Paul Hofmann – eine Legende im „Busch“
Im baden-württembergischen Reitsport wird der Göppinger Vielseitigkeitsreiter Paul Hofmann für immer in den Annalen seinen Platz haben. Er bleibt legendär. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der frühere Championatsreiter und mehrfache Landesmeister im November im Alter von 89 Jahren verstorben.
1978, das war im Pferdesport noch eine andere Zeit. Fliegen mit Pferden? Nach USA? Fast unvorstellbar. Ein bis dahin unbekannter Metallschlosser-Meister aus der schwäbischen Provinz, ein lupenreiner Amateur, unter den besten „Busch-Reitern“ der Welt? Nie im Leben ….
Und doch, Paul Hofmann hat damals das Unglaubliche geschafft. Es war im Jahr 1978, da sattelte er mit bereits 42 Jahren seinen großen Hannoveraner Wallach Gomez und ritt einfach drauflos. Weltmeisterschaften in Lexington/Kentucky, die ersten außerhalb von Europa. Die Rennbahn und lange Strecken gehörten damals noch zur Königsklasse, die man noch „Military“ nannte. Der gewaltige Dunkelbraune, altes Hannoveraner Blut, und der großgewachsene Handwerksmeister pflügten die Strecken regelrecht mit Kraft, Ausdauer und Präzision.
Mit seiner etwas unprätentiösen schwäbischen Art hatte er sich in Richtung der Spitze der deutschen Vielseitigkeitsreiter gearbeitet, die damals ausschließloch aus norddeutschen Pferdeleuten bestand: Harry Klugmann, Otto Ammermann mit Volturno, Herbert Blöcker, der spätere Bundestrainer. Jeder kennt heute noch diese Namen.
Man beäugte den mitunter etwas kauzigen Schwaben mit einer Mischung aus Staunen und Bewunderung. Hofmann und sein Gomez waren in diesen Sichtungen des Jahres 1978 so stark, dass man an ihm nicht vorbeikam. In der Mannschaft war kein Platz, aber als Einzelreiter musste man ihn dann schon mitnehmen. Er hatte sich viel vorgenommen, erinnert sich heute seine Witwe Vera Hofmann, die ganz entscheidend zu den Erfolgen beigetragen hat. Sie war es, die vier Wochen zuvor mit Gomez in die Staaten flog, sich in Quarantäne begab, den Wallach in Form hielt (wie sie es eigentlich das ganze Jahr lang tat), ihn auf den Punkt fit hatte. Paul Hofmann, selbstständiger Experte und Hersteller von Blitzableitern, schaffte im Göppinger Betrieb so lang einfach weiter. Bis der Flieger ging. Ein Abenteuer für einen Mann, der sich in seiner Region eigentlich ganz wohl fühlte und nie das Bedürfnis nach Kapriolen hatte.
Paul Hofmann hatte erst im Alter von 27 Jahren mit Reiten angefangen, als er selbstständiger Handwerksmeister war und das Geld dazu hatte. Seine Eltern hatten ihn nie unterstützt. Den Wallach Gomez kaufte er für kleines Geld auf der Auktion in Verden, niemand anderes wollte ihn haben. Selbst damals war er schon ein eher unmoderner Typ. Langsam arbeitete Hofmann sich voran, immer mit der Hilfe seiner Frau Vera, erst im Land. Sieben Mal wurde er Landesmeister zwischen 1976 und 1988, dazu noch zweimal Vizemeister. Roland Janson, Dr. Werner Koch, der unvergessene Fritz Pape waren seine ständigen Begleiter und sportlichen Kontrahenten. Im Land wurde er zur Legende, im März 1981 nahm Krämer-Chef Frank Schmeckenbecher, damals ebenfalls ein Vielseitigkeitsreiter, das Paar auf die Titelseite seines Kataloges „Hippo-Post“.
Im Jahr 1978 wurde Gomez immer besser; Hofmann wagte sich nach Luhmühlen, Wiesbaden, Bielefeld, Warendorf. Bis er das Ticket nach USA hatte. Er war der erste baden-württembergische Reiter auf einem internationalen Championat. Gomez, der bis dahin so unverwüstlich war, vertrat sich im Gelände, konnte den Wettbewerb nicht mehr beenden. Das ändert nichts an der historischen Rolle, die der furchtlose Handwerksmeister aus Göppingen für immer einnehmen wird. Er wird immer ein Vorbild sein, weil er ganz ohne Leumund, Reichtum und Marketing ganz nach oben gekommen ist, sondern nur mit reiterlichem Talent, Beharrlichkeit und dem festen Glauben an sein Pferd.
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