Interview mit Isabell Werth und Götz Brinkmann: „Wer die Augen und Ohren aufmacht, der bekommt immer etwas mit!“
Götz Brinkmann ist seit vielen Jahren der Trainer von Lisa Müller, in deren Stall er auch immer noch beheimatet ist. So kam auch der Kontakt zu Isabell Werth, die Lisa schon seit einigen Jahren im Training unterstützt. Seit 2023 reist Götz Brinkmann nun schon als Trainer mit Isabell Werth auf die Turniere. Wir haben uns im Rahmen der World Cup Finals in Basel mit dem Erfolgsduo unterhalten und unter anderem gefragt, was die beiden aneinander schätzen und welche gemeinsamen Ziele sie haben.
Herr Brinkmann, wie managen Sie den Wechsel zwischen Bayern und Rheinberg bzw. den Turnieren auf der ganzen Welt mit Isabell?
Isabell Werth: Spagat (lacht).
Götz Brinkmann: Ja, genau (lacht). Wir sind die meiste Zeit zusammen auf dem Turnier. Bei Gelegenheit, wenn es die Zeit erlaubt, sind wir auch mal gemeinsam in Rheinberg. Ansonsten mache ich die Betreuung von Lisa. Isabell und ich kommunizieren auch sehr viel und haben damit ein sehr harmonisches Miteinander.
Herr Brinkmann, was bewundern und schätzen Sie an Frau Werth?
Götz Brinkmann: Ich schätze ihre Intuition Geduld und ihr Koffer an technischen Fähigkeiten.
Frau Werth, was schätzen Sie an Herrn Brinkmann?
Ich schätze seine Ehrlichkeit, Klarheit, Konzentriertheit und Fokussiertheit auf mich, auf das Pferd, auf die Sache und auch das immer wieder mitdenken und reflektieren.
Frau Werth, wie beeinflusst Herr Brinkmann Ihre Entscheidungen in puncto Ausbildung und Turniervorstellung der Pferde?
Isabell Werth: Wir gehen gemeinsam den Plan durch, was wir uns vorstellen und wie es natürlich auch mit der Turnierplanung von Lisa kompatibel ist. Anfang des Jahres sprechen wir uns alle ab, dass es einigermaßen zusammenpasst. Götz beeinflusst die Ausbildung und das Management der Pferde dahingehend, dass wir die Pferde gemeinsam arbeiten, darüber diskutieren und reflektieren, wie etwas anders, besser oder verändert sein kann. Ich habe zum einen natürlich die tägliche Arbeit, aber dann natürlich auch das Überprüfen und das frische Auge von Götz, der dann nochmal vielleicht einen ganz anderen Input einbringt. Es ist immer wieder der Austausch und auch für mich das Korrektiv und Feedback von ihm zu haben.
Gibt es ein gemeinsames Ziel/einen Traum?
Isabell Werth: Jedes Pferd nach vorne bringen. Es geht nicht mehr darum, das eine Ziel, wie beispielsweise ein bestimmtes Championat, zu erreichen. Wir haben in Paris glaube ich etwas erreicht, was ein halbes Jahr davor wahrscheinlich kaum einer geglaubt hat, die Kurve so hinzubekommen. Am Ende des Tages war es ein Glücksfall Wendy bekommen zu haben. Dass es sich in sechs Monaten aber so entwickeln würde, hat auch keiner geglaubt. Schlussendlich war sie dann auch wirklich der Gamechanger für die deutsche Mannschaft. Ich glaube, dass wir jetzt sicherlich noch einige Träume und Ziele in der Entwicklung der Pferde haben. Wir wollen im Backup Pferde für die nächsten Turniere und Jahre aufbauen. Und dann sehen wir mal wie lange die Jahre werden.
Gibt es einen Trainer oder Reiterkollegen, von denen Sie sich heute noch Inspiration holen?
Isabell Werth: Der Austausch ist einfach immer wieder wichtig und dass man mit offenen Augen durch die Welt geht. Ich nehme immer wieder irgendetwas mit. Es ist nicht so, dass wir in einem Close-Job sind, das ist das Allergefährlichste. Ich hatte gestern ein Treffen mit den Schweizer Nachwuchstalenten. Ich hatte erklärt, wieso ich heute hier noch so sitze, ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass ich bereit war mich mit den Pferden und der Entwicklung im Sport mit zu entwickeln und anzupassen. Ich glaube, das ist etwas, was wir beide gelernt haben und was wir mitnehmen.
Götz Brinkmann: Viel spannender kann es nicht sein. Auf Turnieren siehst Du das Niveau der Pferde, man tauscht sich mit den Trainern und Reitern aus. Wer die Ohren und Augen aufmacht, der bekommt immer etwas mit.
Isabell Werth: Entscheidend ist, das Richtige herauszufiltern.
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