Zum Tode von Gerhard Fuchs
Er war für viele Reiter ein Vorbild an Fleiß, Einsatzbereitschaft und Unternehmergeist. Und wegen seiner unerschütterlichen Begeisterung für den Pferdesport. Jetzt ist der Legelshurster Unternehmer, erfolgreiche Springreiter und Reitsport-Förderer Gerhard Fuchs wenige Wochen vor seinem 85. Geburtstag verstorben.
Gerhard Fuchs kam in den Jahren des Zweiten Weltkriegs in Legelshurst in der Ortenau zur Welt – in jener Region, in der er knapp 85 Jahre später auch für immer eingeschlafen ist. Es heißt ja immer, dass die Schwaben die Tüftler und Erfinder im Land sind, ehrgeizig, die „Cleverle“. Da war Gerhard Fuchs ein waschechter Badener mit schwäbischen Eigenschaften. Sein Lebensweg ist außergewöhnlich. Außergewöhnlich erfolgreich und außergewöhnlich clever, von Erfindergeist geprägt. Aber auch außergewöhnlich rastlos. Menschen, die ihn durchs Leben begleitet haben, schildern ihn als fast schon besessen von seiner Arbeit, angetrieben von immer neuen Ideen und Visionen.
Gerhard Fuchs ist nicht mit Pferden aufgewachsen, er kam erst als erwachsener Mensch und junger Unternehmer zum Pferdesport. Mit 35 Jahren ist er sein erstes Turnier geritten. Als junger Mittelständler aus dem Ort kam er als Besucher des Legelshurster Reitturniers auf den Geschmack. Das gehörte in den 60er- und 70er-Jahren zu den größten Veranstaltungen des Südens mit durchaus prominenten Starterfeldern. Fuchs kam also bereits über den Leistungsgedanken zum Pferd. Er wollte erfolgreich sein, auch im Sattel. An Selbstbewusstsein mangelte es ihm nicht. Das Attribut „streitbar“ nahm er als Kompliment.
Da er zu diesem Zeitpunkt beruflich schon gesattelt war, konnte er gleich vorne mitspielen, gute Pferde einkaufen, gute Trainer verpflichten, einen eigenen Stall betreiben. Sein Fleiß und seine sportliche Statur unterstützten seine Pläne. Gerhard Fuchs war zeitlebens ein Asket, kein Gramm Fett auf den Rippen, immer aus dem Ei gepellt, mit dem stolzen Auftritt eines Gentleman.
Aufstieg mit den Badischen Stahlwerken
Als gelernter Maschinenbautechniker hatte er in den 60er-Jahren seine erste eigene Firma für Rohrleitungs- und Apparatebau gegründet, mit der er früh einen Fuß als Partner bei den damals stark prosperierenden Badischen Stahlwerken mit Sitz in Kehl in der Tür hatte. Mit dem Firmengründer und damaligen Unternehmenschef Willy Korf verband ihn eine Art Wesensverwandtschaft. Gerhard Fuchs, der sein Leben lang selbstständig geblieben ist, wurde zu einem gefragten Entwickler der Stahlbranche, tüftelte an neuen technischen Lösungen, ließ neue und energiesparende Lichtbogenöfen nach seinen Plänen bauen, erarbeitete sich weltweit einen Ruf als kluger Kopf mit weitem Horizont und immer neuen Zielen. Als konservativer Vertreter der Wirtschaft engagierte er sich auch politisch, vertrat die CDU im Legelshurster Gemeinderat. Er wollte immer etwas bewegen. Abschalten konnte er selten. Es ratterte immer in seinem Kopf.
Als Amateur mit Goldenem Reitabzeichen
Vor allem in den 70er- und 80er-Jahren ritt er in der Landesspitze der baden-württembergischen Springreiter, bekam sogar das Goldene Reitabzeichen verliehen Das war als lupenreiner Amateur damals noch viel seltener und außergewöhnlicher als heute. Der große Titan und der Schimmel Lafitte waren seine erfolgreichsten Pferde. Später förderte die nächste Generation mit Top-Pferden, stellte zum Beispiel Uli Collee den Rappen Chronos für einen unvergessenen Auftritt in der Schleyer-Halle zur Verfügung. Fuchs war auch nicht unmaßgeblich daran beteiligt, dass Timo Beck einst aus dem Schwäbischen in die Ortenau gewechselt ist. Der Unternehmer mochte den jungen Profi, weil er auch lieber macht als lange herumzureden. Timo Beck und seine aus der Ortenau stammende Frau Julia haben die Reitanlage in Kehl übernommen, die sich Gerhard Fuchs aufgebaut hatte, schon seit einigen Jahren gehört sie ihnen. Der Holsteiner Crocodile Dundee, mit dem er im Alter von 71 Jahren noch seine letzten Turniere bestritt, ging dann in den Beritt von Julia Beck über. Auch sein Sohn Markus ritt einige Jahre erfolgreich, heute gehört er zu den besonders versierten Turnier-Moderatoren des Landes.
In den letzten Jahren lebte Gerhard Fuchs zurückgezogen, liebevoll betreut von seiner Frau Annemarie, zuhause in Legelshurst. Es ist besonders tragisch, dass die tückische Krankheit des Vergessens ausgerechnet dieses Superhirn attackiert hat – und am Ende besiegt.
Die Pferdeszene im Land verliert eine außergewöhnliche Persönlichkeit.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, 22. Januar, 13.30 Uhr, in der Pfarrkirche Legelshurst statt.
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