Leserbrief zum Editorial 5/2025
Die Meinung unserer Leserinnen und Leser ist uns immer besonders wichtig und dementsprechend freuen wir uns stets über Rückmeldungen, Meinungen und auch Ideen zu unseren Beiträgen. Zum Editorial der Ausgabe 5/2025 hat uns ein Leserbrief von Martin Stellberger erreicht:
"Liebe Redaktion des Reiterjournals,
die angedeutete Fusion von St. Georg, Mein Pferd und Reiter Revue ist ein Aderlass im Bereich Fachmagazine Pferd/Pferdesport. Bedauerlich ist der Aderlass deshalb, weil gute, pferdeorientierte Beiträge fehlen werden. Wenn renommierte Blätter wie die genannten aufgeben, wird das Feld der „kritischen Begleitung“ zunehmend anderen Medien überlassen. Im Netz, z.B. Instagram, tummeln sich Portale, die sich „pferdenah“ geben, aber im Wesentlichen schlechte Beispiele bringen. Der Pferdesport wird so immer mehr in Misskredit geraten. Das hat kürzlich FN-Präsident Martin Richenhagen kritisiert. Er warb dafür, den Pferdesport nicht selber schlecht zu reden, sondern mit guten Beispielen zu zeigen: „So wollen wir die Reiterei sehen! So sehen gute Beispiele aus!“ Es tummeln sich viele „Prediger des Pferdewohls“ in allen möglichen Portalen, bewirken aber mit ihrer permanent negativen Betonung das Gegenteil. Die RJ-Redaktion schreibt in ihrem Beitrag treffend: „Dazu gehört auch, gerade den Laien sowie den noch nicht reitenden Pferdefreunden all das Gute aufzuzeigen, was der Reitsport mit sich bringt.“ Immer wieder wird gepredigt, wie wertvoll der Pferdesport für die Erziehung gerade Jugendlicher sein kann. Ich spüre das immer wieder bei meinen Trainings- und Ausbildungsangeboten: Das Credo stimmt nämlich und steht zu Recht in den Ethischen Grundsätzen der FN.
Was die Tageszeitungen angeht, so findet man kaum Berichte über Reitvereine oder Turniere, wenn der Verein nicht gerade einen guten Draht zu einem Redakteur hat. Der Mangel liegt aber mit daran, dass in den Reitvereinen die Öffentlichkeitsarbeit auf den WhatsApp-Status verschwindet. Das erzeugt keine Breite in die Öffentlichkeit und nicht tiefen-informierend. Man begnügt sich mit Ergebnissen, Ankündigungen, tausend Likes und schmort im eigenen Saft. In den Vereinen finden sich keine Leute, die bereit sind, ein Seminar mit intensivem Texttraining zu besuchen, um dann die Kenntnisse für den Verein langfristig umzusetzen. „Aufsatzschreiben“ ist verpönt. Ergo: Ein z.T. selbstgemachtes Problem. Angebote, das zu ändern, gäbe es!
Sie wollen Anregungen bekommen für Ihr geändertes Konzept? Gut, hier hätte ich eines bezüglich Mitgliedergewinnung:
1. Die nicht organisierten Pferdefreunde/Reiter/Fahrer sollen zu der Erkenntnis kommen, dass die Mitgliedschaft in einem Verein gut ist. Das gab Martin Richenhagen auch bei seinem „Stallgespräch“ als Ziel aus. Deshalb muss der Breitensport mehr in den Mittelpunkt rücken. Und dabei meine ich persönlich nicht nur „nach WBO“. Das Regelwerk hat seinen Sinn für Turnierangebote im WBO-Bereich. Es gibt aber z.B. die Orientierungsritte, Reiterrallyes oder Geschicklichkeitswettbewerbe etc. die echter „Breitensport“ im Sinne des Wortes sind. Da verhindern starre Regeln das Interesse der Nichtorganisierten.
2. Die Enge der WBO verhindert z.T. den Kontakt zwischen Vereinen und nicht organisierten Pferdeleuten. Beispiel: gebissloses Reiten beim Orientierungsritt (dabei meine ich nicht das Reiten mit Halsring). Viele Freizeitreiter reiten ohne Gebiss im Pferdemaul und beherrschen ihre Pferde trotzdem sicher. Das „Verbot, gebisslos zu reiten“, ist in diesem Zusammenhang nicht förderlich für die Mitgliederwerbung. Vielmehr stößt es ab. Viele Reiter kommen nicht oder nicht mehr, weil „gebissloses Reiten nach WBO“ bei O-Ritten etc. verboten ist. Es ist ein Vorurteil, dass man auf sein Pferd nur mit Trense im Maul einwirken kann. Das sollte man freier angehen und diese „Vorschrift‘“ öffnen. Ein Veranstalter ist nicht „unfall-verantwortlich“ dafür, wenn ein Teilnehmer sein Pferd ohne Metall im Maul reiten will. Ein Verein oder seine sachkundige Person können auch nicht per Augenschein real beurteilen, ob ein Reiter auf sein Pferd „ohne Trense im Maul“ ausreichend einwirken kann. Der Reiter trägt die Verantwortung selbst. Ergo: Regelwerk ja, aber bitte viel flexibler sein."
Sie haben eine Idee oder möchten auch Ihre Meinung äußern? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an reiterjournal@matthaesmedien.de!
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