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von Mona-Sophie Wieland am Sonntag, 11.01.2026 um 10:55

Interview mit FEI-Steward Katharina von Stetten: „Wir sind in erster Linie für das Wohl der Pferde da“

Neben ihrer Richtertätigkeit bis zur schweren Klasse ist Katharina von Stetten auch FEI-Steward.  /  © TomsPic

Im Rahmen des CHI Basel haben wir uns mit FEI-Steward Katharina von Stetten unterhalten. Sie erläutert im Interview, welche Verantwortung Stewards tragen und wie sich das Bewusstsein für Tierwohl im Spitzensport verändert hat.

Was sind die Hauptaufgaben eines Stewards?
Die Hauptaufgabe eines Stewards ist es, in erster Linie für das Wohl der Pferde zu sorgen. Diese Aufgabe beginnt bereits mit der Ankunft beim Turnier. Seit einigen Jahren ist vorgeschrieben, dass ab der Öffnung der Stallungen ein Steward anwesend sein muss. Zunächst werden die Stallungen überprüft, um sicherzustellen, dass alles ordnungsgemäß ist. Zudem kontrollieren wir die Abreiteplätze und Böden.
Während der Turniertage sind wir rund um die Uhr im Einsatz. Der Tag beginnt häufig bereits gegen sechs Uhr morgens, wenn das Morgentraining startet. Eine weitere zentrale Aufgabe ist die Kontrolle der zugelassenen Ausrüstung. Auch nach den Prüfungen überprüfen wir die Pferde, zum Beispiel darauf, ob Blutspuren zu erkennen sind.

Wie viele Stewards werden für solch ein Turnier wie in Basel eingesetzt?

Seitens der FEI ist ein Chefsteward sowie vier weitere Stewards vorgeschrieben. In Basel sind wir insgesamt neun Stewards im Einsatz, die durchgehend beschäftigt sind.

Was motiviert Sie an der Aufgabe?

Zum einen die Möglichkeit, für die Pferde da zu sein, und zum anderen, das gesamte Turniergeschehen mitzuerleben. Ich bin mit Pferden aufgewachsen und bin über Hansi Wallmeier zum Stewardwesen gekommen. Obwohl ich nicht übermäßig viele Turniere im Jahr begleite und nebenbei einem regulären Beruf nachgehe, bereitet mir diese Aufgabe große Freude. Als Steward ist man meist von Mittwoch bis Sonntag im Einsatz, und Schlaf ist in dieser Zeit eher zweitrangig. Es macht einfach großen Spaß.

Wie wird man überhaupt Steward?

In Deutschland muss man zunächst Richter oder Richteranwärter sein. Darauf folgt die Prüfung zum Steward Level 1. Nach einer festgelegten Anzahl an Einsätzen kann man sich für die nächsthöhere Stufe qualifizieren. Das System reicht bis Level 4.
Ich selbst bin in Dressur und Springen Level 3 und damit befähigt, als Chefsteward tätig zu sein. Die Prüfungen sind anspruchsvoll und beinhalten unter anderem einen Englischtest. Level 4 ist schließlich für Stewards vorgesehen, die bei Championaten als Chefsteward eingesetzt werden.

Was ist Ihnen in der Kommunikation mit den Reitern besonders wichtig?

Am wichtigsten ist ein gutes Miteinander. Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Früher wurden Stewards von Reitern häufiger als Gegenspieler wahrgenommen. Inzwischen wird zunehmend erkannt, dass wir sowohl für die Reiter als auch für die Pferde da sind. Gerade vor dem Hintergrund öffentlicher Diskussionen und medialer Aufmerksamkeit wird unsere Arbeit heute stärker geschätzt. Wenn wir beispielsweise bemerken, dass sich ein Pferd auf dem Abreiteplatz auf die Zunge beißt, sprechen wir den Reiter an, um problematische Bilder zu vermeiden.

Wie schätzen Sie die Verantwortung der Stewards vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion ein?
Unsere Verantwortung besteht darin, einzugreifen, wenn etwas nicht regelkonform abläuft. Das betrifft etwa grobe Reitweisen, eine nicht pferdegerechte Haltung oder ein zu tiefes beziehungsweise zu enges Reiten. Nicht immer stoßen solche Hinweise bei den Reitern auf Verständnis. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Veranstalter und Richter die Stewards unterstützen und hinter ihren Entscheidungen stehen. Die Zusammenarbeit mit beiden hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt.

Wie hat sich Ihrer Meinung nach das Bewusstsein für Tierwohl im Spitzensport entwickelt?

Meiner Ansicht nach war das Tierwohl im Spitzensport noch nie so gut wie heute. Es hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Wenn man sich die Stallungen anschaut, sieht man, wie sorgfältig Hochleistungspferde betreut werden: großzügig eingestreute Boxen, regelmäßiges Führen, Waschen und Reiten.
Hier in Basel stehen zudem mehrere Longierplätze zur Verfügung, um den Pferden ausreichend Bewegung zu ermöglichen. Die meisten Pferde haben einen festen Pfleger, und je höher das sportliche Niveau, desto intensiver ist in der Regel die Betreuung. Höchstleistungen sind ohne eine umfassende und verantwortungsvolle Pflege nicht möglich.
Natürlich gibt es kritische Stimmen und Gruppierungen, was grundsätzlich auch legitim ist. Allerdings wäre es wünschenswert, wenn diese sich auch andere Haltungsformen außerhalb des Spitzensports ansehen würden, anstatt ausschließlich dort nach schwarzen Schafen zu suchen. Diese gibt es überall.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Pferdesports?

Ich wünsche mir, dass der Pferdesport erhalten bleibt und auch weiterhin Teil der Olympischen Spiele ist. Aktuell besteht durchaus die Gefahr, dass er langfristig aus dem olympischen Programm herausfällt. Viele gehen davon aus, dass Los Angeles noch sicher ist – wie es danach weitergeht, bleibt offen.

Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Steward aus?

Ein guter Steward muss körperlich fit sein, um den langen Turniertag durchzuhalten. Teamfähigkeit ist ebenso wichtig wie fundierte Regelkenntnisse und das Gespür dafür, wann ein Eingreifen notwendig ist und wann nicht. Dabei ist es selbstverständlich, sich im Team abzustimmen und bei Unklarheiten nachzufragen. Darüber hinaus braucht ein Steward ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl, um auch schwierige Situationen angemessen zu lösen.

Mona-Sophie Wieland (Redaktionsleitung)

Absolventin des Master-Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement, unsere Expertin für online und Social Media. Ihr Herz schlägt für Ausbildungs- und Turniersportthemen. Selbst bis zur Klasse S erfolgreich. Seit 2023 agiert sie als Redaktionsleitung.

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