Michael Jung und fischerChipmunk auf Eurokurs mit Platz zwei
Bundestrainer Hans Melzer müsste eigentlich zufrieden sein: Mit Ingrid Klimke und Michael Jung hatte er die Plätze eins und zwei im SAP-Cup der Einzelwertung beim CHIO Aachen besetzt und zusätzlich die Mannschaftswertung mit 80,5 Punkten vor Neuseeland mit 83,1 Punkten und Großbritannien mit 87,2 Punkten gewonnen. Und trotzdem musste er mit Blick in Richtung EM in Luhmühlen feststellen, dass vor allem bei den Einzelreitern, die einen von zwölf deutschen Plätzen ergattern könnten, noch einige Baustellen offen sind. "Ich bin doch ein bisschen traurig", erklärte der Bundestrainer. "Das waren mehr Fehler als erwartet. Aachen ist zwar kein Selektionsturnier für die Euro, aber ich bin doch etwas enttäuscht."
Die Geländeprüfung - in diesem Jahr aufgrund des neuen Sterne-Systems mit vier Sternen ausgezeichnet - hatte es in sich und Hans Melzer erklärte, dass er doch ganz schön viele Zigarillos hätte rauchen müssen. Gerade in Sachen Team baute sich Druck auf, als die erste Mannschaftsreiterin Josefa Sommer mit Hamilton bereits nach Sprung drei aufgab. Sie hatte ein Eisen verloren und der Hannoveraner Wallach v. Heraldik xx lahmte etwas. Eine andere Entscheidung hätte der Team-Neuling von Aachen nicht treffen können. Aber bitter für Zwölfte der EM in Strzegom 2017. "Wir wussten ja aber, dass drei starke Reiter nachkommen", so Hans Melzer.
Nächster Teamreiter für Deutschland war Michael Jung mit dem Hannoveraner Wallach Star Connection, der den Kurs leicht aussehen ließ und mit 5,2 Punkten für Zeitüberschreitung nicht allzu viele Punkte dazu kommen ließ. Das Paar wurde am Ende in der Einzelentscheidung Siebter - also ging es zwei Plätze hoch nach Dressur und Springen. "Er ist keine Galoppmaschine", erlärte Jung später. "Mit ihm kann man auf den Galoppstrecken keinen Boden gut machen, während Chipmunk aktuell noch an den Sprüngen etwas Zeit verliert."
Andreas Dibowski und die Hannoveraner Stute FRH Corrida v. Contendro kamen mit einer sauberen Runde und 8,8 Zeitstrafpunkten ins Ziel. Als "sehr anstrengend, aber fair gebaut" stufte der Routinier den Kurs von Rüdiger Schwarz ein, der von allen Seiten für sein cleveres Kursdesign gelobt wurde.
Und schließlich war da noch Ingrid Klimke mit ihrem SAP Hale Bob OLD, jenem Oldenburger Wallach, der vor zwei Jahren den Einzeltitel bei der EM gewann. Der Helikon xx-Sohn galoppierte frisch und auf Zug los und behielt sein Tempo bis zum Schluss bei. In Erinnerung war Klimke der Vorbeiläufer vom letzten Jahr, als "Bobby" im Turkish Airlines Complex den schmalen Einsprung verpasste. Aber diesmal gab Klimke die Linie besser vor. "Wenn er weiß, wo es lang geht, dann macht er es auch", so Klimke, die am Ende als nur eine von drei Reitern in die Zeit galoppierte und den Sieg in Aachen zum dritten Mal davon trug. Mit 24,7 Punkten beendete sie die Prüfung. "Ein Teufelsweib", freute sich Bundestrainer Hans Melzer. Und Ingrid Klimke war vor allem glücklich darüber, wie fit ihr 15-jähriger Wallach ins Ziel galoppierte. "Ich hatte den Eindruck, er stellte die Frage: Und das war es jetzt?" Für Luhmühlen ist es gut zu wissen, dass er fit ist. Er ist so schnell gerannt, wie er nur konnte - und ich konnte mir an den Stellen Zeit nehmen, wo es nötig war."
Direkter Verfolger im Nacken von Ingrid Klimke war ihr Teamkollege Michael Jung mit seinem Zweitpferd fischerChipmunk (25,5 Punkte). Mit dem Hannoveraner Wallach, der im vergangenen Jahr die Prüfung unter Julia Krajewski gewann, ließ Michael Jung nie Zweifel aufkommen - und sicherte sich spätestens jetzt seinen Team-Platz für die Euro mit ddem zweiten Platz in Aachen. Das war stark. "Er hat einfach in allen drei Disziplinen so viel Qualität", erklärte Jung. "Klar war es schwer, das Pferd erstmal auf mich einzustellen. Jeder Reiter gibt andere Signale. Aber es ist schön, zu sehen, wie schnell wir jetzt schon als Team zusammen arbeiten."
Platz drei in der Prüfung ging an den Australier Christopher Burton mit der Oldenburger Stute Quality Purdey mit 27,0 Punkten. Leidtragende des Tages war die Britin Laura Collett, die vor dem Gelände geführt hatte mit London, aber an der zuvor viel diskutierten Kombination 21 kurz vor dem Stadion einen Vorbeiläufer hatte. Sie fiel auf Rang 20 zurück. (mos)
Fotos: Stefan Lafrentz
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