Goodbye Jonny!
Seine Stimme war leise im Ton, aber klar in der Ansage: Jetzt ist Jonny Hilberath für immer verstummt. Der Co-Bundestrainer der deutschen Dressurreiter ist am Mittwochmorgen verstorben. Er war erst 69 Jahre alt. Der Dressursport hätte ihn doch noch so nötig gebraucht, die Szene trägt Trauer. Jonny Hilberath war ein ganz besonderer Mensch.
Es war im Jahr 2012, wenige Monate vor den Olympischen Spielen in London. Als der damalige Bundestrainer Holger Schmezer überraschend verstarb, musste schnell ein Nachfolger gefunden werden. Das war nicht leicht: Die Person musste fachlich anerkannt sein, und zwar von den besten Athleten des Landes, von deren Heimtrainern und Pferdebesitzern ebenso. Er musste in der Szene geschätzt sein und gleich alles können: Stress wegstecken, repräsentieren. Dazu verfügbar sein und flexibel. Und im besten Fall auch bereit, seinen Stuhl nach den Spielen wieder zu räumen. Die Zeit war nicht leicht, die lange Ära der deutschen Weltmacht im Viereck zerfloss gerade im Sand des Vierecks. Bescheidenheit und Realitätssinn sollte bitte auch vorhanden sein. Also jemand mit Stil und Charakter.
Wer um Himmels willen könnte das sein, fragte man sich damals. Es gab nur einen, dem man diese Mischung aus Eigenschaften zutraute (respektive zumutete). Das war Jonny Hilberath. Das DOKR lag damals genau richtig. Hilberath trat nach den Olympischen Spielen in die zweite Reihe zurück, ermöglichte den Generationswechsel und die erste Frau im Amt: Monica Theodorescu. Beide wurden zu einem kongenialen Paar, ergänzten sich in der Folgezeit optimal, menschlich und fachlich, führten das deutsche Team auch wieder an die Weltspitze zurück. Vor allem formten sie es zur Mannschaft. Ein neuer Ton zog ein.
Jonny Hilberath stammte aus einem Umfeld im schleswig-holsteinischen Kellinghusen und aus einer Generation, in der sich junge Leute den Reitunterricht mit Stallausmisten erarbeiten mussten, wenn die Eltern nicht viel Geld hatten. Dabei waren die Tugenden gefragt, die den echten Reiter ausmachen: Disziplin, Fleiß, das Gespür für Pferde, Respekt und Demut vor dem Gefühl, ein riesiges Tier auf seiner Seite zu haben. Ein gefülltes Portemonnaie gehört da nicht erster Linie dazu. Als junger Mann wurde Hilberath von der bekannten Hamburger Dressurreiterin Rosemarie Springer entdeckt, als Bereiter eingestellt und gefördert. Dann wurde Herbert Rehbein sein Trainer und Mentor. 1992 wurde er Deutscher Meister der Dressurreiter.
Jonny Hilberath verlieh dem Dressursport in Deutschland Stil und Niveau, durch seine Art auch ein bisschen Bescheidenheit und Bodenständigkeit, weil er den Menschen zugewandt war, so ganz ohne Dünkel und Wichtigtuerei, dafür neugierig und weltoffen. Ein kleiner aber feiner Ausbildungsstall mit 36 Boxen im niedersächsischen Abbendorf war sein Zuhause, er führte den Stall seit über 30 Jahren mit seiner Frau Annika, einer Schwedin. Er suchte seine Schülerinnen und Schüler aus, nicht nach dem Bankkonto, sondern nach dem Charakter. Jonny Hilberath dachte viel nach, sprach leise, wägte die Worte ab, hörte viel zu, lernte gerne dazu. Auch die Pferde mochten seine Art. So konnte er als echter Pferdemann den Sport erklären, weil er spüren konnte, was den Pferden gut tat. Er war einer der besten Trainer der Welt – und ein wunderbarer Mensch. Goodbye Jonny!
Warte mal kurz...
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