Warendorf: Der erste Bundeschampion stammt halb aus dem Ländle
Ganz unbemerkt hat das Ländle seit Anfang des Jahres eine "neue", wahrlich hocherfolgreiche Ausbilderin. Die Rede ist von Michele Schulmerig, die seit dieser Saison für Heidelberg-Ladenburg reitet. Und ja, was soll man sagen. Bei der ersten Medaillenentscheidung der diesjährigen HKM Bundeschampionaten, den dreijährigen Reitponys (Stuten und Wallache), holte sie den Titel ins Ländle.
Im Sattel ihres aus der Familienzucht stammenden DSP-Wallachs Goldschatz (v. Genesis B – Dimension AT NRW, Z.: Heike Schulmerig) besaß sie das letzte Quäntchen Glück und schnappte sich den ersten Titel der diesjährigen HKM Bundeschampionate.
„Er ist einfach so gelassen, so locker und immer so brav“, schwärmte Michele Schulmerig. Und das traf es genau auf den Punkt oder wie das Richtertrio, bestehend aus Tim Koch, Dr. Carsten Munk und Jürgen Uthoff bestätigte: „Das Pony zeichnete sich durch eine gute bis sehr gute Losgelassenheit, eine sehr sichere Anlehnung, gute Dehnbereitschaft und immer eine sehr große Zufriedenheit aus“. Genau diese Zufriedenheit und hohe Rittigkeit zog sich in Kombination mit drei sehr reellen und qualitätvollen Grundgangarten durch die Prüfung. Der Trab zeigte sich losgelassen schwingend und immer im Gleichmaß. Teilweise, besonders in den Verstärkungen, war gerade in Hinsicht für eine noch höhere Note noch mehr Abdruck aus der Hinterhand wünschenswert (8,5). Eines der Highlights bildete der Galopp oder wie es Jürgen Uthoff in seinem Kommentar beschrieb: „Der Galopp präsentierte sich sicher ins Bergauf gesprungen bei immer gleicher Anlehnung und großer Zufriedenheit“. Der Lohn: die Wertnote 9,0. Für den taktsicheren Schritt mit gutem Vorfußen und Übertritt vergaben die Richter eine 8,5. Die Rittigkeit war, wie bereits erwähnt, genau der Punkt, mit welchen Goldschatz einfach brillierte. So griffen die Richter auch hier tief in die Notenkiste und vergaben eine 9,0. „Goldschatz hat sich heute wie ein Goldschatz präsentiert. Im Hinblick auf Qualität des Körperbaus und Typs ist es ein sehr korrektes Pony. In der Halsung vielleicht etwas tief angesetzt. Doch wir haben gesagt, dass dieses Pony im Hinblick auf die Präsentation der Grundgangarten sehr viel aus seinem Körper macht“, erläuterte Jürgen Uthoff. So erhielt der DSP-Ponywallach (Rheinland-Pfalz Saar) hier eine 8,5. Damit stand eine Endnote von 8,7 fest und bei Michele Schulmerig, ihrer Mutter und dem gesamten Team flossen die Tränen. Goldschatz machte heute wahrlich seinem Namen aller Ehre. Muss man bei ihm überhaupt irgendetwas beachten? Michele Schulmerig lacht: „Nein, nur genügend Zucker dabei haben“ und fügt hinzu: „Wir haben zu ihm eine ganz besondere Beziehung. Er ist bei uns geboren und meiner Mutter und mir ist er quasi in die Arme gefallen“. Eine wahrlich rührende Geschichte, wobei beim ersten Finale der diesjährigen HKM Bundeschampionate letztendlich gutes Reiten und höchste Zufriedenheit belohnt wurde!
Auf dem zweiten Platz feierte Danica Duen einen großen Erfolg. Schon jetzt kann man sagen, dass sich die diesjährigen HKM Bundeschampionate zu einem echten Triumphzug der erfolgreichen Züchterin und Ausbilderin entpuppen. Bei den dreijährigen Reitponys schnappte sie sich heute im Sattel ihres selbstgezogenen Ponywallachs Diamonds Showstar D (v. Diamonds Showtime – Casino Royale, Pferdezuchtverband Hessen) mit einer Endnote von 8,6 die Silbermedaille. Dabei sind besonders die Noten für Schritt, Rittigkeit und Exterieur hervorzuheben. „Diamonds Showstar D ist ein Pony mit ganz vielen positiven Reitponypoints, ein gut abgerundetes Pony mit guter Oberlinie“, erläuterte Jürgen Uthoff und fügt hinzu: „Eins der Highlights bei diesem Pony ist der Schritt, viel Raumgriff, sicher im Takt mit guter Dehnung an die Hand. Auch die Rittigkeit ist hervorzuheben. Er zeigte sich stets mit einer zufriedenen Anlehnung und guter Losgelassenheit“. Dementsprechend standen beim Schritt, der Rittigkeit und im Exterieur die Note 9,0. Der Galopp zeigte sich gut ins Bergauf springend (8,5). Im Trab mussten heute noch der Entwicklung entsprechend ein paar Abstriche gemacht werden. Dieser präsentierte sich sehr geregelt und gleichmäßig mit angemessener Schwungveranlagung. Man wünschte sich die Verstärkungen noch erhabener (7,5). Mit einer Endnote von 8,6 verwiesen die beiden Wenke Kraus mit Next Golden Princess (v. FS Next Diamond – Dressman I, Z.: Madlen Blunk) auf Rang drei (Endnote: 8,5). Absolutes Highlight dieser Stute aus Mecklenburg-Vorpommern stammend ist der Trab, wo die Richter die Idealnote von 10,0 vergaben. „In den schwunghaften Grundgangarten hat sie sehr, sehr viel Qualität. Der Trab überzeugt mit einem aktiv vorfußenden Vorderbein, wobei sich gleichzeitig ein sehr aktives Hinterbein zeigt. Für uns ging der Trab nicht besser“. Die gleiche beeindruckende Bewegungsmechanik zeigte sich im Galopp (9,5). Abstriche mussten heute in der nicht immer ganz gegebenen Losgelassenheit gemacht werden, was auch die Note für den Schritt (7,0) sowie auch für die Rittigkeit (8,5) drückte. Im Exterieur stand für die leichtfüßige und elegante Ponystute eine 7,5.
Etwas Pech für Ann-Cathrin Rieg
Auf dem vierten Platz folgte ein weiterer Nachkomme des FS Next Diamond, der Sieger der Finalqualifikation Nevada Rock (FS Next Diamond M – FS Don’t Worry, Z.: Zuchtstätte Bäumken). Der aus dem Rheinland stammende Ponywallach wurde von den Richtern heute sehr streng bewertet. Diese kreideten ihm heute eine immer wieder leicht enge Halsung an. Dennoch wurde es für die baden-württembergische Ponyausbilderin ein guter vierter Platz (8,4). In Kombination mit dem Sieg in der Finalqualifikation müsste die Ponyausbilderin sicherlich dennoch hochzufrieden nach Hause fahren. Denn den Sieg in der Finalqualifikation konnte sie selbst noch immer nicht richtig glauben. Zwar wusste sie, dass ihr Nevada Rock gut ist. Doch für sie gab es dabei ein großes Aber: „Die anderen sind schon gut. Der diesjährige dreijährige Jahrgang ist gut. Letztes Jahr waren die nicht so stark. Es ist am Ende wirklich Glück, es muss einfach alles passen“. Die Geschichte von Nevada Rock ist wahrlich besonders. „Er ist über eine Bekannte aus Holland zu mir gekommen. Sie hat viele Verkaufsponys und ich habe ihn dann bei ihr in der Instagram Story gesehen. Ich habe dann sofort angefragt, ob er zum Verkauf steht. Ich habe ihn dann ohne Ausprobieren gekauft“, beschreibt Annci Rieg grinsend. Ob es beim ersten Reiten einen Wow-Effekt gab. Die Antwort ist tatsächlich nein. „Tatsächlich hat er mir erst auf dem Video besser gefallen. Er war immer super brav, aber er war in sich nicht so gelassen, weshalb wir ihn gelegt haben. Ich habe ihn einfach weitergeritten und nach und nach hat er sich echt toll entwickelt. Er hat Kraft entwickelt und verstanden, dass er im Trab von hinten nach vorne durchziehen muss“. Die Bilanz der letzten Wochen kann sich wahrlich sehen lassen, drei Turnierstarts, drei Siege und nun der vierte Platz im Finale der HKM Bundeschampionate. Besser geht’s wohl kaum, was mit Sicherheit auch an den Stärken von Nevada Rock liegt. „Seine Gelassenheit und Ruhe sind seine Stärken. Er lässt sich nicht schnell aus der Ruhe bringen. Natürlich sind es dreijährige Ponys und das Viereck hier ist schwierig. Ich versuche ihm hier Vertrauen zu vermitteln, dann geht das auch“. Nevada Rock hat im Stall auch einen lustigen Namen, vielmehr wohnt bei Annci Rieg eine ganz besondere Familie im Stall, eine kleine (immer größer werdende) Eisköniginnen Familie. In dieser Familie ist der Ponywallach der Sven. „Er ist ein kleines Spielkind und ein Träumer, eben ein richtiger Sven“, lacht Ann-Cathrin Rieg, die mit ihrem Träumer Sven nun schon wieder einen Finalisten geformt hat, Hut ab!
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