Die FN zieht in den Süden
Der Kostendruck zwingt den deutschen Reiterverband FN zu einem harten Schnitt. Die komplette Geschäftsstelle von FN und DOKR soll von Warendorf nach Baden-Württemberg verlegt werden. Das hat FN-Präsident Prof. Dr. Martin Richenhagen am Dienstag bestätigt. Die ersten Vorbereitungen wurden noch am selben Tag getroffen.
Für Beobachter wird nun auch klar, warum der neue Verbandspräsident in den vergangenen Wochen so viel Präsenz im Süden der Republik gezeigt hat. Einige Synergieeffekte hat der frühere Manager am Samstag nochmals mit dem baden-württembergischen Zuchtverbandsvorsitzenden Edwin Schuster geklärt, bevor er nach Westfalen zurückfuhr, um den Mitarbeitern vor Ort die Änderungen mitzuteilen. Der Umzug werde allerdings ein Jahr lang benötigen. Einweihung und Eröffnung sind für den 1.4. 2026 vorgesehen.
Vorgesehen ist eine räumliche Anbindung an das Haupt- und Landgestüt in Marbach, wo auch die Landesreitschule und das Kompetenzzentrum Pferd untergebracht sind. Dort wird ein neues Verwaltungsgebäude entstehen, das sich im historischen Stil an die bestehenden Gebäude anpasst. Der Umzug wird mit dem Sparzwang begründet, der den Reiterverband nach Jahren der Misswirtschaft seit dem vergangenen Jahr belastet. „Da kam alles auf den Prüfstand, auch der liebgewonnene Standort Warendorf“, erklärte Richenhagen. Dass die Wahl aufs „Ländle“ gefallen ist, hänge mit der berühmten Sparsamkeit der Schwaben zusammen. „Wenn meine Mitarbeiter nochmal lernen, aufs Geld zu achten, dann dort“, soll Richenhagen im vertraulichen Gespräch erklärt haben. Als Chef-Controller wurde der frühere Finanzkurator Gerhard Ziegler reaktiviert. Als Kommunikationsbeauftragter ist Martin Frenk aus Südbaden vorgesehen.
Auf dem Marbacher Gelände sei genügend Platz, um künftig wichtige Sportveranstaltungen wie das Bundeschampionat abzuhalten. Die Deutschen Meisterschaften sollen künftig im Wechsel auf den Reitanlagen des Mannheimer Maimarktes und der Olympia-Reitanlage in München-Riem stattfinden, auch dabei sollen Kosten gespart werden, weil beide Turnierplätze ohnehin schon beste Bedingungen vorhalten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen teilweise auf Home-Office geschult werden. Auf der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben sei Wohnraum nicht so knapp wie im Raum Stuttgart, erklärte die FN-Pressestelle, daher sei die Standortwahl nicht auf die Landeshauptstadt gefallen, wie zunächst geplant. Kurzzeitig war auch das Hintergebäude des Verlagssitzes der MatthaesMedien in Weilimdorf im Gespräch. Aber man fürchtete, das hektische Tagesgeschäft in den Redaktionsstuben könnte die FN-Mitarbeiter zu sehr verwirren. Der WPSV-Vorsitzende und Architekt Frank Reutter soll den Auftrag bekommen, auf dem Gestüts- Parkplatz eine Reihe von Behelfswohnungen zu errichten, damit die Umzüge schnell vonstatten gehen können.
Die berühmten Olympischen Ringe der DOKR-Reithalle werden bereits heute in Marbach angeliefert und an der Alten Reithalle montiert. Gestütschefin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck hat dazu eine spontane Feierstunde mit Landes-Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut und dem baden-württembergischen Reiterpräsidenten Klaus Dieterich organisiert, der SWR schickt dazu „Äffle und Pferdle“. Zu den Reden reichen die Gestüter in Uniform Saitenwürstle mit Linsen, allerdings müssen die Gäste dafür einen Obulus bezahlen. „Irgendwo muss man mit dem Sparen ja anfangen“, erklärte Richenhagen.
Um ihre finanzielle Situation zu retten, will die FN das komplette Areal in Warendorf verkaufen. Wie man hört, hat Elon Musk Interesse angemeldet, um dort einen US-Trupppenübungsplatz einzurichten. Die Gebäude sollen meistbietend versteigert werden. Auktionator ist Hendrik Schulze-Rückkamp.
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