Es ist Nervenkitzel pur“ - Sven Schlüsselburg im CHIO-Gespräch
Der Ilsfelder Sven Schlüsselburg reitet diese Tage zum ersten Mal beim CHIO in Aachen. Mit Bud Spencer, seinem Spitzenpferd, hatte er im Eröffnungsspringen nur Zeitfehler, gestern im schweren Preis von Europa kam er mit einem Abwurf aus dem Parcours. Und auch Quentin Tarantino zeigte schon eine fehlerfreie Runde. Reiterjournal-Chefredakteurin Monika Schaaf hat den Aufsteiger der Saison in Aachen zum Gespräch getroffen.
Die ersten zwei Tage Soers sind rum – wie ist es?
Sven Schlüsselburg (schmunzelt): Langsam fange ich an, es zu genießen. Vor allem heute, wo ich keine Prüfung reite, weil meine Pferde eine Pause haben sollen. Es ist toll, gewaltig, einfach ein Traum.
Was beeindruckt dich denn am meisten?
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Die Zuschauer, das Stadion, die zwei Abreiteplätze – wenn man von einem zum anderen reitet – der Einritt… das Feeling, in das Stadion zu reiten, das ist Nervenkitzel pur.
Bist du gar nicht angespannt?
Ich genieße es vielmehr. Es ist ein so tolles Gefühl. Klar bist du angespannt, hochkonzentriert, man will gut reiten und dass alles gut wird… aber in erster Linie ist es richtig toll. Ich habe mit Buddy (Bud Spencer) und Quentin Tarantino zwei Pferde, denen ich vertrauen kann. Sie fighten für mich mit. Der Wille stimmt.
Wenn du sagst, dass du gut reiten willst – für wen willst du das? Für dich, für deine Familie – oder willst du der Welt zeigen, dass du gut reiten kannst?
Klar, hier gucken alles zu, aber im Grunde gibt es nur dich und das Pferd. Ich will für mich und für mein Pferd gut sein. Andererseits will man auch allen zeigen, dass man es kann.
Du bist schon in La Baule auf einem großen Rasenplatz geritten – war das hilfreich?
Absolut. Die Plätze sind sich in gewisser Weise schon ähnlich. Ich bin sehr froh, dass ich da bereits Erfahrung sammeln konnte. Aber sowas wie die Wasserkombination oder die Dreifache gestern im Preis von Europa – das waren schon ordentliche Klippen. Da muss man richtig reagieren und auch das Zepter in die Hand nehmen. Aber ich glaube, ich kann mit dem einen Fehler und den Zeitfehlern ganz zufrieden sein.
Du hast vorhin gesagt, dass ein Traum für dich mit Aachen wahr wird. Ist das Ganze denn noch unwirklich für dich oder hast du da konsequent drauf hingearbeitet?
Sowas kommt nicht aus dem Nichts – das ist schon jahrelange Arbeit. Dennoch habe ich mich in der letzten Zeit enorm gesteigert. Deswegen ist das schon erstmal unwirklich und ich muss erstmal sacken lassen, was ich beziehungsweise in erster Linie meine Pferde so geleistet haben.
Hattest du auch auf einen Platz im Team von Aachen gehofft – oder gab es diesen Gedanken nicht?
Ich bin einfach dankbar, dass ich hier sein kann. Aber ich muss auch sagen: Wenn man jetzt schon so weit gekommen ist, möchte ich auch mehr. Aber hier sollen die Besten reiten und ich will mich erstmal in meiner Form entwickeln. Ich bleibe am Boden und bin dankbar für die jetzige Situation.
Wie plötzlich kam für dich der erste Einsatz im Nationenpreis in Abu Dhabi? Hatte dich der überrascht?
Das war schon mal vorher Thema, aber dann hieß es, dass Deutschland wohl doch kein Team schickt. Und dann hat Otto Becker zwei, drei Wochen vorher auf einmal angerufen.
Hattest du da seine Nummer schon eingespeichert?
(lacht) Ehrlich gesagt: Nein.
Und bist du erschrocken?
(lacht wieder) Ja. Aber positiv erschrocken. Er fragte mich: Bist du fit? Und ich habe so aus dem inneren Instinkt ‚Ja‘ gesagt. Als ich aufgelegt hatte, dachte ich: Warum hast du eigentlich ‚Ja‘ gesagt? (lacht)
War dir denn klar, dass Bud Spencer so einen Nationenpreis auch wirklich meistern kann?
Ja. Sein Potenzial hatte man schon im letzten Jahr gesehen, als er in Forst seinen ersten Grand Prix ging, in Albführen dann sein erstes internationales Springen und bei seinem zweiten internationalen Einsatz in Donaueschingen wurde er gleich Sechster im Großen Preis. Das war eine unheimliche Entwicklung. Nach Stuttgart in der Schleyer-Halle kam dann zwei Tage später der Anruf, ob ich in München reiten möchte. Und so nahm alles seinen Lauf. Letztlich hatte das Pferd diesen Einsatz in Abu Dhabi verdient, glaube ich. Er liefert unglaubliche Konstanz und er springt einfach alles. Aber es war dann trotzdem eine krasse Nummer… zum ersten Mal fliegen, zum ersten Mal Team… Ich glaube, mit der Doppelnull hatten wir aber einen guten Einstand (grinst).
Kann man wohl sagen. Und mit La Baule hattet ihr dann euren ersten Nationenpreiseinsatz, der auch für die FEI Nationenpreisserie zählte…
Ja, der war dann technisch schon schwieriger, aber ich muss sagen, für Buddy war auch der nicht viel anders als der Nationenpreis in Abu Dhabi.
Die Planung mit Balve, Nationenpreis in Geesteren und jetzt Aachen erfolgte dann in Absprache mit dem Bundestrainer?
Ja, nach Abu Dhabi habe ich mit Otto Becker einen sehr detaillierten Plan gemacht. Ich bin unglaublich dankbar dafür, wie er das mit mir besprochen hat. Er hat mich genau gefragt, wie ich es für das Pferd richtig finde und seine eigene Erfahrung mit eingebracht. Dass ich in La Baule erstmal nur Ersatzreiter sein sollte, hat mir ein bisschen den Druck genommen… dass ich dann doch zum Einsatz kam, war aber ja umso schöner.
Und wurdest du von den Kollegen gut aufgenommen? Fühlst du dich wohl – oder wird man erstmal „abgecheckt“?
Ich kann wirklich nur sagen, dass mich alle unheimlich unterstützt haben. Ich merke, dass es Otto Becker und Heiner Engemann gut und ehrlich meinen und das macht mir die Situation komfortabel. Ich finde das ganz stark. Ich komme so nach und nach rein und das hat mir ganz viel Vertrauen gegeben. Ich will auf diesem Level jetzt besser und besser werden.
Klingt, als würde Bud Spencer bleiben. Aber wie hoch sind aktuell die Angebote?
Es gibt Angebote, aber wir haben noch andere Pferde aktuell und ein paar Standbeine und solange wir Butter und Brot auf dem Tisch stehen haben, möchte ich ihn derzeit nicht verkaufen. Ich möchte das nicht ausschließen, aber habe mir keine Zeitangabe oder Grenze gesetzt. Wir sind halt auch so zusammengewachsen und ich würde jetzt aktuell gerne einfach das Level mitreiten. Wer sagt mir, dass ich mit anderen Pferden wieder in die Situation komme? Jetzt habe ich zwei, mit denen ich dabei sein kann.
Jetzt fängt gleich der Nationenpreis an. Wer gewinnt heute Abend?
Deutschland! (lacht)
Fotos: Dirk Caremans/Stefan Lafrentz
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