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Montag, 29.04.2019 um 22:18

Gerhard Ziegler tritt fünfte Amtszeit an

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Gerhard Ziegler bleibt Präsident der baden-württembergischen  Reiter, aber er tritt seine fünfte Amtszeit in schwierigen Zeiten an. Die Berichte beim „Landtag der Reiter“ am Montag in Sindelfingen waren von den aktuell sinkenden Zahlen im Turniersport geprägt. Der Rückgang wirkte sich 2018 erstmals auch auf die Finanzen des Pferdesportverbandes aus. Schatzmeister Christoph Möhl musste von einem Fehlbetrag in Höhe von rund 52 000 Euro berichten. Über die Hälfte dieses Defizits summieren sich aus den sinkenden Einnahmen aus Reitabzeichen, Turnierlizenzen und den Turniergenehmigungen nach Nennungen. Ein ähnlicher Fehlbetrag ist für 2019 bereits eingeplant.

Daher brachte das Präsidium auch den Antrag ein, die Mitgliedsgebühren der Vereine an den Landesverband von 50 Cent pro Mitglied auf 1 Euro zu erhöhen, wirksam ab dem Haushaltsjahr 2021. Ziegler verwies darauf, dass die letzte Beitragserhöhung im Jahr 1993 stattgefunden hat. Südbaden-Geschäftsführer Martin Frenk gab zu Bedenken, dass die Vereine, die Turniere organisieren, doppelt betroffen sind, weil auch die Landeskommission Vergünstigungen streicht. Auch Nordbaden-Schatzmeister Ole Gunzenhäuser stimmte ihm zu. Sie argumentierten, man könne noch ein Jahr vom finanziellen Polster zehren und mindestens ein Jahr warten. Finanzexperte Gunzenhäuser regte eine Kommission an, die mit dem Präsidium Einsparmaßnahmen erarbeitet. Ziegler und Möhl warben für eine Erhöhung, die nötig sei, damit der Verein seine Leistungsfähigkeit bewahre und weiter den Sport fördern kann. So habe man für die nächsten fünf Jahre Planungssicherheit. Andere Vereinsvertreter erklärten: "Wir fühlen uns vom Verband gut unterstützt und geben gerne etwas zurück." Am Ende einer langen Diskussion wurde die Beitragserhöhung - ab dem Jahr 2021 - mit deutlicher Mehrheit beschlossen.

Der Ditzinger Wirtschaftsprüfer Gerhard Ziegler (67) wurde von den Delegierten einstimmig (bei einer Enthaltung) im Amt bestätigt. Einen Gegenkandidaten zu dem früheren Württembergischen Regionalvorsitzenden, der auch beim deutschen Reiterverband FN im Präsidium ist, gab es nicht. In den Präsidiumsämtern wurden außerdem bestätigt: Schatzmeister Christoph Möhl, Rolf Berndt als Breitensportbeauftragter, Dr. Michael Pettrich als Tierschutzbeauftragter und Petra Schubert als Landesjugendwartin. Gesetzt im Präsidium sind die drei Regionalpräsidenten Frank Reutter, Iris Keller und Dr. Gerhard Klotz.

Vor seiner Wiederwahl hatte Landesverbandspräsident Ziegler einen durchaus ambivalenten Rückblick auf das Verbandsjahr gehalten. Die Bilanz sei „nicht nur positiv“. Dazu nannte Ziegler ebenso den Rückgang bei den Starts und Reitabzeichen. Der Demografische Wandel, ein hoher Aufwand beim Einstieg in den Sport und hohe Gebühren könnten hierfür Gründe sein. Christoph Möhl ergänzte, dass der Rückgang in den Altersklassen U18 und U26 geradezu alarmierend ist: da gibt es Rückgänge von 16 und zehn Prozent.

Als positiv wertete er allerdings den ersten landesweiten Mitgliederzuwachs im Verbandsbereich auf rund 98 500; Baden-Württemberg ist jetzt der stärkste Verband der Republik. Er appellierte an die Vereine, noch mehr Anstrengungen zu übernehmen. Und er zählte auf: „46 Prozent der Vereine in Baden-Württemberg haben  einen Zuwachs zu vermelden, es geht also“. Und Ziegler bekannte: „Wenn ich einmal als Präsident in den Ruhestand gehe, wäre ich gerne wieder auf 100 000.“

Zuspruch bekam Ziegler unter anderem von Landesjugendwartin Petra Schubert, die von einem „tollen Team von Jungen und Junggebliebenen“ im Jugendausschusses berichtete. Sie frohlockte: „Die Jugendarbeit ist in Baden-Württemberg zurück.“

Die Delegierten entlasteten die Präsidiumsmitglieder einstimmig in ihren Ämtern. 

„Im Mittelbau ein Riesenproblem“

Auch die Jahresberichte der Sportbeauftragten fielen unterschiedlich aus. Dabei war es vor allem Reitmeister Karl-Heinz Streng, der an die Delegierten und Vereinsvorsitzenden appellierte: „Uns fehlt bei den Jugendlichen der Mittelbau zwischen den Klassen L und S, da haben wir ein Riesenproblem“, gestand Streng zu. Er kritisierte, dass in den Vereinen zu wenig auf Turniersport ausgerichtete Ausbildung stattfindet, zu viele Familien würden zu wenig in das Training der Jugendlichen investieren. „Einmal in der Woche Unterricht reicht nicht“, erklärte er. Sein Kollege Jürgen Kurz ergänzte: „Wir haben ein paar gute Leute, aber die Breite fehlt.“

Dressur-Landestrainer Christoph Niemann verwies auf drei Teilnehmer am bevorstehenden Preis der Besten, bei den Junioren und Jungen Reitern sei die Anzahl der national relevanten Talente nicht hoch genug.

Sehr positiv fiel die Bilanz des Pony-Beauftragten Heinz Bürk aus. Die Entwicklung sei „positiv in allen Disziplinen“. Ähnlich hörten sich Oliver Petter aus dem Voltigiersport an, der auf zahlreiche Medaillen hinweisen konnte, sowie Bettina Rigbers-Böhnisch aus dem Fahrsport: In dieser Disziplin sind acht Gespannfahrer in einem Bundeskader vertreten.

Hürsterhof legt am meisten zu

Eingangs hatte der Landesverband fünf Vereine ausgezeichnet, die eine besonders großen Mitgliederzuwachs aufweisen. Den größten Zuwachs vermelden die Pferdefreunde Hürsterhof in der Ortenau; sie konnten 114 neue Mitglieder gewinnen. Im Ranking folgen die Islandpferdereiter Süd (plus 100), der Verein für Heilpädagogisches Reiten Villingen-Schwenningen (plus 88), der Reiterverein Graumershof-Bach (plus 83) und die Pferdefreunde Straubenhardt (plus 82). rok/Foto: Doris Matthaes

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