Richard Vogel, Sönke Aldinger und Niklas Krieg leben ihren Traum: „Man saugt alles auf wie ein Schwamm“
Der 23-jährige Sönke Aldinger mit Kurzzeit-Wohnsitz in Eimeldingen, der 25-jährige Niklas Krieg aus Villingen-Schwenningen und der 22-jährige Richard Vogel, gebürtiger Oberschwabe und nun in Viernheim nahe der baden-württembergischen Grenze selbstständig, haben eins gemeinsam: Sie alle reiten an diesem Wochenende im U25-Springpokal. Richard Vogel konnte die Prüfung vergangenes Jahr gewinnen, Niklas Krieg ist zum zweiten Mal dabei, Sönke Aldinger ist Debütant in Aachen. Für alle ist es aber gleichermaßen ein Erlebnis, in Aachen starten zu dürfen.
Reiterjournal-Chefredakteurin Monika Schaaf traf das Trio zum Gespräch…
Vervollständigt mir doch erstmal den Satz: In Aachen zu reiten…
Richard Vogel: … ist ein Traum von ganz vielen Reitern, der uns für uns durch die Serie des U25-Springpokal wahr wird.
Niklas Krieg: …gibt es nicht jeden Tag.
Sönke Aldinger: … ist etwas Einzigartiges und mit nichts zu vergleichen.
Sönke – du bist hier zum ersten Mal am Start. Haben dir die anderen Tipps gegeben?
Nein, aber das liegt eher daran, dass ja jeder seinen eigenen Plan mit seinem Pferd hat. Da sind Tipps von außen oft gar nicht so hilfreich.
Wenn ihr zwischen euren drei Pferden wählen könntet – Marie-Luise von Sönke, Quater Past von Niklas und Lesson Peak von Richard – wen würdet ihr euch aussuchen?
Sönke: Ich glaube, jeder von uns würde das eigene Pferd wählen. Marie-Luise ist voll auf mich abgestimmt. Sie hat richtig viel Herz und ermöglicht mir unglaublich viel. Ich würde definitiv mein eigenes Pferd nehmen.
Niklas: Ja, jeder hat ja so sein Typ Pferd, das zu einem passt.
Sönke: Wobei – von gestern Abend aus dem Nationenpreis würde ich schon den ein oder anderen nehmen (grinst).
Richard: Ich sehe das wie die anderen – ich weiß, was ich an meinem Pferd habe. Und wenn ich Sönke und Marie-Luise sehe – sie sind ein ganz eingeschworenes Team Ich glaube, es gibt kaum einen Reiter, der das mit ihr besser machen würde als er.
Aber du hast bei Ludger Beerbaum im Stall schon gelernt, jeden Typ Pferd zu reiten?
Das stimmt – da wird man nicht groß verschont (lacht).
Niklas und Sönke – beneidet ihr Richard eigentlich für seine Zeit bei Ludger Beerbaum?
Sönke: Auf jeden Fall. Er hat so viel dazu gelernt – das ist enorm. Man sieht das.
Stimmt, die meisten, die von Ludger kommen, ähneln sich im Stil. Wie kommt das?
Richard: Also es ist nicht so, dass er einem Videos gibt und sagt ‚Guckt euch das jetzt so lange an bis es so ist wie bei mir‘. Aber irgendwie eigenen sich alle in gewisser Weise das System von ihm an.
Niklas, wärst du auch gerne bei Ludger Beerbaum gewesen?
Ich war ja zwei Jahre bei Dietmar Gugler. Es ist sicher für jeden gut, mal weg zu sein, was anderes zu sehen. Das schadet keinem und man kann immer was davon für sich mitnehmen.
Wer von euch hat denn das meiste Talent?
Richard: Ich glaube, jeder hat für sich ein eigenes Talent. Wir sind alle ein Stück weit unterschiedlich und es hat auch immer wieder mit dem Pferd zu tun. Ich glaube, wenn sich Niklas und ich auf Marie-Luise setzen würden, würden wir wie Anfänger aussehen. Aber deswegen sind wir nicht weniger talentiert.
Es gibt immer wieder Kritik an der Nachwuchsarbeit in Baden-Württemberg. Es heißt, es käme nicht viel nach. Jetzt sind hier drei U25-Reiter, die in Aachen am Start sind. In Aachen! Was entgegnet ihr den Kritikern?
Richard: Das Nord-Süd-Gefälle war früher viel extremer. Klar, in Westfalen habe ich auch gemerkt, dass an jeder Ecke ein Pferd steht und insgesamt mehr los ist, aber wir haben richtig gute Reiter. Sven Schlüsselburg ist ja auch noch hier.
Sönke: Ja, wenn man sieht, wie viele immer den BW-Bank-Cup in der Schleyer-Halle mitreiten, also wie viele sich da im Vorfeld auch versuchen zu qualifizieren…
Niklas: Das hat eigentlich kein anderes Bundesland so wie wir.
Wenn man auf so einem Turnier wie hier in Aachen ist – was nimmt man davon mit als junger Reiter?
Richard: Unglaublich viel. Ich gucke total gerne auf dem Abreiteplatz zu, morgens, wenn die Pferde dressurmäßig gearbeitet werden. Das saugt man alles auf wie ein Schwamm.
Niklas: Man kann hiervon nur profitieren – und nach Aachen ist man auf anderen Turnieren viel abgeklärter.
Sönke: Ich habe so viele Eindrücke sammeln können, das ist unglaublich. Es sind ja nicht nur die zwei Prüfungen, die man selbst reitet, sondern das ganze Drumherum.
Wenn ihr jetzt auf das U25-Finale morgen um 13.15 Uhr blickt – wer schneidet am besten von euch ab?
Richard: Na, wenn wir das wüssten, würden wir wohl Lotto spielen (grinst).
Niklas: Mein Pferd ist halt noch sehr grün, aber ich bin zuversichtlich. Er sprang gestern sehr gut.
Richard – du stehst als „Titelverteidiger“ doch aber unter Erwartungsdruck… Willst du den Erfolg nicht wiederholen?
Richard: Doch klar. Aber es ist eine positive Anspannung. Ludger hat an mir immer wieder kritisiert, dass ich bei so kleineren Springen manchmal zu unkonzentriert bin und dann eher einen Fehler mache. Also ich profitiere von dem Druck.
Niklas: Es ist ja immer so, dass man zum Sonntag hin konzentrierter reitet. Das baut sich gewissermaßen auf.
Sönke: Also ich will erstmal null reiten. Und wenn ich im Stechen bin, ist alles möglich. Marie-Luise ist grundschnell. Dann stehen meine Chancen ganz gut (grinst).
Fotos: Stefan Lafrentz
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