an Merle Seferit von der Hochschule Osnabrück. Dabei ging es um „Unterschiede der Rohnährstoffe von frischem Weidegras von Grünlandstandorten für Pferde mit unterschiedlicher botanischer Ausprägung“. Sie zeigte, dass „Gras nicht gleich Gras ist" und es unterschiedliche Sorten und Mischungen gibt, deren Nährstoffgehalte für Pferde bisher wenig erforscht waren. Die zweite Prämienarbeit in der Kategorie Masterarbeiten stellte Lia Maria Naumann vor. Ihre Arbeit mit dem Titel „Zusammenhang zwischen Zügelkraft und Pferdeverhalten bei gerittenen Pferden in Schritt, Trab und Galopp“ hatte sie an der Universität Rostock geschrieben. In einer Untersuchung belegte sie, dass der Reiter einen signifikanten Einfluss auf die Zügelkräfte hat und Kraftspitzen im Maul wahrscheinlich als unangenehm empfunden werden.
Vorsicht bei chirurgischer Behandlung von Kissing Spines
Die Königsklasse bei der Preisverleihung bilden die Dissertationen. Drei komplexe Arbeiten wurden vorgestellt, von denen als beste Arbeit die von Natalie Baudisch mit dem Titel „Biomechanik der thorakolumbalen Wirbelsäule des Pferdes und Einfluss chirurgischer Eingriffe im Bereich der Dornfortsätze“ herausgestellt wurde. Geschrieben wurde sie an der Freien Universität Berlin. In einer aufwändigen biomechanischen Studie an 23 Brust-und Lendenwirbelsäulen wurde unter anderem die Rotationsbeweglichkeit der Brustwirbelsäule untersucht. In einem zweiten Teil der Arbeit wurde festgestellt, dass eine chirurgische Behandlung der Engstände von Dornfortsätzen eine Beschädigung der Muskulatur verursachen kann.
Eine weitere veterinärmedizinische Dissertation hatte Muriel Volkmann an der Tierärztlichen Hochschule Hannover geschrieben. Ihr Thema: „Gesundheitsdatenbank für Pferde in Deutschland – Umfrage zur Etablierung und Nutzungsmöglichkeiten am Beispiel der Köruntersuchungen von Reitpferdehengsten“. Eine Online-Umfrage unter deutschen Pferdetierärzt*innen zeigte eine deutliche Mehrheit für eine zentrale Datenbank, sofern Datensicherheit, Benutzerfreundlichkeit und objektive Datenerhebung gewährleistet sind. Eine Auswertung der Röntgenbefunde von 1678 Hengsten zeigte zudem unter anderem, dass die Befundhäufigkeiten signifikant durch die untersuchende Person beeinflusst werden.
Eine wertvolle Arbeit aus dem Bereich Zucht, die an der Georg-August-Universität Göttingen geschrieben wurde, präsentierte Paula Reich. Der Titel: „Anwendung importierter Sequenzlevel-Genotypen in genomischen Analysen beim deutschen Warmblutpferd". Die Arbeit am Beispiel des Merkmales Stockmaß ist eine wichtige Grundlage für die genomische Zuchtwertschätzung, die nicht mehr auf dem Phänotyp (dem, was man sieht), sondern auf dem Genotyp basiert. Die Genetik des Pferdes wird somit entscheidender als die äußerlich sichtbaren Merkmale.
Mehr Informationen zu den Prämienarbeiten und ihren Autorinnen gibt es auf www.pferd-forschung.de. (PM)
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