Unguter Vorgang in Waldachtal
Wegen einer offenen Wunde an der Flanke ihres Ponys Pretiosa wurde die baden-württembergische Rekord-Ponymeisterin und Euro-Teilnehmerin Lea-Sophia Gut am Sonntag beim Turnier in Waldachtal-Heiligenbronn disqualifiziert. Von weiteren Konsequenzen gegenüber der Reiterin sieht die Landeskommission allerdings ab, auch eine Kaderzugehörigkeit oder gar die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in München stehe nicht zur Debatte, erklärte LK-Vorsitzender Frank Reutter auf Nachfrage. Man geht davon aus, dass die Verletzung durch den Sporen im Parcours unabsichtlich zugefügt worden ist. Außerdem sind die Verbände gegenüber Minderjährigen nachsichtiger.
Der Vorfall ereignete sich im Ponyspringen der Klasse M*. Ein Beobachter aus der Pony-Szene hatte die Wunde beim Ausritt bemerkt und die Prüfungsrichter informiert.
Das bestätigte auch Fred Blaimer, der Trainer und Vater der seit Jahren erfolgreichsten Ponyreiterin des Landes. Blaimer gestand auch zu, dem Vorfall durch sein Verhalten vor Ort zusätzliche Bedeutung verschafft zu haben. Dafür entschuldigte er sich.
Blaimer hatte sich auf der Meldestelle darüber beschwert, dass Turnierrichter Klaus Blässing aus Rheinland-Pfalz und Turniertierarzt Dr. Georg Rist die Ponystute Pretiosa in der Box aufgesucht und untersucht hatten, ohne ihn darüber zu informieren. So sei der Eindruck entstanden, er wolle eine Untersuchung des Pferdes erschweren. Auch hatte Blaimer gegenüber den Richtern die Unwahrheit gesagt, als er eine Dispens für die Siegerehrung in dem M-Springen beantragte. Da sprach er nämlich von einem Ballentritt - und nicht von einem Sporenstich. In der Prüfung standen Lea-Sophie Gut und Pretiosa, die sie als Berittpferd vorstellt, noch auf Rang zwei der Platzierung. Nach der Diagnose wurde sie nachträglich disqualifiziert.
Im Nachhinein bedauere er es, nicht ehrlich gewesen zu sein, erklärte Fred Baimer gegenüber dem Reiterjournal. Die Tatsache, dass die Wunde der erst elfjährigen Fuchsstute nicht unmittelbar danach versorgt wurde, wie vom Tierarzt bemängelt, begründete er mit der zeitlichen Hektik. Man habe Pretiosa nur rasch in die Stallzelt-Box gebracht, weil Lea-Sophie im anschließenden S-Springen starten und den Parcours abgehen musste. Danach habe man die Wunde gleich versorgt. Baimer: „Es tut mir Leid, wenn jetzt der Eindruck entstanden ist, bei uns würden Pferde schlecht behandelt, das ist wirklicht nicht der Fall.“
LK-Geschäftsführerin Miriam Abel erklärte dazu: "Bei Lea Sophia Gut wird verfahren wie in allen anderen Fällen, bei denen es zu Beanstandungen auf dem Turnier kommt. Die Pferde oder Ponys kommen in die Nachkontrolle, das heißt von unserer Seite wird geschaut, wann und wo die Pferde als nächstes genannt sind. Dann erfolgt eine Meldung an den LK-Beauftragten dieser PLS, dass dieses besagte Pferd vor dem Start zusammen mit dem dortigen Turniertierarzt zu kontrollieren ist und eine Startfreigabe erst erfolgt, wenn die Ursache der Beanstandung nicht mehr gegeben ist. Die Pferde oder Ponys verbleiben solange in der Nachkontrolle, bis wir die Einwilligung von einem LK-Beauftragten bekommen. Weitere Maßnahmen werden erst ergriffen, wenn ein Reiter mehrfach auffällig wird."
Pony-Beauftragter Heinz Bürk, der in Waldachtal vor Ort anwesend war, ordnete den Vorfall folgendermaßen ein: "Solche Sporenstiche sind schon berühmten Reitern passiert. Lea ist keineswegs grob geritten oder hat das mit Absicht gemacht. Als Strafe wurde sie disqualifiziert, damit muss es aber auch erledigt sein. Mit den Verantwortlichen wurde der Vorfall eindeutig besprochen. Klar ist auch: So etwas sollte nicht vorkommen."
(rok/mos)
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