Abschied nach 70 Jahren Arbeit mit den Pferden
Es dampft und zischt, es steigt Rauch in die Höhe – und das ganz gewollt. Denn Hufbeschlagschmied Felix Benz aus Ottenheim sorgt dafür, dass Pferde genau angepasste Hufeisen bekommen. Dazu wird das Hufeisen, das er zuvor im Ofen seiner mobilen Schmiede zum Glühen gebracht hat, kurz auf den schmerzunempfindlichen Rand des Hufs gedrückt um es ganz individuell dem Pferd anzupassen.
Seit dem 1. Januar ist damit jedoch Schluss. Der 84-Jährige Ottenheimer, der natürlich seit 2001 schon längst „in Rente“ ist, hat aber nach wie noch ein bis zweimal in der Woche Pferde beschlagen. Denn er ist ein Hufschmied mit Leib und Seele. Jetzt aber, sagt er sei die Zeit gekommen um aufzuhören. Denn die Signale des Körpers seien unüberhörbar geworden und er kann und will sie nicht mehr ignorieren. Zumal der Arbeitsalltag eines Hufbeschlagschmieds körperlich sehr anstrengend ist. Es muss in unbequemen Positionen gearbeitet werden und es braucht Körperkraft, um die schweren Werkzeuge, die in diesem Handwerk eingesetzt werden, sicher zu handhaben. „Ich habe immer gesagt ich höre auf, bevor mein Körper streikt und nicht mehr fähig ist die Arbeit zu machen. Diese Zeit ist jetzt nach 70 Berufsjahren gekommen“, so Felix Benz.
Ja, es ist kein Druckfehler, Felix Benz hat vor sieben Jahrzenten nach dem Besuch der Volksschule im Alter von 13 ½ Jahren ab 1955 drei Jahre lang beim legendären Kürzeller Schmiedemeister Gustav Rieth den Beruf des Schmieds von der Pike auf erlernt. In dieser Zeit gehörte neben dem Schüren des Schmiedefeuers und der Arbeit mit Hammer und Zange am Amboss auch der Hufbeschlag. Neben Pferden waren es aber auch Kühe die "besohlt" werden mussten. Aber der Hufbeschlag beim Pferd faszinierte ihn Zeit seines Lebens. Diese Leidenschaft hat ihn auch bis auf den heutigen Tag nicht losgelassen.
Nach der erfolgreich absolvierten Lehrzeit arbeitete Benz noch sechs Jahre beim Kürzeller Schmiedemeister. Aber als sich auch in Kürzell der Niedergang des traditionellen dörflichen Schmiedehandwerks abzeichnete wechselte er zur Ottenheimer Maschinenbaufirma von Erwin Rieth. Hier war er dann über 30 Jahre lang bis zur Zuruhesetzung tätig.
Als sein alter Lehrmeister ihn 1985 bat, ihn bei seiner Tätigkeit als Beschlagschmied zu unterstützen absolvierte er an der Freiburger Beschlagschule nebenberuflich zusätzlich noch die entsprechende Ausbildung. Seit er mit Erfolg die Prüfung zum staatlich geprüften Hufschmied absolviert hat, war er im gesamten Ortenaukreis mit seiner mobilen Schmiede im Dienste der Pferde im Einsatz. Ja, der Schmied ist mobil geworden, er kommt zum Pferd. Und mit ihm die Schmiede, die aus einem Anhänger voller Werkzeuge, unter anderem Amboss, Esse, Hufeisen in unterschiedlichen Größen, Schmiedezangen und andere wichtige Werkzeugen besteht.
Die Pferde, die er in all den Jahren als Hufschmied betreute, waren Sport- und Freizeitrösser, die sehr viel laufen. Neben dem „normalen“ Hufbeschlag machte er jedoch auch noch Sport- und auch orthopädische Beschläge. Das sind dann ganz gezielte jeweils ganz auf das jeweilige Pferd und dessen Beinstellung abgestimmte Beschläge.
Für herausragende Leistungen in Pferdehaltung und pferdepflege, unter anderem war 15 Jahre lang für den Hufbeschlag der Pferde des langjährigeren, international hoch erfolgreichen baden-württembergischen Zweispänner-Gespann Fahrers Lothar Bachmeier (Meißenheim) verantwortlich, erhielt er bereits im Jahr 2003 die „Goldene Plakette“ der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).
Im Rückblick auf seine mittlerweile 70 Berufsjahre als Schmied und davon allein 40 Jahre als Beschlagschmied betont Felix Benz, dass ihm der Hufbeschlag immer sehr viel Spaß gemacht habe. Angst dürfe man allerdings dabei nicht haben, wohl aber Respekt. Denn Hufbeschlag ist ein alter Handwerksberuf mit Präzisionsarbeit am Pferd. Und mit jeder Arbeit am Pferd lernt man auch immer dazu. Denn jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter, manche sind lammfromm und andere wieder sehr schwierig. Es ist eine Beschäftigung, die einen einerseits körperlich fordert, andererseits hat man es mit Tieren und mit Menschen gleichermaßen zu tun. Hinzu kommt, dass in all den Jahren das Draußensein und dabei gleichzeitig auch immer mit Menschen und mit Pferden zusammenzukommen für mich genau das Richtige war, so Felix Benz mit etwas Wehmut in der Stimme. (Martin Frenk)
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