"Die Bedingungen sind für alle gleich!" - Interview mit Otto Becker
Bevor das Finale des FEI Jumping World Cups los geht, spricht Bundestrainer Otto Becker äußerst positiv über den Verlauf der ersten Wertungen.
Wie präsentierten sich die deutschen Reiter in den ersten zwei Wertungsprüfungen?
Im Großen und Ganzen fand ich, dass alle fünf Paare sich sehr gut zeigten und die Pferde sehr gut sprangen. Marcus Ehning hatte am Freitag etwas Pech gehabt als erster Starter, das ist natürlich gerade in einem Zeitspringen sehr sehr schwierig. Sophie Hinners und auch die anderen zeigten sich super. Im Zeitspringen liegt alles sehr eng beisammen. Die Form behielten alle auch in der zweiten Wertungsprüfung. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, weil wir nur eine fehlerfreie Runde hatten und vier mit jeweils einem Abwurf. So ein Fehler ist schnell passiert und trotzdem, die Art und Weise, wie sie sich präsentieren war gut.
Die Halle gibt nicht ganz so viel Platz, wurde das vielleicht auch einigen zum Verhängnis? Gerade Richard Vogel und United Touch S, der einen enormen Galopp mitbringt?
Grundsätzlich muss man sagen, die Halle ist zwar nicht zu groß, aber sie ist für alle gleich und natürlich ist das für den ein oder anderen nicht ganz ideal. Und gerade Richie kommt das nicht super entgegen, der hat das natürlich lieber, wenn er etwas mehr Platz hat aber trotzdem, die Bedingungen sind für alle gleich. Am Freitag ist der Umlauf für Richie etwas unglücklich verlaufen, sein Pferd drückt gerne etwas nach rechts, da spielte ihm der letzte Sprung gestern nicht in die Karten. Allerdings hat jedes Paar seine Stärken und Schwächen, mit denen sie umgehen müssen.
Wie stehen die Chancen für eine Aufholjagd im Finale am Sonntag?
Also die Chancen für eine Aufholjagd stehen glaub ich bei allen Paaren sehr gut. Eben weil sie die Substanz haben, weil sie sich gut präsentiert haben. Aber ich glaube unter die ersten Drei zu kommen, das wird sehr schwierig werden.
Julien Epaillard zeigte sich wahnsinnig stark. Ist er auch Ihr Favorit für den Gesamtsieg?
Mein Tipp ist eigentlich Martin Fuchs. Sein Pferd hat wahnsinnig Substanz, aber man weiß nie! Es muss alles erst geritten werden und es kommt immer darauf an: Wie ist der Parcoursbau, wie schwer ist das Springen? Ich glaube aber schon, dass das morgen ein sehr reeller Parcours wird und es könnte sich noch einiges verschieben. Es wird auf jeden Fall spannend!
Wie wirkt sich das Wochenende auf die Gesamte Saison aus? Was nehmen Sie mit?
Man sieht die Paare, die hier sind über drei Tage, ähnlich wie das dieses Jahr auch bei der Europameisterschaft ist. Da gewinnt man einen guten Eindruck. Jedes Jahr birgt seine eigenen Herausforderungen. Dass in diesem Jahr die EM sehr sehr früh ist, direkt zwei Wochen nach Aachen ist für uns schwierig und gibt den Paaren nicht so oft Gelegenheit sich zu zeigen. Das macht eine Nominierung schwieriger. Aber es wird eine Lösung geben. Wir haben viele verschiedene Global Turniere und Nationenpreise von Ende Mai an. Dann kommt Rotterdam auf Sand, letztes größeres Turnier auf Sand vor der Euro, die ebenfalls auf Sand ist. Und dann haben wir zwei Wochen vor der EM noch Aachen. Und das ist für uns natürlich ein denkbar ungünstiger Termin, dass die Europameisterschaft schon zwei Wochen nach dem CHIO ist. Das müssen wir so nehmen und das Beste daraus machen und das werden wir auch tun.
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