Ichenheim: Stall Deuerer dominiert Großen Preis
Spannender hätte man das Drehbuch des heutigen Großen Preises in Ichenheim wohl nicht schreiben können. Ein Springen, dass vermutlich dem ein oder anderen nicht nur der Hitze wegen Schweiß auf die Stirn trieb. Am Ende sollte Tina Deuerer einen Sieg der Extraklasse feiern.
Der Parcours über 1,50 m war wahrlich nicht zu unterschätzen und mit jedem Starter, der die Ziellinie durchritt, wuchs der Wunsch nach einer Nullrunde immer mehr. Diese sollte allerdings lange auf sich warten lassen. Immer wieder wurde im Parcours von Phil Schmauder und seinem Team die Rittigkeit und die Reaktionsschnelle von Pferd und Reiter getestet. Besonders die Schlusslinie entpuppte sich als Endgegner für die meisten Paare. Doch eine, die sollte den Bann brechen können: Die Rede ist von Tina Deuerer, die krankheitsbedingt nicht ganz so viel Zeit im Sattel verbracht hatte in den letzten Monaten. Nun zurück auf dem großen Ichenheimer Platz, fühlte sie sich gleich wieder richtig wohl. Im Sattel ihrer nun 13-jährigen Schimmelstute Haddou flog sie nahezu mühelos über die gestellten Aufgaben. Wieselflink und in feinster Manier präsentierten sowohl Pferd als auch Reiterin, was sie können – vor allem, was sie gemeinsam können. Die erste Nullrunde war damit geliefert, doch die Frage blieb: Sollte es überhaupt ein Stechen geben? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, denn Lukas Weiler hatte seiner Chefin Tina Deuerer gut zugeschaut und wollte ihr gleichziehen. In seinem aller ersten Drei-Sterne-Springen jemals blieb auch er im Sattel seines Partners Kilian D ebenfalls fehlerfrei. Das Stechen war geboren. Ein weiterer Schimmel sollte sich noch dazu gesellen. Ein erfahrenes Paar aus Donaueschingen, genauer gesagt Niklas Krieg und sein Quarter Past. Der 15-jährige Wallach von Quaid I spielte mit der Höhe und ermöglichte seinem Reiter eine Teilnahme im Stechen.
1,2 oder 3?
Eröffnet wurde das Stechen um die Podestplätze von Tina Deuerer und ihrer niederländischen Stute von Empire van de Heffink. Wie bereits im Umlauf bewies sich die filigrane Schimmel-Stute als wieselflink, wendig und mit genügend Ehrgeiz. Mit dem richtigen Maß an Risiko wusste ihre Reiterin den Stechparcours gekonnt zu meistern, blieb fehlerfrei und legte mit 38,87 Sekunden die erste Messlatte. Gleich im Anschluss drückte sie ihrem Bereiter Lukas Weiler die Daumen, der die Erwartungen für sein Debüt in dieser Klasse wohl kaum mehr erfüllen hätte können. Nicht mit dem letzten Risiko, jedoch in einer stilistisch sehr feinen Art und der nötigen Übersicht für so ein Springen pilotierte er seinen Schimmel-Wallach durch den Stechparcours. Jubelnd durchquerte er die Ziellinie. Der Blick zur Tafel: Zwar etwas langsamer als Deuerer, doch die Null stand! Also sollte es Niklas Krieg in der Hand haben, war die Zeit noch zu schlagen? Ja, die Zeit war noch zu schlagen, doch eben nicht fehlerfrei. Zwei leichte Fehler im Stechen, kosteten Krieg den Sieg. Damit stand fest, Tina Deuerer gewinnt, vor ihrem Bereiter Lukas Weiler und Niklas Krieg. „Ich bin so stolz auf dich!“, freute sich Tina Deuerer für ihren Bereiter und fügt hinzu „natürlich hätte ich ihm den Sieg auch gegönnt. Ich bin wahnsinnig stolz auf seine Entwicklung und was er leistet.“ Für den Team Deuerer also ein rundum erfolgreicher Nachmittag in Ichenheim.
Mit den schnellsten vier-Fehler Runden ebenfalls platziert waren Sascha Braun mit Horse Gym’s Cylana vor Benjamin Wulscher und Castle Camiro, Michael Herhalt auf seinem Chacco MH, Braun mit seinem zweiten Pferd Emmylou Balou Z. Auch Heimmatador Alexander Schill sicherte sich mit dem achten Platz eine Schleife vor Mario Walter, Thomas Grimm und Arwen-Charlotte Thaler, für die es im Übrigen auch erst das zweite Springen auf dieser Höhe war und sich heute mit ihrer Duitama verdient eine Schleife sicherte.
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