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von Nele Marie Hörster am Montag, 15.09.2025 um 12:35

Offener Brief von Chester Weber an das Fahrkomitee und die Führungspersönlichkeiten unseres Sports

Der Beitrag zum offenen Brief von Chester Weber hat auf den sozialen Netzwerken von hippoevent.at große Diskussionen entfacht.  /  © hippoevent.at

Im Nachgang an die Europameisterschaften der Vierspänner Fahrer in Lähden vom 04. bis 07. September hat sich der US-amerikansiche Landesmeister Chester Weber in einem offenen Brief an das Fahrkomitee und die Führungspersönlichkeiten des Fahrsports gewandt. In diesem macht Goldmedaillengewinner der Weltreiterspiele in Tyron 2018, vierfacher Silbermedaillengewinner auf Weltreiterspielen und aktuell Nummer elf der Weltrangliste im Vierspänner Fahren seinem Unverständnis und Ärger Luft. Der Brief lautet wie folgt:

"Sehr geehrte Mitglieder des Komitees,
sehr geehrte Sport Kolleginnen und Kollegen,

Im Nachgang zur Europameisterschaft in Lähden sehe ich die Notwendigkeit, einige grundsätzliche Gedanken zur Weiterentwicklung unseres Sports zu formulieren. Mein Anliegen richtet sich nicht an einzelne Personen oder Ereignisse, sondern zielt auf die nachhaltige Sicherung von Fairness, Attraktivität und Ausgewogenheit im Fahrsport.

Führung im Sport bedeutet vor allem Verantwortung: für die Tradition, die Gegenwart und die Zukunft unserer Disziplin. Fahren lebt von der Balance seiner drei Teilprüfungen – Dressur, Marathon und Kegelfahren. Jede dieser Prüfungen soll gleichermaßen die Harmonie zwischen Pferd und Fahrer sichtbar machen und damit zur Gesamtleistung beitragen.

Die jüngsten Ergebnisse im Kegelfahren haben verdeutlicht, dass die Balance zwischen Anspruch und Fairness weiter in den Blick genommen werden muss. Ein Parcours, in dem kein Teilnehmer eine fehlerfreie Runde absolvieren kann, verfehlt die Aufgabe dieser Prüfung. Die Richtlinien des Springsports – wonach rund 10 % der Teilnehmenden die Chance auf eine Nullrunde haben sollten – zeigen, dass Anspruch und Fairness in Einklang gebracht werden können. Ein solches Verhältnis bewahrt die sportliche Herausforderung, sorgt zugleich für positive Momente, die Zuschauer mitreißen, und ermöglicht es den Fahrern, auf ihre Leistung stolz zu sein.

Unser Sport lebt nicht allein von einer kleinen Zahl internationaler Spitzenfahrer. Es sind ebenso die Amateure, die auf regionaler Ebene Veranstaltungen tragen, Nachwuchs an den Fahrsport heranführen und die Vielfalt erhalten. Ein zu hoher Schwierigkeitsgrad ohne realistische Erfolgserlebnisse führt dazu, dass gerade diese Basis geschwächt wird. Langfristig ist dies eine Gefahr für die Entwicklung und Verbreitung unseres Sports.

Die großen Erfolge und Zuschauerzahlen vergangener Jahrzehnte zeigten: der Fahrsport zieht an, wenn es Eleganz, Präzision und Spannung verbindet. Gepflegte Pferde, eine würdige Präsentation und Parcours, die Harmonie sichtbar machen, sind entscheidende Faktoren für die öffentliche Wahrnehmung. Dies ist keine Frage von Elitarismus, sondern von Qualität und Attraktivität.

Unsere Aufgabe als Verantwortliche ist es, den Sport auf dieser Grundlage weiterzuentwickeln:
durch faire und ausgewogene Parcours, durch den respektvollen Dialog verschiedener Perspektiven, durch die gleichwertige Anerkennung von Profis wie Amateuren, und durch die Pflege von Tradition und Darstellung, die den Fahrsport einzigartig machen.

Wenn wir diese Leitlinien in den Mittelpunkt stellen, sichern wir nicht nur die sportliche Integrität, sondern schaffen auch die Basis dafür, dass kommende Generationen von Fahrern, Organisatoren und Zuschauern inspiriert werden.

Mit Respekt und verfasst aus Überzeugung,
Chester C. Weber
"

Nele Marie Hörster (Redakteurin)

Studierte Betriebswirtin und ausgebildete Pferdewirtin mit Fachschwerpunkt Pferdehaltung und -service. Unterwegs mit Know How zu Social Media und einem großen Interesse an eigentlich allem, was den Pferdesport ausmacht – insbesondere aber an Dressurausbildung und -sport. Im Sattel aktuell primär in der Jungpferdeausbildung aktiv und bisher auf Turnieren bis Klasse L* erfolgreich.

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